Emotionale Gedenkfeiern für Rudi Assauer
Trauern mit Pils und Bratwurst

Gelsenkirchen -

Gespielt hat er in Dortmund, auf Schalke wurde er zur Ikone: Rudi Assauer. Nach seinem Tod gab es in Gelsenkirchen jetzt eine bewegende Trauerfeier für den Macher und Lebemann. Und auch viele bittere Tränen.

Freitag, 15.02.2019, 17:08 Uhr aktualisiert: 15.02.2019, 17:19 Uhr
Anhänger und viel Polit-Prominenz nahmen am Freitag in der Gelsenkirchener Probsteikirche St. Urbanus in Buer Abschied von Schalke-Legende Rudi Assauer.
Anhänger und viel Polit-Prominenz nahmen am Freitag in der Gelsenkirchener Probsteikirche St. Urbanus in Buer Abschied von Schalke-Legende Rudi Assauer. Foto: dpa

Das Bild spricht Bände: Rudi Assauer mit dem Uefa-Cup lässig auf den Schultern, die Zigarre zwischen den Zähnen. Die Schwarz-Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1997, als Fußball-Bundesligist Schalke 04 den Europapokal gewann, ist sinnbildlich und steht während der bewegenden Trauerfeier in der Gelsenkirchener Probsteikirche St. Urbanus in Buer.

Assauer, der Macher, der Lebemann, der Erfolgreiche – „für den es nur schwarz-weiß, selten ein Grau gab“, wie Pfarrer Hans-Joachim Dohm schilderte. Assauer starb am 6. Februar an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung und wurde am Montag in aller Stille im Kreise der Familie und engsten Freunde beigesetzt.

Bewegender Abschied

Nun geben ihm Familie, ehemalige Weggefährten und Freunde einen bewegenden Abschied: Simone Thomalla, seine ehemalige Lebensgefährtin, weint bittere Tränen, die sie hinter einer dunklen Sonnenbrille zu verstecken sucht. Zuvor stützte sie Assauers Tochter Katy auf dem Weg zur Kirche. „Großer Gott, wir loben Dich“ und „Von guten Mächten“ wird angestimmt und „Oh Herr gib Frieden“. Klaus Strelow vom Ruhrkohle-Chor, der den Gottesdienst begleitet, sagt: „Das ist eine Ehrensache für uns.“

 

Gedenkfeier für den früheren Schalke-Manager Rudi Assauer

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  • Großer Abschied von Rudi Assauer: Der Traditionsclub aus dem Revier würdigt die Manager-Legende mit einer Gedenkfeier in Gelsenkirchen. Danach gibt es Bratwurst und Bier für alle in der Arena.

    Foto: Ina Fassbender
  • Der FC Schalke 04 und zahlreiche Fans sagen am Freitag zum letzten Mal „Tschüss“ und „Glückauf“ zu Rudi Assauer. Mit einer Gedenkfeier (11.00 Uhr) in der Propsteikirche St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer würdigt der Traditionsclub aus dem Revier die großen Verdienste des vor neun Tagen gestorbenen langjährigen Fußball-Managers.

    Foto: Marcel Kusch
  • Bewegende Gedenkfeier: Clemens Tönnies (3vl), Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke, und Armin Laschet (M, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nehmen teil.

    Foto: Karsten Rabas
  • Viele Vereine hatten Kränze mit blau-weißen Schleifen vor dem Altar niedergelegt.

    Foto: Federico Gambarini
  • Gedenkfeier für den früheren FC Schalke 04 Manager Rudi Assauer in der Propsteikirche St. Urbanus. Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kommt von der Trauerfeier.

    Foto: Ina Fassbender
  • Die Schalke-Spieler Amine Harit (r-l), Benjamin Stambouli und Nabil Bentaleb.

    Foto: Ina Fassbender
  • Schalkes Trainer Domenico Tedesco.

    Foto: Ina Fassbender
  • Sophia Thomalla (l-r), Simone Thomalla und Katy Assauer.

    Foto: Ina Fassbender
  • Der ehemalige Schalke-Trainer Huub Stevens.

    Foto: Ina Fassbender
  • Clemens Tönnies (r), Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke.

    Foto: Ina Fassbender
  • BVB-Präsident Reinhard Rauball (l.) und St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig.

    Foto: Ina Fassbender
  • Gerald Assamoah, früherer Nationalspieler kommt aus der Kirche.

    Foto: Federico Gambarini
  • Ein Schalke-Fan kommt in "Kutte" zur Trauerfeier.

    Foto: Federico Gambarini
  • Der ehemalige Fußballer Toni Schumacher.

    Foto: Federico Gambarini
  • Mitglieder des Ruhrkohle-Chors stehen vor der Kirche.

    Foto: Federico Gambarini
  • Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

    Foto: Ina Fassbender
  • Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München.

    Foto: Ina Fassbender
  • Rudi Völler, Geschäftsführer Sport von Bayer 04 Leverkusen.

    Foto: Federico Gambarini
  • Der ehemalige Fußballspieler Sigfried "Siggi" Held.

    Foto: Ina Fassbender
  • Schalke-Fans nehmen nach der Trauerfeier in der Kirche Abschied von Rudi Assauer.

    Foto: Federico Gambarini
  • Bettina Michel, Tochter von Rudi Aussauer.

    Foto: Ina Fassbender
  • Die Gedenkfeier wurde zudem live übertragen in die Veltins-Arena, wo sie rund 2000 Fans Schalke-Anhänger auf dem großen Video-Würfel verfolgten.

    Foto: Karsten Rabas
  • Der lange an Alzheimer erkrankte Assauer war am 6. Februar im Alter von 74 Jahren gestorben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Zahlreiche Trauerkerzen stehen an der Tausend-Freunde-Mauer vor der Veltins Arena.

    Foto: Marcel Kusch
  • Trauernde verfolgen auf dem Videowürfel die Gedenkfeier.

    Foto: Karsten Rabas
  • Trauernde tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Karsten Rabas
  • Zahlreiche Trauerkerzen und zwei Fan-Schale liegen an der Tausend-Freunde-Mauer vor der Veltins Arena.

    Foto: Marcel Kusch

 

Er hätte es sich gewünscht, dass man ihm zuprostet.

Boris Sosnowksi und Angelika Lesnakowski

Das sagen auch die Vier, die auf der Terrasse des Dorfkrugs gegenüber ein Pils „auf Rudi“ trinken. „Er hätte es sich gewünscht, dass man ihm zuprostet“, meinen Boris Sosnowksi und Angelika Lesnakowski. Mit Christa Parma und Tanja Notthoff haben sie sich auf den Weg gemacht, „um mal zu sehen, wer zur Kirche kommt und wie beliebt er war“.

Es kommen viele: Uli Hoeneß vom FC Bayern, Youri Mulder und Marc Wilmots mitsamt den „Eurofightern“. Rudi Völler ist da und Andreas Rettig. Die Fußballgrößen kommen in schwarz – die Fans gehen in Kutte und Trikot in die neugotische buersche Hauptkirche.

Auf Schalke zur Ikone aufgestiegen

Ehrensache, an diesem Vormittag Abschied zu nehmen, ist es für die Sport- und Politik-Prominenz. Assauer war nicht irgendwer, schon gar nicht nur Schalkes Erfolgs-Manager. „Das Land NRW verneigt sich“, sagt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, und selbst Borussia Dortmunds Präsident Dr. Reinhard Rauball betont den Stellenwert Assauers zu Lebzeiten: „Ein Repräsentant des deutschen Fußballs und ein Pfundskerl“.

119 Bundesligaspiele hatte Assauer für den BVB bestritten, ehe er über den Umweg Werder Bremen zum FC Schalke 04 stieß – und dort zur Ikone aufstieg: Der Bau der damals supermodernen Arena – inklusive der Kapelle im Untergeschoss – geht auf Assauers Konto. Obwohl, das betonte damals „Arena-Pfarrer“ Dohm gegenüber unserer Zeitung, Assauers Beziehung zur Religion durchaus ambivalent war: „Er war nie bei mir im Gottesdienst“.

Gradlinigkeit und Ehrlichkeit

Überhaupt hatte der Manager sogar dem „Fußball-Gott“ schon lange abgeschworen. 2001 war das, als Schalke der Vier-Minuten-Meister und Meister der Herzen wurde. Assauer hatte damals geweint, wie sie nun über seinen Tod weinten. Ebbe Sand, 2001 eine der Ikonen im Schalker Sturm, sagt vor der Trauerfeier, was dann noch öfter wiederholt wird, spricht von Assauers Gradlinigkeit und seiner Ehrlichkeit. Darüber reden auch Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies und der Schalker „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens, der ein enger Freund Assauers war. „Er hat mal gesagt: Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich. Leider hat die lange Krankheit ihn geschafft“, sagte Stevens voller Ergriffenheit.

In der Schalke-Arena verfolgen rund 3000 Fans die Trauerfeier auf dem Videowürfel. Manche singen die Kirchenlieder mit, etwas lauter wird es, als das „Steigerlied“ und „Blau und weiß, wie lieb’ ich dich“ in St. Urbanus angestimmt wird. Später, wenn die vereinzelten Tränen getrocknet sind, gibt’s für alle Pils und Bratwurst. Alle sind eingeladen. Und das, da sind sich alle sicher, hätte Rudi Assauer sehr gefallen.

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