Abseits: Folge 249
Wer die Welt am Laufen hält

Praktikanten sind eine ganz besondere Spezies. Sie wollen etwas lernen, müssen aber ganz unten anfangen. Davon kann Miroslav Klose ein Lied singen.

Freitag, 11.11.2016, 21:11 Uhr

Des Trainers Praktikant: Miroslav Klose (rechts). 
Des Trainers Praktikant: Miroslav Klose (rechts).  Foto: dpa

Kein Posten ist so unterschätzt wie der des Praktikanten. Der Praktikant steht im Ruf, nichts zu wissen und noch weniger zu können. In der Unternehmenshierarchie rangiert er nur knapp über dem Flurteppich. Als Neuer im Laden stellt er sich hinten an, repariert die Kaffeemaschine, beutet sich aus und hat keine Ahnung, wo im Büro die Gräben verlaufen. Trotzdem ruft der Chef nach keinem häufiger als nach ihm.

Dieses Rufen macht ihn glücklich. Mögen andere die Köpfe einziehen, wenn Order ergeht – er steht da wie ein Erdmännchen. Wenn es sein muss auch für den Ölwechsel am Dienstwagen des Abteilungsleiters. Natürlich kennt er die zehn Gebote für Wall-Street-Praktikanten, in denen der Barclays-Analyst Justin Kwan empfiehlt, „ein Kissen mit ins Büro zu bringen (Yoga-Matten funktionieren auch). Das macht es wesentlich bequemer, unter dem Tisch zu schlafen.“

Der Praktikant von Welt lächelt über solche Ratschläge in wenigstens sechs Sprachen. Nach Bachelor- und Masterabschluss, Aufbauhilfe in Nicaragua , einem US-Wahlkampf und zwei Jahren in einem indischen Mutter-Teresa-Hospital, kann ihn nichts mehr erschüttern. Er weiß, dass die Welt auf seinen Schultern ruht.

Anton Schwankhart war lange und gerne Praktikant und hielt dabei die Welt am Laufen.

Anton Schwankhart war lange und gerne Praktikant und hielt dabei die Welt am Laufen. Foto: Fred Schöllhorn

Dass sein Ruf zwischenzeitlich gelitten hat, ist einer Kollegin und einem US-Präsidenten zuzuschreiben, die Berufliches und Privates nicht trennen konnten. Grundsätzlich gilt: Das Praktikantinnen-Wesen ist wegen vieler Versuchungen und moderner Ermittlungsmethoden mit dem Dasein des Praktikanten nicht zu vergleichen.

Insofern ist es für beide Seiten ein Vorteil, dass sich Miroslav Klose bei Jogi Löw um ein Praktikum beworben hat und nicht bei der deutschen Frauen-Nationalelf. Wie jeder Praktikant ist auch Klose überqualifiziert. Seinen Chef hängt er nicht nur in sämtlichen Fußball-Kategorien um Längen ab. Klose spricht neben Deutsch auch Polnisch und Italienisch, Löw kann nur Schwäbisch.

Trotzdem fängt der 38-jährige Spät-Praktikant ganz unten an. Hütchen aufstellen, Bälle schleppen, Trainingsjacken einsammeln und ein interessiertes Gesicht machen, wenn der Bundestrainer referiert, ehe Klose voraussichtlich im zweiten Praktikumsjahr die Hemden für den Trainerstab auswählen und dem Chef den Espresso persönlich servieren darf.

Dazwischen soll der ehemalige Torjäger den zurzeit etwas durchhängenden DFB-Stürmern noch das Toreschießen wieder näherbringen.

Was wäre die Welt nur ohne ihre Praktikanten?

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