Gericht entscheidet gegen Radprofi Stefan Schumacher
Münsterische Firma Trelock pocht wegen Doping auf Schadenersatz

Münster -

Radprofi Stefan Schumacher sitzt längst wieder fest im Rennsattel. „Rad-Schumi“, wie der WM-Dritte von 2007 einst genannt wurde, arbeitet nach seiner fast zweijährigen Dopingsperre inzwischen für einen drittklassigen dänischen Rennstall. Alles gut? Nein.

Samstag, 23.02.2013, 17:02 Uhr

Der Fund des Epo-Nachfolgers Cera in Schumachers Blut wirkt auf einem anderen Gebiet nach: Die Firma Trelock aus Münster , die den Spitzensportler einst als Sponsor mit Jahres- und Siegprämien unterstützte, pocht auf Schadenersatz – erfolgreich, wie es scheint.

Etappensieg vor Gericht

In einem Zivilprozess vor dem Landgericht Stuttgart erzielte das Unternehmen, das auf Fahrradzubehör spezialisiert ist, kürzlich einen Etappensieg. Die Stuttgarter Richter stellten fest, dass Schumacher, der die Dopingvorwürfe stets zurückgewiesen hat, den Stoff Cera nicht im Körper produziert hat. Cera muss dem Radrennfahrer, der bei der Tour de France 2008 an zwei Tagen das gelbe Trikot überstreifen konnte, folglich extern zugeführt worden sein – bewusst oder unbewusst. Damit ist Schumacher aus Sicht des Gerichts gegenüber dem Sponsor Trelock schadenersatzpflichtig. „Das Urteil ist nach langem Rechtsstreit ein großer Erfolg“, freut sich das Unternehmen. Ob Stefan Schumacher aber zahlen wird, ist offen. Der Radsportler, der schon wegen seiner Dopingsperre bis vor den Internationalen Sportgerichtshof gezogen ist, kann Einspruch einlegen.

Trelock und Schumacher – in der Anfangsphase war dies eine gute Beziehung. Der Profi aus dem Baden-Württembergischen, der schon als 14-jähriger Schüler an ersten Straßenrennen teilnahm, schloss mit Trelock Ende 2006 einen Sponsoringvertrag. Schumacher hatte beim Giro d`Italia zwei Etappensiege geholt und mehrere große Rennen wie die Polen-Rundfahrt gewonnen. Trelock garantierte feste Prämien. Im Gegenzug durfte der Zubehörlieferant bestimmte Produkte mit Namen und Bild des Rennfahrers bewerben.

Dopingvorwürfe bestätigten sich

2008 nahm Stefan Schumacher als ein Star des Teams Gerolsteiner an der Tour des France und an den Olympischen Spielen in Peking teil. Fatal für den Bund Deutscher Radfahrer und das Deutsche Olympische Komitee: In beiden Fällen wurde der Nürtinger bei nachträglichen Untersuchungen als Doper enttarnt. In der Velo-Szene löste dieser doppelte Skandal Entsetzen aus.

Trelock zog unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Konsequenzen. Das Unternehmen kündigte umgehend den Sponsorenvertrag. Zudem focht Trelock den Vertrag wegen Täuschung an und machte beim Landgericht Stuttgart Schadenersatzansprüche – darunter die Rückzahlung von Jahres- und Siegzahlungen – geltend. Mit dem Namen Schumacher werben wollte man fortan nicht mehr. Das alles war im Jahr 2008.

Radsportler ging in die Offensive

Doch der Radsportler ging in die Offensive. Er stritt die Dopingvorwürfe ab. Die Öffnung der Proben sei ohne seine Zustimmung und die Möglichkeit der Mitwirkung erfolgt. Das Testverfahren habe sich noch in einem Versuchsstadium befunden. Und: Trelock hätte ihm nachweisen müssen, dass das im Blut gefundene Präparat künstlich zugeführt worden ist. Denn Cera könne aufgrund von Blutabnormitäten auch im Körper entstehen.

Wie Trelock jetzt erklärte, musste Stefan Schumacher vor dem Jahreswechsel am Landgericht alle Dokumente und Unterlagen zu den einzelnen Proben und Sperren vorlegen. Das Gericht kam, nachdem man einen medizinischen Gutachter eingeschaltet hatte, zu dem Schluss, dass Cera extern zugeführt wurde. Die Durchführung der Dopingproben sei einwandfrei gewesen.

Aus Sicht von Trelock setzt das Urteil in der von zahlreichen Dopingfällen heimgesuchten Fahrradbranche Maßstäbe. Und die Hoffnung besteht, dass man zumindest einen Teil der Prämien und Kosten für Werbematerial wieder zurückbekommt. Rad-Profi Patrik Sinkewitz musste wegen seiner früheren Doping-Vergehen rund 100 000 Euro Entschädigung an seinen ehemaligen Sponsor Förstina bezahlen. Bezüglich der Summe hält man sich bei Trelock bedeckt.

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