Vor 40 Jahren: Rumble in the Jungle
„Du schlägst wie eine Memme“

Münster -

Es war die Zeit, in der Frauen schlaftrunken ins Leere griffen, wenn sie im Ehebett nach ihrem Partner fühlten. Es war die Zeit, in der Männer abends die Sorge umtrieb, nachts nicht aufzuwachen. Es war die Zeit, in der in Deutschland Wecker drei Stunden nach Mitternacht Alarm schlugen. Es war die Zeit der großen Kämpfe der Boxgeschichte. Einer jährt sich am Mittwoch zum 40. Mal: Muhammad Ali gegen George Foreman, „Rumble in the Jungle“.

Mittwoch, 29.10.2014, 20:10 Uhr

Die Gegenattacke von Muhammad Ali: Mit einer Links-Rechts-Kombination schickt der „Größte“ den klar favorisierten Weltmeister George Foreman auf die Bretter.
Die Gegenattacke von Muhammad Ali: Mit einer Links-Rechts-Kombination schickt der „Größte“ den klar favorisierten Weltmeister George Foreman auf die Bretter. Foto: dpa

In Deutschland war der Morgen noch sehr frisch, als die Protagonisten in Kinshasa (Kongo/damals noch Zaire) in den Ring stiegen. Die Welt war auf einen kurzen Kampf eingestellt. Weltmeister Foreman , der seine Widersacher zuvor samt und sonders in wenigen Runden in den Staub geprügelt hatte, galt als klarer Favorit. Der 25-Jährige strotzte vor Kraft und der Überzeugung, unschlagbar zu sein.

Die Sympathien flogen allerdings dem sieben Jahre älteren Ex-Champion Ali zu, der sich 1964 per Triumph über Sonny Liston die WM-Krone aufgesetzt hatte, den Titel aber drei Jahre später verlor, weil er sich beharrlich weigerte, den Militärdienst anzutreten und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Spätere Comeback-Versuche des polarisierenden Faustkämpfers, der schon als Kind beschlossen hatte, Boxer zu werden, weil ihm ein Fahrrad gestohlen worden war, scheiterten zunächst – wie zuvor die Ehe mit einem Fotomodell. Da hing eine Karriere am seidenen Faden.

40 Jahre "Rumble in the Jungle": Ali vs. Foreman

Und dann kam die Nacht von Kinshasa, dieses epische Gefecht gegen den Koloss Foreman. Es war auch ein Kampf der Worte. „Du schlägst wie eine Memme . Ist das alles, was du kannst?“, fragte Ali seinen Widerpart während des Schlagabtauschs mehrfach. Im Ring lehnte sich Ali, der gebürtig Cassius Clay hieß, diesen „Sklavennamen“ allerdings erst ablehnte und dann ablegte, aufreizend lässig in die Seile.

Foreman, der K.o.-Killer, drosch serienweise auf ihn ein, aber er traf nicht, jedenfalls nie entscheidend, weil der „Größte“ (Ali über Ali) jeden Vorstoß parierte. In der achten Runde ging die Taktik des Herausforderers auf: Foreman hatte sich abgearbeitet, wurde müde und war der Gegenattacke des Konkurrenten nicht gewachsen. Mit einer Links-Rechts-Kombination beendete Muhammad Ali den Kampf.

Foreman kann sich die Niederlage bis heute nicht erklären. „Spätestens nach der dritten Runde wollte ich mit ihm fertig sein,“ erzählte er später. In seiner Kabine habe er noch „gebetet, dass ich ihn nicht töte“.

Der Verlierer von einst ist heute ein Sieger: Foreman geht es gut, er hat elf Kinder. Der 65-Jährige ist in US-Fernsehwerbungen zu sehen, in denen elektrische Grills unter seinem Namen vermarktet werden.

Der Sieger von Kinshasa ist heute ein schwer kranker Mann. Seit 1984 leidet Ali am Parkinson-Syndrom. Oft wurde die Erkrankung in Zusammenhang mit Boxen gebracht, dies konnte allerdings nie belegt werden.

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