Eine starke Stimme für Fußballer
Viele ehemalige Münsteraner engagieren sich in der Spielergewerkschaft

Münster -

Preußen Münsters Coach Pavel Dotchev, sein Co-Trainer Babacar N’Diaye sowie Team-Koordinator Stephan Küsters sind schon seit Langem dabei. Der ehemalige SCP-Abwehrrecke Dominique Ndjeng ist ebenfalls bereits viele Jahre Mitglied. Ihm wurde deshalb zur laufenden Saison eine ehrenvolle Aufgabe übertragen: Der 32-Jährige, der mittlerweile die Stollenschuhe für den Regionalligisten Fortuna Köln schnürt, wurde in den Spielerrat der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) berufen.

Donnerstag, 21.02.2013, 09:02 Uhr

Eine starke Stimme für Fußballer : Viele ehemalige Münsteraner engagieren sich in der Spielergewerkschaft
Mitbestimmung ist vielen Fußballern ein wichtiges Anliegen. Deshalb engagieren sich in der VDV (von oben rechts im Uhrzeigersinn) Dominique Ndjeng, Michael Melka, Thorsten Stuckmann, Mario Neunaber, Christoph Metzelder, Benno Möhlmann und Julian Lüttmann. Foto: Lisa Stetzkamp

„Vielen Spielern wird oft erst bewusst, wie wichtig die VDV für sie sein kann, wenn sie ohne Verein dastehen“, sagt Dominique Ndjeng . Längere Vereinslosigkeit, vorzeitiges Karriereende aus Verletzungsgründen, eine drohende Insolvenz des Arbeitgebers - auch die berufliche Laufbahn eines Fußballers kann schnell aus den Fugen geraten.
Dominique Ndjeng ist nicht der einzige Ex-Preuße, der sich derzeit in der vom DFB , Ligaverband und DFL offiziell anerkannten Spielergewerkschaft engagiert. Aktuell sind ja vier weitere ehemalige SCP-Akteure für die VDV aktiv: Mario Neunaber (2004/05, 29 Einsätze) und Thorsten Stuckmann (2000-2003, 74 Einsätze) als Interessenvertreter der 2. Bundesliga, Michael Melka (1999-2001, 29 Einsätze) als Vertreter der 3. Liga sowie der frühere SCP-Nachwuchsspieler Julian Lüttmann (1996-2003, acht Einsätze), der ebenfalls die Interessen der Regionalligaspieler vertritt.
Beim Blick in die noch junge Historie der Spielergewerkschaft taucht mit Benno Möhlmann ein weiterer ehemaliger Preuße auf (1974-1978, 150 Einsätze) - und dies an einer entscheidender Stelle.  Der derzeitige Trainer des Zweitligisten FSV Frankfurt und VDV-Ehrenpräsident gründete 1987 mit Ewald Lienen und Frank Pagelsdorf die Vereinigung der Vertragsfußballspieler. Mit Christoph Metzelder steht zudem noch ein vormaliger Adlerträger als amtierender Vizepräsident an der Seite des Ex-Profis und VDV-Präsidenten Florian Grothe an der Spitze des Interessenverbandes, dem zurzeit etwa 1300 Mitglieder angehören.
Mit Gedanken an das Leben nach der Fußball-Karriere beschäftigte sich Dominique Ndjeng, der bis Ende der letzten Saison für knapp zwei Jahre an der Hammer Straße auflief, schon frühzeitig. Deshalb trat er 2006 in die VDV ein. Auch um Perspektiven für seine weitere berufliche Karriere nach der aktiven Laufbahn kennenzulernen. Er vertritt nun zusammen mit vier Spielerkollegen von anderen Clubs die Interessen der Fußballer der Regionalligen.
Die Berufskarriere eines Fußballers kann durch verschiedene Umstände schnell aus der Balance gebracht werden. Häufig ereilen die Sportler derartige berufliche Schicksalsschläge plötzlich, ohne Vorwarnung. In der 50-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga waren viele Betroffene auf solche Rückschläge nicht vorbereitet und teilweise in dieser persönlichen Krisensituation überfordert. Dass sich dies in der jüngeren Vergangenheit geändert hat, ist insbesondere ein großer Verdienst der VDV, die in der Fußballbranche als Ansprechpartner und Institution allgemeine Anerkennung genießt.
So hat die Spielergewerkschaft nachhaltige Veränderungen mit auf den Weg gebracht - wie zum Beispiel in den Bereichen der Wechselmöglichkeiten für vereinslose Profis und Gehaltsfortzahlungen in Krankheitsfällen. Die VDV berät Spieler in den Bereichen Vorsorge, Recht, Bildung, Medizin und Training.
Seit 2003 wird jeden Sommer ein Trainingscamp für vereinslose Profis und Rekonvaleszenten angeboten. Ex-SCP-Stürmer Daniel Chitsulo, der langjähriges VDV-Mitglied ist, fand beispielsweise zwei Mal Im Anschluss an solche Camps neue Arbeitgeber. Nach seinem Engagement in Münster landete der 29-Jährige über diese Zwischenstation nun beim Regionalligisten SV Bergisch Gladbach.
„Mir ist es wichtig, Verbesserungen für das Arbeitsumfeld und die Arbeitsbedingungen der Fußballer anregen und somit mit beeinflussen zu können“, erklärt Dominique Ndjeng seine Mitarbeit bei der VDV. Hierfür sei natürlich sehr hilfreich, die Interessen der Kicker mit einer „starken Stimme“ vertreten zu können, wirbt er für die Mitgliedschaft in der VDV. Ndjeng möchte als Repräsentant der Regionalliga seine Erfahrungen in die Spielergewerkschaft einbringen und steht nach eigenem Bekunden Kollegen bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Berufen wurde Dominique Ndjeng  in den Spielerrat, da er als erfahrene Persönlichkeit im Fußball eine „gutes Standing unter den Kollegen genießt“, erklärt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Er sieht den 32-Jährigen, „der verschiedene Sachverhalte in der Branche gut einordnen und bewerten kann“, auch als eine Art Botschafter an - ein Sprachrohr der Spielerinteressen.

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