Arzt beim Eishockey-Club
Nordwalder ist der „Doc“ der Iserlohn Roosters

Nordwalde/Iserlohn -

Der 43-jährige Mediziner Dr. Jochen Veit aus Nordwalde ist seit neun Jahren Mannschaftsarzt des Eishockey-Erstligisten Iserlohn Roosters.

Montag, 18.04.2016, 15:04 Uhr

Der Allgemeinmediziner Dr. Jochen Veit aus Nordwalde hat eine große Nähe zum Sport. Seit neun Jahren betreut er den Eishockey-Erstligisten Iserlohn Roosters.
Der Allgemeinmediziner Dr. Jochen Veit aus Nordwalde hat eine große Nähe zum Sport. Seit neun Jahren betreut er den Eishockey-Erstligisten Iserlohn Roosters. Foto: Jonas Brockmann

 Das hätte eine haarige Angelegenheit werden können. Als sich die besten deutschen Eishockey-Clubs in der DEL für die Playoffs präparierten, entschied Dr. Jochen Veit , bis auf Weiteres auf die tägliche Rasur zu verzichten. Und zwar so lange die Iserlohn Roosters im Geschäft sein würden.

Nun, die Jungs aus dem Sauerland spielten zwar ihre beste Saison, über das Viertelfinale kamen sie dennoch nicht hinaus. Und so ist auch bei Jochen Veit der Bart wieder ab. Der 43-jährige Mediziner aus Nordwalde ist seit neun Jahren Mannschaftsarzt des Erstligisten und wird es auch bleiben.

Der Vertrauensarzt

 An Freitagnachmittagen kann es mitunter sehr schwierig sein, einen Termin bei Dr. Jochen Veit zu bekommen. Der 43-jährige Allgemeinmediziner aus Nordwalde ist dann schon im Wochenend-Modus. Was in der Regel viel Arbeit bedeutet. Denn wenn für Veit die Sprechstunde in der kleinen Münsterland-Gemeinde endet, füllt sich woanders bereits das nächste Wartezimmer.

Von August oder September bis April schafft Veit in einem „Nebenjob“. Seit 2007 ist er Mannschaftsarzt des Eishockey-Erstligisten Iserlohn Roosters. An den Heimspieltagen macht er sich Freitagmittags oder Sonntagmorgens auf den Weg ins Sauerland. Eine gute Stunde dauert die Fahrt und vor Ort gibt es immer reichlich zu tun.

Bevor Veit die Reise zur Eissporthalle führt, stehen Hausbesuche an. Längst kümmert sich der „Doc“ auch um die Familien der vielen Profis aus Nordamerika. Er ist der Arzt ihres Vertrauens in der Heimat auf Zeit. Eishockeyspieler sind Saisonarbeiter.

Mit Eishockey-Virus infiziert

In Iserlohn hatten zuletzt mehr als die Hälfte der Spieler kanadische Wurzeln. Veit, der fließend englisch spricht, liebt die Mentalität dieses „besonderen Menschenschlags. Kanadier sind sehr freundlich, sehr höflich und sehr liberal“. Veit liebt auch das Spiel. Eishockey, so sagt er, sei die kompletteste Sportart. „Sie verbindet Tempo, Ausdauer und Kraft.“

Immer im Einsatz: Jochen Veit bei der Arbeit in seiner Praxis (kleines Foto) und auf dem Eis.

Immer im Einsatz: Jochen Veit bei der Arbeit in seiner Praxis und auf dem Eis. Foto: Wilfried Sprenger

Das Spiel mit dem Puck hat Jochen Veit schon infiziert, als er noch zur Schule ging. Kühnhackl, Hegen und die Truntschkas waren damals seine Helden. Hätte es Panini-Bilder von ihnen gegeben, hätte er sein Taschengeld für sie ausgegeben. Und nicht für Maier, Beckenbauer, Breitner und Netzer.

Später hat Veit Beruf und Hobby verknüpft. 2004 war er zunächst Teamarzt bei den Revier Löwen, dann beim Herner EV, ehe Iserlohn einen neuen „Doc“ suchte – da musste der Vater von drei Kindern und Hobbymusiker nicht lange überlegen.

Patienten sind „harte Jungs“

Neun Jahre nun schon pflegt Veit die „Hähnchen“. Wenn er an der Bande steht, hat er sein „Nähzeug“ immer am Mann. Platzwunden sind beim Eishockey keine Seltenheit. Da ist schnelle Hilfe nötig und für betäubende Maßnahmen keine Zeit.

Veits Patienten sind in der Regel harte Jungs. Es gibt auch die ganz harten. „Die zucken nicht mal, wenn die Nadel zum Einsatz kommt oder eine Nase gerichtet werden muss“, erklärt der Arzt.

Die Jungs zucken nicht mal, wenn die Nadel zum Einsatz kommt oder eine Nase gerichtet werden muss.

Dr. Jochen Veit

Eishockey-Cracks sind zwar stets gut verpackt, aber dennoch nahezu überall verwundbar. Auffällig sind die Zahnlücken. Veit erinnert sich an einen Spieler, der beim Einschlag des Pucks trotz Mundschutz sechs Beißerchen einbüßte. „Der war nachher nicht wiederzuerkennen. Doch zwei Tage später stand er schon wieder auf dem Eis.

Vielfältig gefordert

Zähne sind für Profis zeit ihrer Karriere nicht wichtig. Die werden später schön gemacht“, weiß Jochen Veit. Gleichwohl seien die Jungs durchaus eitel. „Wenn Wunden zu nähen sind, bitten sie mich immer um eine kleine Naht. Damit die Narben später möglichst unauffällig sind.“

Wenn Jochen Veit seine Einsatzstunden für die Roosters zählt, kommt er im Schnitt „auf 15 oder 16 in der Woche.“ Das ist gelegentlich ein ganz schöner Schlauch, doch der „Doc“ hängt an den Roosters und wird sie auch in der kommenden Saison betreuen. Arbeit gibt es genug.

Komplizierte Schulter- und Knieverletzungen gehören ebenso zum Alltag und zum Geschäft dieser rauen und beinharten Sportart wie Platzwunden, schwere Gehirnerschütterungen und Brüche.

Teamarzt beim Fußball-Kreisligisten

Jochen Veit ist Feuer und Flamme für die Jagd mit dem Puck, seinen drei Kindern empfiehlt er aber andere Formen der Körperertüchtigung. „Denn generell“, sagt der Arzt, „ist Eishockey nicht gesund.“

Vor drei Wochen endete die DEL-Saison für Iserlohn im Playoff-Viertelfinale. Jochen Veit hätte jetzt viel Zeit an den Wochenenden. Wenn da nicht noch eine zweite Passion wäre: Der 43-Jährige ist auch Teamarzt beim Fußball-Kreisligisten FC Nordwalde. „Reines Hobby“, erklärt der Rastlose, „das mache ich nebenbei, es ist ja um die Ecke.“

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