Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt im Interview
Schmidt über seine Anfänge, die Struktur der Bayern und seine Familie

Leverkusen - Das Innere der Trainerkabine ist wenig spektakulär. Ein Tisch mit fünf Stühlen, drei Wohlfühlsessel vielleicht als einziger Luxus, an der Tür ein leerer Wasserkasten, an den Wänden Informationen zu Gegnern und Zeitpläne. Es ist das Refugium von Roger Schmidt (47), dem Coach von Fußball-Bundesligist Bayern Leverkusen. Er, geboren im Sauerland, sozialisiert im Fußball mit Schalke 04, Spieler unter anderem beim SC Verl und SC Paderborn, Trainerstationen beim SC Delbrück, Preußen Münster, SC Paderborn, RB Salzburg und jetzt im Rheinland. Er ist der Aufsteiger in der Trainergilde schlechthin in Deutschland. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik.

Donnerstag, 25.12.2014, 14:12 Uhr

Leverkusens Trainer Roger Schmidt und Trainer Lucien Favre von Mönchengladbach. Foto:dpa
Leverkusens Trainer Roger Schmidt und Trainer Lucien Favre von Mönchengladbach begrüßen sich vor dem Spiel Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach am 14. Dezember 2014 in der BayArena in Leverkusen. Foto: dpa

Wie war das vor sieben Jahren, können Sie sich noch an Ihr erstes Spiel als Profitrainer erinnern?

Das ist sieben Jahre her? Das war gegen Erkenschwick, 2:0 Endstand, Timo Scherping und Marco Antwerpen trafen. Das war ein Superspiel, totale Erleichterung für uns alle.

Ist das der Moment, wo alles begann? Ihre Station in Delbrück war ja mehr ein Abend-Engagement.

In Delbrück hatte ich aufgehört, eigentlich war meine Trainerkarriere da beendet. Ich wollte es nur eine Saison machen, dann sind drei daraus geworden. In Verbindung mit dem Beruf und einer jungen Familie war das viel zu zeitintensiv. Das konnte ich meiner Familie nicht mehr antun. Und dann kam alles noch einmal ganz anders. Da kam das Interesse von Preußen Münster , das hartnäckige. Ich hatte eigentlich ausgeschlossen, aus meinem Beruf als Maschinenbau-Ingenieur auszusteigen. Das hatte ich nicht für möglich gehalten. Ich habe mit Marco de Angelis und Carsten Gockel so lange diskutiert, bis ich dann irgendwann selber gemerkt habe, dass es das sein würde, was ich am liebsten machen würde. Ich habe das als Schicksal empfunden, ich habe es auch nie bereut.

Was wäre aus Roger Schmidt geworden, wenn er bei Benteler in Paderborn geblieben wäre?

Das kann ich nicht sagen, keine Ahnung. Ehrlich gesagt interessiert mich das heute nicht mehr. Ob da noch einmal eine Abzweigung Richtung Fußball gekommen wäre, würde ich bezweifeln. Dann wäre es ein anderes Leben geworden. Vielleicht hätte ich es in eine leitende Position geschafft. Es war ja nicht vorhersehbar, ich war kein großer Spieler und ich hatte ja auch als Trainer wenig Erfahrung, weil ich bis 37 noch aktiv gespielt habe. Da hatten manche schon zehn Jahre als Coach Erfahrung. Eigentlich musste man das bei allem Optimismus ausschließen.

Haben Sie das Ende in Münster jemals bereut?

Ich bin kein Typ, der etwas bereut. Das Ende war natürlich hart , ich hatte mich mit der Sache total identifiziert. Wir hatten ein Gemeinschaft zusammen, wir hatten das Gefühl, das würde immer erfolgreich weitergehen und wir hätten die Zeit, die Dinge zu entwickeln. Aber dann hat uns der Alltag eingeholt. Das war schade. Ich hatte auch Schuld daran, ich hatte die Situation unterschätzt. Aber sicher ist auch, es gibt schlimmere Dinge im Leben als als Trainer entlassen zu werden.

Haben Sie daraus etwas gelernt?

Ganz viel. Man hat keine Zeit im Fußball, Erwartungshaltungen im Fußball muss man berücksichtigen. Aufgrund der Erfolge im ersten Jahr, auch im zweiten Jahr, habe ich gedacht, wir hätten Zeit, alles über mehrere Jahre bis in die 3. Liga zu entwickeln. Aber die Sehnsucht der Fans nach Profifußball darf man nicht unterschätzen. Alles hätte von uns beschleunigt werden müssen, bei der Kaderplanung waren wir zu optimistisch. Das hat uns eingeholt, im Laufe der Saison war das nicht mehr zu korrigieren.

Sie sprachen von Schicksal, war das auch im Spiel, als Sie sich nach Ihrer Beurlaubung der Ausbildung zum Fußballlehrer widmen konnten?

Ja klar, schon irgendwie. Eigentlich war ich in meinem dritten Jahr in Münster schon angemeldet, aber dann haben wir entschieden, dass diese Saison zu wichtig kst. Es war aber auch nicht so, dass ich gesagt habe Gott sei dank bin ich beurlaubt und kann mich auf den Fußballlehrer konzentrieren, sondern dafür hat das zu sehr weh getan.

Dieser Jahrgang 2011 mit Tayfun Korkut, Markus Gisdol, Markus Weinzierl oder Stefan Krämer wir immer als goldener Jahrgang bezeichnet. Gibt es weiterhin Kontakte?

Sascha Lewandowski, Michael Wiesinger oder Thomas Schneider gehören auch dazu.

Sie hatten den zweitbesten Abschluss, aber rein vom Sportlichen sind Sie aktuell der Beste aus dem Jahrgang?

(lacht) Man sollte den Abschluss nicht überbewerten und sagen, wer die beste Note hatte, der ist der beste Trainer. Wir versuchen uns gegenseitig zu schlagen bei Spielen, weil wir es brauchen, aber das ist nichts Persönliches.

Sind die letzten sieben Jahre für Sie ein Traum?

Was heißt Traum? Das war ja alles nicht geplant, das hat sich so ergeben. Paderborn war gut, es wäre nicht so einfach gewesen, einen Einstieg in der 2. Bundesliga zu finden. Das hat sich aneinander gereiht. In Paderborn hatte ich gedacht, ich bleibe ein paar Jahre, dann kam schon die nächste Abbiegung nach Österreich. Überall habe ich mich dann sehr wohl gefühlt und die Clubs zu schätzen gelernt.

Fußball-Coach Roger Schmidt in Bildern

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  • Bundesliga 15. Spieltag: Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach am 14.12.2014 in der Bayarena in Leverkusen. Leverkusens Trainer Roger Schmidt geht vor dem Spiel durch das Stadion.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Fußball Bundesliga 16. Spieltag: TSG 1899 Hoffenheim - Bayer 04 Leverkusen am 17.12.2014 in Sinsheim (Baden-Württemberg) in der Rhein-Neckar-Arena.

    Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Bundesliga - 15. Spieltag: Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach am 14.12.2014 in der Bayarena in Leverkusen. Leverkusens Trainer Roger Schmidt und Trainer Lucien Favre von Mönchengladbach begrüßen sich vor dem Spiel.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Trainer Roger Schmidt

    Foto: Carmen Jaspersen/dpa
  • Fußball Bundesliga 17. Spieltag: Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt am 20.12.2014 in der BayArena in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen). Trainer Roger Schmidt von Leverkusen verfolgt die Partie an der Seitenlinie.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Fußball Bundesliga 16. Spieltag: TSG 1899 Hoffenheim - Bayer 04 Leverkusen am 17.12.2014 in Sinsheim (Baden-Württemberg) in der Rhein-Neckar-Arena.

    Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Fußball Bundesliga 16. Spieltag: TSG 1899 Hoffenheim - Bayer 04 Leverkusen am 17.12.2014 in Sinsheim (Baden-Württemberg) in der Rhein-Neckar-Arena.

    Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Bundesliga - 15. Spieltag: Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach am 14.12.2014 in der Bayarena in Leverkusen. Leverkusens Trainer Roger Schmidt und Tin Jedvaj, Lars Bender und Simon Rolfes (l-r) unterhalten sich nach dem Spiel

    Foto: Bernd Thissen/dpa

Sehr relaxt, passiert das eine nicht, dann kommt die andere Chance in einem brutal harten Business?

Trotz des Drucks schadet eine gewisse Gelassenheit nicht. Ich versuche insgesamt, entspannt zu bleiben und es zu genießen. Ich bin aber immer zu hundert Prozent bei dem Verein, bei dem ich arbeite. Und ich habe Spaß an der Arbeit. Mittlerweile habe ich mich dahin bewegt, wo man als Trainer kaum hinkommt. Hier ist es aber umso schöner, weil der Fußball noch hochwertiger ist. Das ganze Drumherum mit Zuschauern und im Stadion macht noch mehr Spaß, aber ich bleibe entspannt dabei. Wenn es nicht mehr klappt im Fußball, dann wird es irgendwo anders im Leben weitergehen. Wichtig ist, das nicht zu sehr beeinflussen zu wollen. Ich weiß natürlich nicht, was in zwei Jahren ist, ob ich in fünf Jahren noch Trainer bin. Also: Existenzangst habe ich keine.

Am Spielfeldrand sind Sie nicht zu locker, was geht in Ihrem Kopf vor während der Partie?

Da bin ich in einem anderen Modus. Ich will unbedingt gewinnen, ich bin ein extrem schlechter Verlierer. Das Spiel will ich zu 100 Prozent begleiten, um gegebenenfalls auch eingreifen zu können. Manchmal bin ich auch übersensibel, wenn ich das Gefühl habe, meine Spieler werden ungerecht behandelt. Man sollte mich da nicht zu ernst nehmen.

Wie lange brauchen Sie, um nach dem Spiel runterzukommen, zum Beispiel nach dem Spiel gegen Köln?

Meinen sie gegen Köln 2, als ich damals beurlaubt wurde 2010 in Münster oder das vor zwei Wochen in der Bundesliga? Zu letzterem Spiel: Ich hatte vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln über Trainer Peter Stöger gesagt, wie ich das wertschätze, was da gemacht wird. Nach dem 5:1 gegen Köln und nach dem Spiel gegen Monaco wurde ich gefragt, was ich von diesem Fußball halte. Beide, also Köln und Monaco waren sehr defensiv eingestellt. Und da habe ich gesagt, dass das nicht mein Fußball ist. Das sage ich allerdings, seitdem ich Trainer bin. Meine Intention war nicht, anderen Trainerkollegen etwas abzusprechen. Mir war das im Interview in diesem Moment nicht bewusst und ich habe mich da falsch ausgedrückt. Das war ein Fehler.

Heute wird viel über Systeme gesprochen, 4-3-3-, 3-5-2, 08/15 oder 4711. Was bevorzugen Sie, was ist Ihre Idee?

Die Grundordnung ist die, die man ab und zu auf dem Platz sieht. Die gleiche Spielidee kann ich mit verschiedenen Systemen umsetzen. Ich liebe das aktive Spiel, dass das Spiel 90 Minuten intensiv ist und viel passiert. Wir versuchen unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Bei Ballbesitz versuchen wir Lösungen zu finden, möglichst schnell den Ball nach vorne zu bringen in den torgefährlichen Bereich. Dazu mag ich die ballorientierte Vorwärts-Verteidigung, das ist der Mittelpunkt unseres Spiels. Darüber wollen wir unser Spiel dem Gegner aufzwingen. Das alles können wir am besten umsetzen in der Grundordnung mit einer Viererkette, zwei Sechsern, zwei Zehnern und zwei Stürmern. Das habe ich schon in Paderbon gespielt, damit haben wir die beste Raumaufteilung und haben viele Spieler vorne, um den Ball zu erobern. Sichere ich hinten ultradefensiv ab, kann ich das nicht spielen. Ich denke so: wie viele Spieler brauche ich vorne, um Bälle zu erobern, und dann gucke ich, wie viele habe ich noch hinten, um abzusichern. Das Risiko, vorne aggressiv zu attackieren, garantiert aus meiner Sicht auch, dass man hinten sicher stehen kann. Das ist unser Ansatz.

Versteht das, was Sie wollen, jeder? Es gibt Fußballer, die kein Deutsch sprechen?

Salzburg war da eine gute Schule. Da habe ich mich in der Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick weiterentwickelt. Da ich mit sehr vielen Nationalitäten zusammen gearbeitet hatte, bin ich das gewohnt. Auch, dass viele Mitarbeiter, sogenannter Staff, um uns herum sind. Da hatte ich bei jedem Training, bei jeder Besprechung drei, vier Übersetzer dabei. Das merkt man irgendwann nicht mehr, das ist der Fußball von heute.

Roger Schmidt war bekannt spätestens ab Januar 2014, als er mit Salzburg beim „Alpengipfel“ gegen Bayern München und Trainer Pep Guardiola mit Salzburg gewann, war das ein Meilenstein?

In der Nachbetrachtung war das wahrscheinlich so. Den Fußball aus Österreich nimmt man in Deutschland nur bedingt wahr, aber Salzburg hat da schon auf einem hohen Niveau gespielt, wir hatten in der Europa League alle sechs Vorrunden-Spiele gewonnen. Danach hat man uns auch in Deutschland wahrgenommen, auch die Spiele danach gegen Ajax Amsterdam.

Was das etwas Besonderes, gegen die Trainer-Ikone Guardiola zu gewinnen – Freundschaftsspiel hin oder her?

Wenn man als Trainer in Österreich gegen Bayern München spielt, dann hat das immer einen hohen Stellenwert. Das Höchste in Österreich ist die deutsche Bundesliga, und darüber kommt noch einmal Bayern München. Wir haben mutig gespielt, wollten schauen, was wir gegen Bayern erreichen können. Am Ende war das für uns als Verein ein Türöffner, weil Salzburg in Österreich extrem kritisch gesehen wird. Da hat man gesehen, die stecken nicht nur viel Geld in die Sache, da kommt auch was raus. Das war das Spiel, wo allen Österreichern auch RB Salzburg gefallen hat. Und das hat sich gehalten.

Was hat Ihnen Guardiola nach der 0:3-Niederlage ins Ohr geflüstert?

Das sage ich nicht. Aber er hat in der Pressekonferenz gesagt, dass er unser Spiel wertschätzt, was wir da gemacht haben. Das war schön zu hören, das sagt er nicht einfach so. Bayern ist bei Ballbesitz vielleicht die beste Mannschaft der Welt. Wir haben aber so gespielt, dass wir gegen den Ball mutig auf die Umschaltaktionen gedrängt haben. An dem Tag haben wir uns darüber durchgesetzt. Das war eine perfekte Vorbereitung auf das Spiel gegen Ajax Amsterdam, die holländische Schule des Ballbesitzes. Nach diesem Spiel wussten wir, wie wir im Europapokal spielen müssen. Das war perfekt.

Gibt es noch Geheimnisse im Fußball bei der wissenschaftlichen Analyse von Partien und dem ganzen Scouting?

Man weiß, was auf einen zukommt, nur jedes Spiel ist anders. Es gibt unterschiedliche Sichtweisen. Wir wollen unseren Stil beibehalten und dominant agieren. Andere Mannschaften wechseln ihren Ansatz jede Woche bei einem anderen Gegner. Meine Mannschaft soll eine eigene Identität haben und sich nicht so sehr nach dem Gegner richten. Auch nicht wenn es Bayern München ist.

Dann weiß der Gegner ja immer, wie Sie spielen?

Das weiß der Gegner, aber das akzeptieren wir. Nur es ist ein Unterschied, ob man sich das vorher im Video anguckt oder es dann auf dem Spielfeld spürt.

Ist Leverkusen die laufstärkste Mannschaft der Bundesliga?

Da wird in die Werte zu viel reininterpretiert. Unser Spiel ist schon sehr sprintlastig. Mich interessiert nicht, ob wir insgesamt am meisten gelaufen sind, sondern ob wir in einem Spiel mehr gesprintet sind, mehr intensive Läufe haben als der Gegner. Ein Spiel hat ja auch eine Geschichte. Wenn ein Team 105 km läuft, dann wird das andere nicht 125 gelaufen sein, da gibt es eine Korrelation zwischen den Mannschaften. Die, die am meisten läuft, ist nicht immer die stärkste.

Ist das Training heute anders als früher?

Ja, bestimmt. So wie man spielt, muss man auch trainieren. Ich habe dafür den passenden Athletiktrainer mit Oliver Bartlett, er war früher in Osnabrück und Dortmund, folgte mir im zweiten jahr nach Salzburg.

Was machen Sie mit einem Stefan Kießling, der sich über seine Tore definiert und in Ihrem System längere Zeit nicht trifft?

Er ist für unsere Spielweise extrem wertvoll, weil er extrem gut arbeitet gegen den Ball und auch den Ball gut absichern kann. Das sind wichtige Facetten. Ich freue mich über seine Tore, aber das ist nicht alles, was zählt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf in Leverkusen?

Es gibt immer Luft nach oben. Wir setzen viele Dinge richtig gut um, das Team glaubt daran, dass das System funktioniert. Wir haben die Qualifikation für die Champions League geschafft, das war wichtig, und die Gruppenphase überstanden. Im Achtelfinale haben wir auch alle Chancen gegen Atletico Madrid, in der Bundesliga stehen wir auch gut da, doch wir wissen, es geht noch einiges. Alle Spiele, die wir unentschieden gespielt haben, ohne zu übertreiben, die hätten wir auch gewinnen können. Einige Punkte haben wir liegen gelassen. Der nächste Schritt ist, das besser zu machen, die Überlegenheit auch im Ergebnis auszudrücken. Die Rhythmuswechsel zwischen schneller Balleroberung und entsprechender Coolness beim Torabschluss müssen wir weiter verbessern. Das hat was mit Entwicklung zu tun.

Leverkusen wurde oft Vizekusen genannt, glauben Sie an Titelchancen für Bayer in der Zukunft?

Wenn Bayern so weiterspielt, wird es eng (lacht). Aber das geht ja nicht immer so weiter. Andererseits sollte man realistisch sein, wir spielen mit der besten Mannschaft der Welt – gefühlt mit Real Madrid – in einer Liga. Aber klar ist auch, Bayern wird in den nächsten zehn Jahren nicht immer Meister werden.

Bayern dominant, Dortmund nimmt sich eine Auszeit – Sie sagen aber nicht per se, dass es keine Chance für Leverkusen auf Titel gibt?

Bei Bayern kommt nicht nur dazu, dass sie die besten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben, sondern dass sie eine fantastische Struktur im Verein haben, auf allen Position haben sie Topleute. Die Gefahr, dass einmal etwas aus dem Ruder laufen kann, die ist eigentlich nicht vorhanden. So schade es ist, so groß ist auch die Wertschätzung für Bayern München. Dennoch sollte man nie aufgeben.

Ein Spieler wie Hakan Calhanoglu, macht der den Unterschied für Bayer zwischen Rang acht und Platz zwei aus?

Einen Spieler allein sollte man nicht überbewerten. Bei unserer Spielweise ist immer die Geschlossenheit der Mannschaft entscheidend, aber natürlich braucht man auch Waffen, und Hakan ist eine Waffe.

Haben Sie Wunschspieler?

(lacht) Den jungen Mehmet Kara vielleicht.

Da wären wir wieder beim Anfang: Wie verfolgen Sie Preußen Münster?

Da ich noch engen Kontakt zu Marco de Angelis, mit dem ich freundschaftlich verbunden bin, bin ich über die sportliche Entwicklung gut informiert. Ich persönlich glaube, dass der Verein noch nie so gut stand wie heute. Vielleicht war es auch gut, dass der Club nicht früher in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Diese Saison werden sie es schaffen, ich denke, Preußen hat dann eine Ausgangslage, sich dauerhaft in der 2. Bundesliga zu etablieren. Die jetzige Situation ist top.

Deutlich besser als vor sieben Jahren?

Na klar. Keine Schulden, ein ganz anderer Etat, das passt schon. Man muss nur auf Leipzig schauen, wie schwer es war, aus der Regionalliga hochzukommen. Mit den Fernsehgeldern der 2. Bundesliga und den Erfahrungen der letzten Jahre ist die Prognose für Preußen Münster unter all den Traditionsclubs in gleicher Situation, am gefestigtsten.

Es gibt Partnerschaften zwischen Osnabrück und Dortmund, ist so was bei Ihrer Nähe zum SCP zwischen Leverkusen und Münster denkbar?

Ich bin nicht der Verein. Aber ich mag das nicht, wenn sich Vereine verbrüdern. Das soll man individuell betrachten, wenn es Sinn für einen jungen Spieler macht, dann soll man sich zusammensetzen. An Beispielen wie Christoph Kramer sieht man, dass das funktioniert.

Apropos Tellerrand: Marco Reus, was sagen Sie dazu?

Wahnsinn. Er macht als Typ einen Supereindruck. Er hat einen Fehler gemacht, muss die Konsequenzen tragen. Gut ist das, was Jürgen Klopp dazu gesagt hat. Das war ein Warnschuss, gut, dass er keinen Schaden an Menschen angerichtet hat.

Bliebe noch das Private. Wie verkraften Ihre zwei Kinder die Umzüge der letzten Jahre, oder auch die Dauer-Beobachtung von Mitschülern?

Die verkraften das gut. Das ist die Schule des Lebens. Sie sind immer dabei, spielen selbst noch Fußball.

Und Ihre Frau? Ist sie das ausgleichende Element oder vielleicht sogar auch ein Fußball-Fan?

(lacht) Natürlich ist sie auch sehr interessiert. Seit 24, 25 Jahren sind wir zusammen. Jedes Wochenende haben wir ein Spiel gehabt. Wenn sie Fußball nicht gut finden würde, dann hätten wir ein Problem.

Zur Person

► geboren: am 13. März 1967 in Kierspe.

►Familienstand: verheiratet, zwei Kinder.   

►Ausbildung: Maschinenbaustudium (Schwerpunkt Kunststofftechnik) an der Uni Paderborn, Uefa-Pro-Lizenz (Fußballlehrer-Lizenz) mit der Abschlussnote 1,7 (2011).

►Vereine als Spieler: Kiersper SC, Rot-Weiß Lüdenscheid, TuS Plettenberg, TuS Paderborn-Neuhaus, SC Verl, SC Paderborn, SV Lippstadt, Delbrücker SC.

►Vereine als Trainer: Delbrücker SC (2004 bis 2007), SC Preußen Münster (2007 bis März 2010), SC Paderborn (2011/12), RB Salzburg (2012 bis 2014), Bayer 04 Leverkusen (seit 1. Juli 2014).

►Erfolge als Trainer: Oberliga-Aufstieg mit dem Delbrücker SC (2006), Oberliga-Meisterschaft und Regionalliga-Qualifikation mit Preußen Münster (2008), Meister und Pokalsieger in Österreich mit RB Salzburg (2014), Champions-League-Qualifikation, Gruppenphase mit Bayer 04 Leverkusen (2014).

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