Sportwelt
Deutsche Gewichtheber retten Olympia-Teilnahme

Sonntag, 13.11.2011, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 13.11.2011, 00:00 Uhr

Paris - Die deutschen Gewichtheber mussten bei der WM in Paris Schwerstarbeit verrichten und zitterten bis zum Schluss. Ende gut, alles gut: Drei Männer und zwei Frauen dürfen zu den Olympischen Spielen. Ohne Top-Athlet Matthias Steiner haben die deutschen Gewichtheber in letzter Sekunde ihre Olympia-Teilnahme gerettet. Erst mit dem Schlussstarter, Superschwergewichtler Almir Velagic , schob sich das deutsche Männer-Team bei den Weltmeisterschaften in Paris unter die 24 führenden Nationen, die mindestens drei Starter nach London schicken dürfen. Vor dem letzten Wettkampf lag die sechsköpfige Mannschaft von Bundestrainer Frank Mantek auf dem 25. Rang - und hatte damit nicht einen Olympia-Platz sicher. «Wir hatten keine Chance, aber die haben wir genutzt», sagte Mantek erleichtert. «Die Aufregung muss ich aber nicht jeden Tag haben.» 'Velagic wurder mit 411 Kilogramm Neunter. Die deutschen Frauen Julia Rohde (Görlitz), Christin Ulrich (Ladenburg), Yvonne Kranz (Suhl) und Mandy Wedow (Neuhardenberg) hatten sich schon Tage zuvor qualifiziert. Mehr noch: Erstmals dürfen sie mit zwei Athletinnen zu Olympia . Früher schaffte höchstens eine Frau den Sprung auf die olympische Heberbühne, die seit Sydney 2000 auch für das weibliche Geschlecht geöffnet ist. «Das ist historisch und einfach grandios. Deshalb haben wir 'ne Kuh fliegen lassen», sagte Frauen-Bundestrainer Thomas Faselt. Im Dschungel-Restaurant im Disneyland, «wo ab und zu ein Elefant um die Ecke kommt», wie Faselt berichtete, kreisten die Sektflaschen. Die Wettbewerbe der Männer standen unter keinem guten Stern. Erst fielen Olympiasieger Steiner, Ex-Europameister Jürgen Spieß und der diesjährige EM-Sechste André Winter wegen Verletzungen aus, schließlich sagte auch der Baunataler Alexej Prochorow sein WM-Debüt kurz vor dem Start wegen einer Muskelzerrung ab. Insbesondere Tom Schwarzbach (Chemnitz) und Jakob Neufeld (Obrigheim) mit persönlichen Bestleistungen sowie Velagic mit seiner Erfahrung verhinderten eine Pleite. Ich bedanke mich bei den Jungs, dass sie die drei Plätze verteidigt haben», sagte Steiner, der am Fernseher zuschauen musste und natürlich erster Anwärter auf ein Olympia-Ticket ist. Schwarzbach, der mit 205 Kilo im Stoßen an der Bronzemedaille in dieser Teildisziplin vorbeischrammte, wurde von Chef Mantek geadelt: «Diese 205 Kilo waren für mich der Höhepunkt der WM.» Neben dem Chemnitzer haben Velagic, Steiner und Spieß die Olympia-Norm bereits geschafft. Wer nach London fährt, wird im internen Wettkampf ermittelt. Ebenso bei den Frauen, bei denen Rohde die Favoritin ist. Die Platzierungen der Deutschen nehmen sich im Schatten der Seriensieger aus China (15-mal Gold) und Russland (7-mal Gold) allesamt bescheiden aus. Kein Zweikampfresultat ist einstellig. «Es ging hier nicht um Olympiasieg oder WM-Medaillen, sondern ums nackte Überleben», beschrieb Mantek die besondere WM-Aufgabe Olympia-Qualifikation. «Ich bin total stolz auf die Jungs.» In London fallen die Platzierungen ohnehin besser aus, da dort die Teilnehmerzahl reduziert und die Konkurrenz deutlich übersichtlicher ist. Stärkster Mann der Welt wurde erneut der 168 Kilo schwere Iraner Behdad Salimikordasiabi, der im Zweikampf des Superschwergewichts 464 Kilogramm bewältigte und im Reißen einen Weltrekord von 214 Kilo markierte. Steiner hatte bei seinem Olympiasieg 461 Kilo geschafft. Bei den Frauen holte sich die Chinesin Zhou Lulu den Titel in der Königsklasse mit dem Zweikampf-Weltrekord von 328 Kilogramm.

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