DEL
Trotz Haie-Kantersieg: Pfiffe bei Krupp-Comeback in Köln

Die Kölner Haie galten als Titel-Mitfavorit in der DEL, gewannen bis Dienstag aber kein Spiel in diesem Jahr. Dann kommt Ex-Bundestrainer und Club-Idol Krupp als Trainer zurück und es folgt auf Anhieb ein Kantersieg. Dies wirft Fragen auf und verärgert die Fans noch mehr.

Mittwoch, 26.02.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 13:18 Uhr
Feierte einen gelungenen Einstand als Haie-Coach: Uwe Krupp.
Feierte einen gelungenen Einstand als Haie-Coach: Uwe Krupp. Foto: Roberto Pfeil

Köln (dpa) - Für eine kitschig-schöne Geschichte taugt das erstaunliche Comeback von Uwe Krupp als Trainer bei seinem Heimatclub Kölner Haie nicht.

Der 5:0-Kantersieg gegen die Grizzlys Wolfsburg am Veilchendienstag erschien genauso absurd wie die Bilanz von 17 Niederlagen am Stück zuvor. Das Ende der Horrorserie in der Deutschen Eishockey Liga hinterließ mehr Fragen als Erleichterung.

«Wollt ihr uns verarschen?», schallte es durch die riesige Arena, als sich der erste Sieg des achtmaligen deutschen Meisters in diesem Jahr in seiner Deutlichkeit abzeichnete. Pure Freude zum Abschluss der Karnevals-Session fühlt sich anders an, bei Teilen der Fans herrschte gereizte Stimmung, trotz des Siegs gab es Pfiffe. «Dass nicht jeder zufrieden ist, tut mir leid. Aber ich freue mich für die Spieler und die Mannschaft», sagte der gebürtige Kölner und Ex-Haie-Profi Krupp, der bereits zwischen 2011 und 2014 seinen Heimatclub gecoacht hatte.

Fünfeinhalb Jahre später soll der zweimalige Stanley-Cup-Sieger erneut helfen. Dies gelang auf Anhieb eindrucksvoll, der Negativ-Eintrag in die Geschichtsbücher blieb dem Club erspart. Mit einen weiteren Niederlage hätten die als Mitfavorit in die Saison gestarteten Haie den Negativrekord der Schwenninger Wild Wings und des früheren Erstligisten Freiburg eingestellt. «Natürlich sind wir sehr erleichtert, dass diese Geschichte damit jetzt zu Ende geht», sagte Haie- und Nationalmannschaftskapitän Moritz Müller.

Wie ein Heilsbringer gefeiert wurde Krupp aber nicht. Beim 54 Jahre alten früheren Bundestrainer schien man gar als Einzigem aufrichtige Freude zu spüren. Geschäftsführer Philipp Walter dagegen musste unangenehme Fragen beantworten, und den Spielern war der Erfolg des zuvor formschwächsten gegen das formstärkste Team der Liga peinlich. Bei den Toren hatte es wenig Jubel gegeben. «Komische Gefühlslage gerade. Man ist natürlich froh gewonnen und auch so gut gespielt zu haben. Trotzdem ist einem das natürlich auch unangenehm, wenn man sieht, was doch möglich ist», bekannte Müller mit gesenktem Blick.

Die Spiele zuletzt, teilweise kaum auf DEL-Niveau, hatten Krupps Vorgänger Mike Stewart den Job gekostet. «Ich bin davon überzeugt, dass keiner dieser Spieler 17 Mal verlieren will. Dass es nach einem Trainerwechsel dann so ein Ergebnis gibt, solche Geschichten schreibt der Sport ab und zu», sagte der in Erklärungsnot geratene Walter.

Noch Anfang Februar hatte der Geschäftsführer erklärt, auf jeden Fall mit dem früheren Augsburger Coach Stewart in die neue Saison gehen zu wollen. «Das war meine volle Überzeugung. Und die Entwicklung der letzten drei Wochen hat diese Überzeugung ins Wanken gebracht», sagte Walter. «Diese Serie ist ein Biest, das ist ein Monster. Das macht etwas mit einer Mannschaft, das macht etwas im Binnenverhältnis. Das macht etwas im gesamten Verein. Irgendwann nimmt der Verein Schaden.»

Der stolze Club mit den meisten Zuschauern der Liga wird die Playoffs bei neun Punkten Rückstand und noch vier Vorrunden-Spielen ziemlich sicher nicht erreichen. Dies war in 25 Jahren DEL  bislang erst zweimal der Fall. Krupp soll nun ein neues Team aufbauen, das in kommende Saison wieder angreifen kann. Gestaltungsspielraum gibt es, 16 Verträge laufen aus.

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