Neubaudebatte könnte sich als Bumerang erweisen
Preußenstadion: Voll auf Risiko

Münster -

Ein erstligareifes Stadion soll her! Mit forschen Plänen ist die neue SCP-Spitze gestartet. Doch die Debatte könnte sich als Bumerang erweisen. Eine Analyse der Diskussion über einen Neubau des Preußen-Stadions abseits der Hammer Straße:

Sonntag, 20.11.2016, 10:32 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 20.11.2016, 10:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 20.11.2016, 10:32 Uhr
Die Stadiondebatte ist wieder voll entbrannt.
Das Preußenstadion an der Hammer Straße aus der Luft: Die Debatte um eine moderne Spielstätte für den SCP ist wieder voll entbrannt. Foto: Uwe Renners (Archiv)

„Der Ball liegt im Spielfeld der Stadt.“ Sätze wie dieser sind derzeit Standard bei den Preußen-Fans – und zwar dann, wenn es um die Stadionfrage geht. Wie es aussieht, befindet sich die Stadt in der Defensive, weil das als Reservestandort vorgehaltene Areal an der Nieberdingstraße vor 2027 nicht zur Verfügung steht.

Inzwischen aber haben Recherchen unserer Zeitung ergeben, dass die aktuelle Misere auch auf eklatante Kommunikationsprobleme bei den Verantwortlichen des SC Preußen zurückgeht. Darüber hinaus fehlt ganz offenbar mit dem ausgeschiedenen Stadtdirektor Hartwig Schultheiß der bisherige Verhandlungsführer der Stadt, der eine Klärung herbeiführen könnte.

„Es herrscht Funkstille“

Nach vorliegenden Informationen hat sich der neue Vorstand des SC Preußen nicht beim alten Vorstand im Detail danach erkundigt, welche Verabredungen in der Stadionfrage zwischen Stadt und Preußen getroffen wurden. „Es herrscht Funkstille“, so ein Insider.

Ex-Stadtdirektor Schultheiß hatte seinerzeit mit dem vor rund eineinhalb Jahren ausgeschiedenen Preußen-Präsident Dr. Marco de Angelis einen Sanierungsplan für das Stadion an der Hammer Straße bis 2020 ausgearbeitet. Das Konzept sollte ergänzt werden um einen Bebauungsplan, der aktuell in Arbeit ist und die baurechtlichen Voraussetzungen für eine Stadionerweiterung ab 2018 schaffen soll. De Angelis‘ Nachfolger Georg Krimphove setzte diese Linie fort.

Beide sitzen ebenso wie Schultheiß nicht mehr am Verhandlungstisch.

Das ist die Führungsmannschaft des SCP

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  • Neues Führungsduo im Preußen-Präsidium: SPD-Politiker Christoph Strässer (l.) und Unternehmer Walther Seinsch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aus der alten Führungsriege - v.l.: Carsten Gockel (Sportvorstand), Uwe Landheer (Vorstand Liegenschaften), Georg Krimphove (Präsident), Siggi Höing (Vorstand, Sponsoren), Thomas Bäumer (Aufsichtsratschef) und Mike Schmitz (Vorstand Finanzen) - sind nur zwei Personen übrig geblieben:

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Siggi Höing, der weiterhin für Sponsoren zuständig ist und...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...Carsten Gockel, der den Vorstand allerdings verlässt und nur noch als Geschäftsführer arbeiten wird.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Christoph Strässer führt künftig das Preußen-Präsidium.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Unternehmer Walther Seinsch ist jetzt neu im Vorstand und zuständig fürs Sportliche und das Stadionprojekt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der bisherige Jugendkoordinator Bernd Niewöhner rückt in den Vorstand auf und kümmert sich weiter um den Nachwuchsbereich.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Außerdem neu im Vorstand: Martin Jostmeier (2.v.l.), stellvertretender Geschäftsführer des Handwerkerbildungszentrums, ist zuständig für Finanzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Roberg hatte nur eine kurze Amtszeit als Preußen-Aufsichtsrats-Chef. Am 20. November 2016 kündigte der Unternehmer aus Münster seinen Rücktritt an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stellvertreter ist weiter Michael Klein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Prominenter Neuzugang im Aufsichtsrat: Ex-Profi und -Nationalspieler Christoph Metzelder. Er soll in allen sportlichen Angelegenheiten beraten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Um das gleiche Feld soll sich auch Jochen Terhaar kümmern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Diese zehn Männer bilden am 14. Oktober den neuen Aufsichtsrat der Preußen: (v.l.) Marc Zahlmann, Jürgen Becker (neu, Steuerberater), Frank Rheinboldt, Fabian Roberg, Michael Klein, Frank Westermann (neu, Anwalt), Wilhelm Schwellenbach, Christoph Metzelder (neu), Jochen Terhaar (neu) und Werner Bisplinghoff.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die neue Führungsriege hat hohe Ziele.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Informationen zur Nieberdingstraße waren bekannt

Bekannt ist inzwischen auch, dass der frühere Preußen-Vorstand darüber informiert war, dass die Nieberdingstraße nicht vor 2025 zur Verfügung stehe und die Fläche erst nach einer Vorlaufzeit von fünf Jahren aktivierbar sei. Wegen der Konzentration auf die Hammer Straße habe es bislang keinerlei Erwartungshaltung gegenüber der Stadt gegeben, so ein Preußen-Kenner.

Noch unklar ist unterdessen, welche Auswirkungen die aktuelle Debatte und die neuerliche Standortsuche auf den in Arbeit befindlichen Bebauungsplan für das Preußen-Gelände an der Hammer Straße haben könnte. Nachdem das vernichtende Preußen-Park-Urteil im Jahr 2000 die baulichen Veränderungen am Stadion auf ein Minimum reduzierte, soll der neue Bebauungsplan die rechtlichen Voraussetzungen für neue Tribünen und überdies zwei Parkhäuser schaffen.

Am Ende weder Sanierung noch Neubau?

Kritiker fragen nun, ob diese Pläne im Rat noch eine Mehrheit finden beziehungsweise ob sie einer juristischen Prüfung standhalten, wenn die angestrebte Nutzung des Areals für den Profi-Fußball gar nicht mehr vorgesehen ist.

Hinter vorgehaltener Hand weisen auch führende Köpfe aus dem Preußen-Umfeld warnend darauf hin, dass sich die neuerliche Stadiondebatte als Bumerang erweisen könne. Das Horrorszenario: Erst scheitert der geplante Bebauungsplan für die Hammer Straße an der Neubaudebatte – und dann scheitern die Neubaupläne. Die viel zitierte Alternative zwischen der Taube auf dem Dach oder dem Spatz in der Hand hätte sich dann erledigt. Nicht nur die Taube wäre tot, sondern auch der Spatz. 

Kommentar

Die SCP-Spitze prescht mit unrealistischen Zeitplänen vor, der Oberbürgermeister macht vage Andeutungen zu Standortalternativen. Irgendwie wünscht man sich, dass die Stadion-Debatte noch mal ganz neu beginnen würde, meint unser Redakteur Dirk Anger in seinem Kommentar.

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