Alles wieder selbst in der Hand
Handball: DHB-Auswahl bezwingt Tschechien mit 28:23 und kann die EM in Dänemark aus eigener Kraft erreichen

Halle -

Eigentlich sind die Zuschauer in Halle wenigstens für einen Punkt gut. Aber gestern brauchten die 9500 Besucher knapp zehn Minuten Anlaufzeit, ehe sie mit den deutschen Handballern auf einer Wellenlänge lagen. Der Grund: eine katastrophale Anfangsphase im Spiel der deutschen Mannschaft in der EM-Qualifikation gegen Tschechien. Auf den Rängen herrschte die pure Konsterniertheit angesichts eines 1:5-Rückstands, auf dem Parkett war guter Rat teuer. Bundestrainer Martin Heuberger nahm eine ex­trem frühe, aber notwendige Auszeit, um alles wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Es fruchtete, ab sofort waren die Deutschen Herr im Haus und hatten die Fans auf ihrer Seite. Zur Pause führten sie mit 15:12 und bauten diesen Vorsprung im zweiten Abschnitt noch aus. Mit 28:23 hatten sie am Ende die Nase vorn und damit gleichzeitig die 22:24-Hinspielniederlage mehr als wettgemacht.

Sonntag, 07.04.2013, 20:04 Uhr

Rückraumspieler mit Torgarantie: Linkshänder Steffen Weinhold setzt sich gegen den Tschechen Pavel Horák durch und erzielt einen seiner sechs Treffer.
Rückraumspieler mit Torgarantie: Linkshänder Steffen Weinhold setzt sich gegen den Tschechen Pavel Horák durch und erzielt einen seiner sechs Treffer. Foto: dpa

Musste man am Donnerstagabend in Brünn noch das Scheitern in der EM-Qualifikation befürchten, so hat es das DHB-Team nun selbst in der Hand, das Ticket nach Dänemark zu lösen. Dazu müssen „nur“ die letzten zwei Spiele Anfang Juni in Montenegro und gegen Israel gewonnen werden. Pikanterie am Rande: noch alle vier Teams der Gruppe 2 haben die Chance auf ein EM-Ticket, das den ersten beiden winkt.

Das erste Kompliment kam von Gästetrainer Vladimir Haber: „Heute hat die bessere Mannschaft gewonnen. Bei uns war Jicha etwas müde, bei den Deutschen Heinevetter sehr gut.“ Um im Bild zu bleiben: der Schlussmann aus Berlin war hellwach und seine Kollegen waren ab Minute acht zumindest ausgeschlafen. Das reichte, um die Partie zu gewinnen und eine schwierige Ausgangslage in eine lösbare zu verwandeln. Heuberger : „Wir sind alle erleichtert.“

Vier Aktivposten drückten dem Spiel der Deutschen gestern ihren Stempel auf. Torhüter Silvio Heinevetter war ein sicherer Rückhalt, Patrick Wiencek in Abwehr und Angriff eine Bank, zudem zeigten sich die Rückraumspieler Steffen Weinhold sowie Sven-Sören Christophersen spielfreudig und torgefährlich. Dazu war die gesamte Mannschaft in der Abwehr aggressiver und im Angriff beweglicher als zuletzt in Brünn. „Weil war alle mehr investiert haben, kam am Ende auch mehr heraus“, bilanzierte Christophersen. Und Spielmacher Martin Strobel ergänzte: „Hinten haben wir gut zugefasst und uns vorne richtig reingehauen. Damit bekommt jeder Gegner seine Probleme.“ Dazu kommen noch die Zuschauer, die Strobel, der Mittelmann aus Lemgo, „einmal mehr sensationell“ fand.

„Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Das hängt auch mit dem Druck zusammen, den wir vor dem Spiel hatten. Der war immens hoch“, sagte Torhüter Carsten Lichtlein, der den verletzten Oliver Roggisch als Kapitän vertrat. Er konnte sich ganz auf die Rolle des Motivators verlegen, durfte er doch selbst nur bei zwei Jicha-Strafwürfen aufs Parkett. Dass er dabei chancenlos blieb, konnte er verschmerzen. „Hauptsache, wir haben gewonnen.“ Und dass das in der EM-Qualifikation so weitergeht, davon geht er aus. „Wir wollen nach Dänemark.“

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