Zombie Rollergirlz Münster
Sie rocken und sie rollen

Vor vier Jahren trainierte eine Handvoll Mädels behelfsmäßig in Münsters Parkhäusern das Rollschuhfahren. Das Ziel? Trendsport Roller Derby. Einen beispiellosen Aufstieg, einige Tattoos und Tausende blaue Flecken später starten die Zombie Rollergirlz Münster im frisch aus der Taufe gehobenen Ligabetrieb. Ein Trainingsbesuch kurz vor der Premiere.

Donnerstag, 07.05.2015, 20:05 Uhr

Die Zombie Rollergirlz Münster - harter Sport, nette Truppe. Sie fallen auf. Mit ihrem Hobby und ihren Erfolgen. Foto: Kwiatkowski
Die Zombie Rollergirlz Münster - harter Sport, nette Truppe. Sie fallen auf. Mit ihrem Hobby und ihren Erfolgen. Foto: Julia Kwiatkowski

Die blau gefärbten Haare zappeln unter ihrem Helm, als Katharina Merkel sich erneut auf die Schnauze legt. Auf die Schnauze? Ja, auf die Schnauze! Perlohrringe raus, Hosenanzug in den Schrank, Musik laut aufdrehen – Roller Derby ist kein Tussi-Sport.

In den Anfängen bewegte sich alles ganz langsam. Die Mädels hatten öfter Röckchen mit Netzstrumpfhose an.

Nina Schilling

Sondern ein Vollkontaktsport für charakterstarke, durchsetzungsfreudige Frauen, die sich auf Rollschuhen gegenseitig von der Bahn rempeln. Es dauert keine zwei Sekunden, bis „Kathastrophe“, so der Kampfname von Merkel, wieder auf den Beinen ist, als wäre nichts gewesen. „Schon lange habe ich nach einem Teamsport Ausschau gehalten. Ich kann aber nicht mit Bällen umgehen. Das hier ist genau mein Ding“, sagt die 20-jährige Studentin, die erst seit Februar dieses Jahres Teil der Zombie Rollergirlz ist.

„Walküre Unruh“ alias Nora Wiltschut gehört dagegen quasi zum Inventar und gibt Laien gerne Auskunft über ihr spezielles Hobby, auch wenn das Atmen direkt nach der Block-Übung schwerfällt. „Beim Roller Derby kann nur eine Spielerin eines Teams, die Jammerin mit dem Stern auf dem Helm, Punkte für ihr Team sammeln, indem sie gegnerische Spielerinnen überrundet. Diese versuchen das durch Hüft- und Schulterchecks sowie positionelles Blocken aber zu unterbinden.“

Und als wäre das nicht schon schrill genug, ziehen sich die Frauen dabei an, als wollten sie zum nächsten Punkfestival. Zerrissene Strumpfhosen, bunte Socken, Kampfnamen, Schminke und jede Menge Tattoos und Piercings gehören einfach dazu. „Für mich macht die Mischung aus Rollschuhlaufen, Taktik und Kondition die sportliche Faszination aus. Dazu kommt, dass man hier so sein kann, wie man ist. Bei uns sammeln sich viele spezielle Charaktere aus allen Berufszweigen im Alter von 18 bis 39, die alle die Extravaganz mit großen Löffeln gefressen haben“ erklärt Wiltschut.

Zombie Rollergirlz Münster

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  • Vor vier Jahren trainierte eine Handvoll Mädels behelfsmäßig in Münsters Parkhäusern das Rollschuhfahren. Das Ziel? Trendsport Roller Derby.

    Foto: Julia Kwiatkowski
  • Ein Vollkontaktsport für charakterstarke, durchsetzungsfreudige Frauen, die sich auf Rollschuhen gegenseitig von der Bahn rempeln.

    Foto: Julia Kwiatkowski
  • Die Philosophie hinter Roller Derby ist in seiner Geschichte begründet. In den 1930ern in den USA erfunden, schlief Roller Derby in den 70ern wieder ein und erlebte Ende der 90er im Zuge des „Third Wave Feminism“ sein Revival.

    Foto: Julia Kwiatkowski
  • Die Frauenbewegung wandte sich gegen die Erfüllung klassischer Geschlechterrollen und Stereotype.

    Foto: Julia Kwiatkowski
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  • Foto: Pjer Biederstädt
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  • Foto: Pjer Biederstädt

Die Philosophie hinter Roller Derby ist in seiner Geschichte begründet. In den 1930ern in den USA erfunden, schlief Roller Derby in den 70ern wieder ein und erlebte Ende der 90er im Zuge des „Third Wave Feminism“ sein Revival. Die Frauenbewegung wandte sich gegen die Erfüllung klassischer Geschlechterrollen und Stereotype. In diesem Kontext wundert es nicht, dass auch in Europa, wo die Welle 2006 an Land schwappte, keine klischeebedienenden Püppchen auf dem Flat Track zu finden sind, sondern kleine, große, flinke, robuste Frauen – schließlich kann beim Roller Derby jede ihre Stärken ausspielen.

Schon lange habe ich nach einem Teamsport Ausschau gehalten. Ich kann aber nicht mit Bällen umgehen. Das hier ist genau mein Ding.

Katharina Merkel

Eine Haltung, die in Deutschland viele Freundinnen findet. Mittlerweile gibt es bundesweit über 40 Teams, die im Sommer erstmals in erster, zweiter und dritter Liga an den Start gehen. „In den Anfängen bewegte sich alles ganz langsam auf der Bahn. Die Mädels hatten öfter Röckchen mit Netzstrumpfhose an. Heute ist mehr Tempo und eher mal eine zweckmäßige, atmungsaktive Sporthose zu entdecken“, erzählt die Gründerin der Zombie Rollergirlz, Nina Schilling , auch bekannt unter dem Namen „Baby Wants Blood“. Die Professionalisierung birgt die Chance, sich in Liga-Spielen mit anderen zu messen, aber auch die Gefahr, an Charme einzubüßen.

Zurück zum Training. „Bad Perdita“, die mit bürgerlichem Namen Wera Heeren heißt und „eher so der rabiate Typ ohne rosa Tütü“ ist, gibt Neuling „Kathastrophe“ Tipps während der Schinderei auf der Bahn. Schließlich gilt es die Leistungslücke zwischen den Neuen, die einmal jährlich auf dem „Fresh Meat Day“ rekrutiert werden, und den Erfahrenen bis zum 13. Juni zu schließen. Dann fährt der Tross aus 14 Spielerinnen, Betreuern und Schiedsrichtern nach Darmstadt zum ersten Spiel in der 3. Bundesliga. Die Heimspiel-Premiere ist am 8. August gegen die Berlin Rollergirls. Die Münsteranerinnen wünschen sich nichts mehr, als ein Heidenspektakel mit vielen, vielen Zuschauern. Das Ergebnis ist nebensächlich, 60 Minuten lang wird die Schmerztoleranz neu ausgelotet, „danach geht man mit den Gegnerinnen ein Bier trinken“, sagt „Walküre Unruh“. Von Sekt war nie die Rede.

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