Fußball: 3. Liga
Preußen liefern gegen Köln Gala auf dem Weg ins Klassenziel

Münster -

Schon am nächsten Sonntag, wenn es zu RW Erfurt geht, kann Preußen Münster auch rechnerisch den Klassenerhalt perfekt machen. Zweifel sind gerade nach dem 4:2 gegen Fortuna Köln am Samstag ohnehin nur noch theoretischer Natur.

Montag, 17.04.2017, 15:04 Uhr

Mission so gut wie erfüllt. Adriano Grimaldi (o.) als überragender Mann sowie Sinan Tekerci, Jeron Al-Hazaimeh und Martin Kobylanski (u.v.l.) bejubeln die Tore gegen Fortuna Köln und den Beinahe-Klassenerhalt.
Mission so gut wie erfüllt. Adriano Grimaldi (o.) als überragender Mann sowie Sinan Tekerci, Jeron Al-Hazaimeh und Martin Kobylanski (u.v.l.) bejubeln die Tore gegen Fortuna Köln und den Beinahe-Klassenerhalt. Foto: Jürgen Peperhowe

Nein, die Mahner, die Pessimisten, die ganz Vorsichtigen, fanden an diesem Samstag kein Gehör an der Hammer Straße. Auch wenn elf Punkte Vorsprung vor Rang 18 rechnerisch fünf Runden vor Saisonende noch nicht den Klassenerhalt bedeuten, war spätestens nach dem 4:2 (4:0) gegen Fortuna Köln allen im Preußen-Lager klar: Absteigen wird diese Mannschaft nicht. Denn dafür gab es einfach keine Argumente mehr nach einer formidablen ersten Hälfte, die die Fans so seit Jahren nicht erlebt hatten. Münster stellt zumindest temporär die beste Heim­elf der 3. Liga, besitzt erstmals ein positives Torverhältnis und vor allem mittlerweile eine Stabilität und eine Formkurve, die klipp und klar gegen einen Totalabsturz sprechen. Bereits am Sonntag bei RW Erfurt kann das Team auch letzte mathematische Zweifel beseitigen.

Etliche Großchancen und Strafraumszenen reihte der SCP in Durchgang eins aneinander. Jeron Al-Hazaimeh (drittes Tor zu Hause am Stück) brachte früh alles auf den Weg nach einem Bilderbuch-Konter über Sinan Tekerci, der wie Martin Kobylanski in die Startelf zurückgekehrt war, und Adriano Grimaldi (2.). „Erster Angriff drin. Das sorgt für eine breite Brust, die wir daheim eh schon hatten“, sagte Michele Rizzi. Beim 2:0, das Stéphane Tritz und Tobias Rühle einleiteten, ging es auch schnell im Gegenstoß. Im Abschluss hatte der alles überragende Grimaldi dann etwas Glück (12.). Den dritten Treffer legte der Stürmer dem eiskalten Tekerci auf (30.), der mit links seelenruhig vollstreckte. Tor Nummer vier leitete wieder Al-Hazaimeh über außen ein. Sein Lupfer über den bedauernswerten Ex-Preußen André Poggenborg klatschte an die Latte, Grimaldi (Rühle: „Er war in Top-Form“) staubte mit dem Rumpf ab (39.). Der Vorbereiter hätte noch einen weiteren Asisst verdient gehabt, doch den Elfmeter nach seiner Flanke und Daniel Flottmanns Handspiel vergab Rizzi gegen Fortunas Keeper (44.). Grund zur Sorge bot der Fehlschuss aber kaum. „Wir haben ja auch nichts zugelassen und bis dahin sensationell gespielt“, so der Unglücksrabe. „Und um Einzelne geht es nicht.“

Drei Fragen an Adriano Grimaldi

War das nach dem für einen Stürmer undankbaren Auftritt beim 0:0 in Kiel der perfekte Tag für Sie mit zwei Toren und zwei Vorlagen?

Grimaldi: Erst mal sind die drei Punkte wichtig. Dass ich wieder treffe, freut mich sehr. Deshalb bin ich Stürmer, deshalb trainiere ich jeden Tag. Kiel war eine andere Situation, da mussten wir verteidigen, gerade in Unterzahl. Ich spiele nicht nur für mich. Wir müssen leisten, was vorgegeben ist.

 

Ist die Vorstellung in der ersten Halbzeit ein neuer Maßstab für die nächsten Wochen und auch darüber hinaus?

Grimaldi: Es ist unser Ansatz, so zu spielen, so unsere Chancen herauszuarbeiten. Dass das nicht immer gelingt, ist klar. Wir sollten aber versuchen, daran weiter kontinuierlich festzuhalten.

Können Sie den Klassenerhalt denn mit 44 Punkten endgültig als erledigt betrachten?

Grimaldi: Wir haben ja immer von 45 Punkten geredet. Die werden wir definitiv holen. Unsere Ausgangslage war gut, nun ist sie sehr gut. Den Zähler werden wir einfahren. Und dann mal sehen, welche Ziele wir uns noch setzen können. Ein paar Plätze gutmachen wollen wir auf jeden Fall noch.

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Grimaldi (20.), Rühle (22./ 31./53.), Tekerci (23.), Lion Schweers (32.) und Ole Kittner (45.) ließen weitere Gelegenheiten aus, ehe die Südstädter Ergebniskosmetik betreiben durften. Markus Pazurek mit einem Sonntagsschuss (63.) und Hamdi Dahmani per Strafstoß (79.) nach einem strittigen Kittner-Foul an Cimo Röcker verkürzten nur. „Wir wissen selbst, dass die zweite Hälfte nicht gut war“, meinte Rizzi. „Ich glaube, es ist menschlich, dass wir etwas weniger gemacht haben“, befand auch Rühle.

Die nahe Zukunft wird also nun weniger vom Blick auf die Tabelle, in der auch die attraktiven Plätze zwei bis vier immerhin schon acht bis neun Punkte entfernt sind, bestimmt, sondern eher von Vertrags- oder Perspektivgesprächen. Malte Metzelder, der neue Sportchef, wird gefordert sein. Auch er hörte die fast überschwängliche und doch nicht aufgesetzte Lobeshymne von Fortuna-Trainer Uwe Koschinat, der „beeindruckt“ war von der „Lauf- und Spielqualität“ der Münsteraner. Sein Gegenüber Benno Möhlmann, den das Stadion erstmals mit mehrminütigen Sprechchören feierte, strich die Komplimente fast verlegen ein. „Wir haben in den vergangenen Wochen ordentlich zugelegt und mehrfach gezeigt, was wir können. Auch diesmal hatten wir gute Kombination, sind viel gelaufen.“ Den bereits von Koschinat geadelten Grimaldi („Er hat mit uns gemacht, was er wollte“) stellte Münsters Coach auch noch mal ins Rampenlicht. „Wie er die Bälle gehalten hat, war stark.“ An einer Analyse der zweiten Hälfte, die er eigentlich nicht kommentieren wollte, kam auch Möhlmann nicht vorbei. „Nach einer überragenden ersten Halbzeit hat die Pause uns nicht gut getan, zumal wir gegen den Wind gespielt haben.“

Es war nicht mehr als ein Schönheitsfehler nach brillanter Ouvertüre und vor dem (fast) erreichten Klassenziel. Verein, Mannschaft und Anhang sind in schwierigen Zeiten eng zusammengerückt und ernten aktuell die Früchte dessen.

Hoffmann im Kader

Ein Kurzeinsatz war Philipp Hoffmann noch nicht vergönnt. Aber der wird sicher in den verbleibenden fünf Partien folgen. Gegen Köln stand der 24-Jährige erstmals seit dem 29. April 2016, also fast einem Jahr, wieder im Kader, was auch ein großer Schritt war. Damals hatte er sich in Wiesbaden bei seinem Führungstor einen Patellasehnenriss zugezogen. Der Mittelfeldspiele hatte am Donnerstagabend für die U 23 im Test bei Concordia Albachten schon 45 Minuten bestritten.

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