Anschlag auf BVB-Bus
Emotionale Kritik an Ansetzung: „Wir sind auch nur Menschen“

Dortmund -

Keine 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus musste Borussia Dortmund wieder Fußball spielen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Monaco zeigten die BVB-Spieler, wie sehr das Erlebnis sie mitgenommen hat.

Donnerstag, 13.04.2017, 10:04 Uhr

Anschlag auf BVB-Bus : Emotionale Kritik an Ansetzung: „Wir sind auch nur Menschen“
Nach dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Monaco zeigten sich die Spieler von Borussia Dortmund emotional bewegt. Foto: dpa

Geschockt vom Terror-Akt muss Borussia Dortmund auch nach einer emotionalen Trotzreaktion das Aus im Champions-League-Viertelfinale befürchten. Nach einer couragierten Vorstellung kassierte der BVB gut 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus in einem psychisch extrem schwierigen Spiel am Mittwoch ein 2:3 (0:2) gegen den starken französischen Spitzenreiter AS Monaco und hat damit im Rückspiel am 19. April nur noch geringe Chancen auf das Weiterkommen. Trotzdem zeigten die BVB-Profis nach den schlimmen Ereignissen eine beeindruckende Energieleistung.

Dortmund gegen Monaco

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  • Nicht einmal 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus tritt Borussia Dortmund im Nachholspiel gegen AS Monaco an. Es wird ein emotionales Spiel.

    Foto: Bernd Thissen
  • Die Fans hüllen die Südtribüne vor dem Spiel unter lange Stoffbahnen,...

    Foto: Federico Gambarini
  • ... um in einer großen Choreographie den BVB-Schriftzug auf gelbem Grund zu zeigen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Dazu haben sich die Fans je nach Sitzplatz gelbe oder schwarze Capes übergezogen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Die Spieler schicken ihrem verletzten Kollegen Marc Bartra „mucha fuerza“ („Viel Kraft“) ins Krankenhaus.

    Foto: Bernd Thissen
  • Torwart Roman Bürki saß im Bus neben Bartra. Er habe in der Nacht nicht eine Stunde geschlafen, sagt er nach dem Spiel.

    Foto: Bernd Thissen
  • Viele Fans schicken Bartra mit Plakaten Genesungswünsche.

    Foto: Bernd Thissen
  • Im Spiel läuft Vieles gegen die Dortmunder. In der 16. Minute gibt es nach einem Foul von Sokratis Elfmeter für die Monegassen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Doch Fabinho zielt neben das Tor.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kurz darauf jubeln die Gäste dann doch. Der erst 18 Jahre alte Torjäger Kylian Mbappe (l.) hat zugeschlagen (19. Minute), allerdings aus Abseits-Position.

    Foto: Federico Gambarini
  • In der 35. Minute ein weiterer Rückschlag: Nach einer scharfen Flanke köpft Sven Bender den Ball ins eigene Tor.

    Foto: Bernd Thissen
  • Der Dortmunder Verteidiger beschwert sich, weil er zuvor leicht am Fuß berührt worden ist.

    Foto: Bernd Thissen
  • In der zweiten Halbzeit spielt Dortmund furios auf. Nach einem Hackentrick von Aubameyang steht Shinji Kagawa (vorne) frei vor dem Torwart. Er legt ab zu Ousmane Dembelé, der ins leere Tor einschiebt (57. Minute).

    Foto: Federico Gambarini
  • Doch nur zwölf Minuten später schlägt Monaco zurück. Nach einem Fehlpass von Piszczek, ist Mbappé frei vor Bürki und netzt ein (79.).

    Foto: Bernd Thissen
  • Kurz vor Schluss (84.) lässt Shinji Kagawa drei Gegenspieler im Strafraum stehen,...

    Foto: Federico Gambarini
  • ...und netzt sehenswert zum 2:3 ein.

    Foto: Federico Gambarini
  • Nach dem Abpfiff lassen die BVB-Spieler ihren Emotionen freien Lauf.

    Foto: Bernd Thissen
  • Innenverteidiger Sokratis kommen die Tränen.

    Foto: Bernd Thissen

Bewegende Interviews

Nach dem Spiel zeigten sich die Spieler sehr bewegt und kritisierten die frühe Ansetzung des Nachholspiels. 

Wir haben erst Zuhause realisiert, wieviel Glück wir hatten.

Nuri Sahin

„Bis zum Anpfiff war bei mir alles im Kopf, nur kein Fußball. Was gestern passiert ist, wünsche ich niemandem. Wir haben erst Zuhause realisiert, wieviel Glück wir hatten. Ich weiß, dass der Fußball wichtig ist, aber wir sind auch nur Menschen“, sagte Nuri Sahin im Interview bei Sky.

Im Gespräch mit dem Ex-Profi Jan Aage Fjörtoft für den norwegischen Sender Viasat sagte Sahin, er werde die Gesichter, die er im Bus gesehen habe, nie vergessen.

Julian Weigl ergänzte: „Jeder funktioniert in so einer Situation anders. Wir konnten am Anfang nicht so frei spielen. In der zweiten Halbzeit haben wir die Köpfe ausgeschaltet und Gas gegeben.“

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Kritik an früher Ansetzung

Ein Lob gab es von Trainer Thomas Tuchel: „Die Sache ist nicht vergessen oder verarbeitet. Wir haben das Beste daraus gemacht. Die Mannschaft hat Mut und Courage gezeigt.“ Der Spielverlauf sei aber nie auf Dortmunder Seite gewesen. Es sei aber erst Halbzeit. „Wir haben keine Lust, da auszuscheiden.“

Nach dem Spiel wiederholte er noch einmal seine Kritik an der UEFA wegen der schnellen Neuansetzung des Spiels nur einen Tag nach dem Anschlag. „Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt. Die UEFA hat das in der Schweiz entschieden. Das hat sich nicht gut angefühlt Minuten nach diesem Sprengstoffanschlag“, sagte er. „Das gibt einem das Gefühl der Ohnmacht, dass Terminvorgaben gemacht werden und wir zu funktionieren haben.“

Polizei-Bilanz

Am Tag nach dem Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund ist die Polizei zufrieden mit dem Ablauf rund um die Partie gegen AS Monaco. Trotz des Anschlages auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im Vorfeld sei alles vergleichsweise ruhig geblieben, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstagmorgen. Hunderte Beamte sorgten nach dem Terror-Angriff vom Dienstagabend für Sicherheit. Für kurze Aufregung sorgten zwei Rucksäcke und ein Roller. Spezialisten gaben aber nach kurzer Zeit Entwarnung. Ein BVB-Anhänger wurde im Rahmen des Spiels schwer verletzt. Er habe sich die Verletzungen durch einen selbst verschuldeten Sturz zugezogen, teilte die Polizei mit. Der Fan wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Abseits der Begegnung löste zudem ein Rapper einen Großeinsatz der Polizei aus. Der Mann war zum Dreh eines Musikvideos am Mittwoch mit einer echt aussehenden Waffenattrappe durch Dortmund gefahren und hatte mehrere Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Polizisten, darunter Spezialeinsatzkräfte, beendeten den „völlig deplatzierten Dreh“, hieß es von Seiten der Polizei. Der Rapper erhielt einen Platzverweis und eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

...

„Dem Terror nicht weichen“

„Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker. Wir wollen zeigen, dass Terror und Hass unser Handeln niemals bestimmen dürfen“, hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Mannschaft auf das Spiel noch eingeschworen. Er wisse, dass es für die Spieler extrem schwer sei, einen Vorwurf werde ihnen aber niemand machen.

Watzke saß auf der Tribüne neben reichlich Prominenz wie Innenminister Thomas de Maizière, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft oder DFB-Boss Reinhard Grindel. „Wir wollen, dass solche Spiele stattfinden, wir wollen dem Terror nicht weichen“, sagte de Maizière dem TV-Sender Sky.

Ähnlich sieht es der künftige Sicherheitschef des Fußball-Weltverbandes FIFA, Helmut Spahn:„Wenn wir einknicken, machen wir genau das, was diese Kriminellen wollen“, sagte Spahn, der ab dem 2. Mai FIFA-Sicherheitschef wird, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Nach einer Attacke wie auf den BVB-Mannschaftsbus am Dienstag müsse aber abgewägt werden: „Wenn es Tote gegeben hätte, hätte natürlich kein Spiel stattgefunden“, versicherte der Sicherheitschef der WM 2006 in Deutschland.

Explosion in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses

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  • Trotzreaktion: Eine Besucherin am Dienstagabend im leeren Stadion.

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  • Der Mannschaftsbus des BVB wurde bei der Fahrt zum Champions-League-Viertelfinale gegen AS Monaco mit drei Sprengsätzen attackiert.

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  • Sven Bender und Nuri Sahin (v.l.) verfolgen mit ernster Miene den Polizeieinsatz.

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  • Wie geht es weiter? Der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel (2.v.r.), blickt auf sein Smartphone.

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  • Da war noch alles in Ordnung: Mitglieder der Fußball-Mannschaft von Borussia Dortmund und des Betreuerstabes stehen in der Nähe des Teamhotels „L‘Arivee“ um Trainer Thomas Tuchel herum.

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  • Kurz vor der Abfahrt zum Stadion: Spieler von Borussia Dortmund, darunter Pierre-Emerick Aubameyang (l) vor dem Mannschaftshotel.

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  • Der Bus von Borussia Dortmund steht mit einer beschädigten Scheibe an einer Straße in unmittelbarer Nähe des Mannschaftshotels.

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  • BVB-Verteidiger Marc Bartra, der hinten im Bus saß, und ein Polizist, der die Mannschaft auf einem Motorrad begleitete, wurden verletzt.

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  • Der Tatort wurde am Abend abgeriegelt.

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  • Eine Anzeigetafel im Stadion informiert über einen Vorfall mit dem Mannschaftsbus des BVB. 

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  • Die Fans versuchen über ihre Smartphones an mehr Informationen zu kommen oder Kontakt zu Familie und Freunden aufzunehmen.

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  • BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist die Sorge anzusehen: 15 Minuten vor dem geplanten Spielbeginn wird die Partie abgesagt.

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  • Im Stadion wird die Entscheidung verkündet: Das Spiel wird am Mittwoch um 18.45 Uhr nachgeholt.

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  • Schwere Stunden für den BVB: Stadionsprecher Norbert Dickel (l.) Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) im Stadion.

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  • Gespenstische Szene: Im nahezu leeren Stadion legt die Mannschaft des AS Monaco gegen 21.30 Uhr noch eine Trainingseinheit ein.

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  • Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange bei einer Pressekonferenz am späten Abend: Wir gehen von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus.

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  • Staatsanwältin Sandra Lücke erklärt, dass in der Nähe des Busses ein mögliches Bekennerschreiben gefunden wurde. „In dem Schreiben wird Verantwortung für Tat übernommen.“

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  • Die ganze Nacht hindurch wurde am Tatort nach Spuren gesucht.

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  • Die Sprengsätze waren nach ersten Erkenntnissen der Polizei in einer Hecke versteckt.

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  • Dortmund-Fans boten unter dem Hashtag #bedforawayfans Schlafplätze an. So auch BVB-Fan Stefan Kilmer (M.), der dieses Selfie mit Anhängern des AS Monaco bei Twitter postete.

    Foto: Stefan Kilmer/dpa
  • Am Mittwochmorgen wird das Mannschaftshotel des BVB von einem großen Polizeiaufgebot gesichert.

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  • Mit Maschinenpistolen bewachen Polizisten den Tatort.

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  • Das Nachholspiel am Mittwochabend wird unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen stattfinden. So dürfen keine Rucksäcke mit in den Signal-Iduna-Park genommen werden.

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  • Auch das Trainingsgelände des BVB steht am Mittwoch unter besonderer Bewachung.

    Foto: dpa
  • Ein ursprünglich für Mittwoch angesetztes öffentliches Training fällt aus.

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