Fußball: 3. Liga
Preußen und ASB arbeiten Hand in Hand

Münster -

Die Arbeit von Sanitätern bei einem Fußballspiel war vor zwei Wochen in aller Munde, als der Ex-Münsteraner Christian Müller (jetzt Uerdingen) in Wuppertal schwer verletzt erst mit Verzögerung behandelt wurde. Wie ein reibungsloser Ablauf funktioniert, beschreiben die Verantwortlichen des SC Preußen.

Dienstag, 21.11.2017, 19:11 Uhr

August 2013, ein schlimmer Zwischenfall an der Hammer Straße: Sanitäter des Arbeiter-Samariter-Bunds tragen den schwer getroffenen Clement Halet vom Platz.
August 2013, ein schlimmer Zwischenfall an der Hammer Straße: Sanitäter des Arbeiter-Samariter-Bunds tragen den schwer getroffenen Clement Halet vom Platz. Foto: René Penno

Dramatische Szenen spielen sich am 24. August 2013 gegen 15.40 Uhr im Stadion an der Hammer Straße ab. Clement Halet, Defensivstratege des SC Preußen , bleibt nach einem Zusammenstoß mit dem Kieler Fiete Sykora auf Höhe des Mittelkreises regungslos liegen. Herzstillstand. Lebensgefahr. Gottlob erkennen Mitspieler den Ernst der Lage, rufen unverzüglich die Sanitäter, die schnellen Schrittes herbeieilen und den Franzosen vor dem Schlimmsten bewahren. Ex-Trainer Pavel Dotchev sagt damals, sichtlich geschockt, etwas ganz Entscheidendes: „In solchen Momenten rückt der Fußball in den Hintergrund.“ So ist es.

Skandal in Wuppertal

Im Stadion am Zoo in Wuppertal ist die Dramaturgie am 4. November 2017 vergleichbar. Ex-Preuße Christian Müller , mittlerweile in Diensten des Regionalligisten KFC Uerdingen, geht nach einem rüden Foulspiel zu Boden. Sein Gesicht: blutverschmiert. Der 33-Jährige wirkt benommen, verliert für einen Augenblick gar das Bewusstsein. Sanitäter werden wild gestikulierend angefordert – ohne Erfolg. Keiner der 16 Ersthelfer vor Ort fühlt sich offenbar verantwortlich. Ein zugeparkter Rettungswagen toppt das Chaos. Es vergehen viele bange Minuten, bis Müller erstversorgt und per Trage abtransportiert wird. Diverse Medien sprechen anschließend von einem Skandal.

SC Preußen für den Ernstfall gewappnet

„So etwas ist bei uns undenkbar“, sagt Wilfried Kramer, zertifizierter Veranstaltungsleiter des SCP. Zusammen mit dem Sicherheitsbeauftragten Mark Brown, Bianca Sikorski (Leitung Spieltagsorganisation) und dem dienstleistenden Personal des Sicherheitsdienstes muss er für alle möglichen Szenarien rund um ein Heimspiel gewappnet sein. Und ist es. „Bei uns greift ein Rad routiniert ins andere“, weiß er. Worte, die einem Versprechen gleichkommen. Nicht umsonst war der Verein Teil des Pilotprojekts „„Zertifizierung des Sicherheitsmanagements im Profifußball“, das der DFB zusammen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und fünf Clubs aus den Bundesligen sowie der 3. Liga 2014 startete. „Wir gehören da zu den Vorreitern“, betont Vereinssprecher Marcel Weskamp.

Sicherheitskonzept nach Ampel-System

An diesem Sicherheitskonzept, das vor jeder neuen Spielzeit erarbeitet wird, ist auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Münster beteiligt. Er stellt die Sanitäter-Kräfte ab. Die Anzahl der Ersthelfer orientiert sich dabei an der Kategorisierung des jeweiligen Heimspiels. Dabei bedienen sich die Preußen der Farben Grün, Gelb und Rot. Heißt: Kommt beispielsweise die Reserve von Werder Bremen, ist der personelle Aufwand überschaubar – alles im grünen Bereich. Es sei denn, es gibt Erkenntnisse der Polizei, dass sich Problem-Fans oder externe Ultra-Gruppierungen ankündigen. Dann müssen die Köpfe neu zusammengesteckt werden. Und unter Umständen zusätzliche Arbeitskräfte angefordert werden. So wie bei Hochsicherheitsspielen. Osnabrück – ein Duell der Kategorie Rot. Dann herrscht höchste Alarmbereitschaft.

Die Situation am Freitag

Wenn am Freitag die Chemnitzer ihre Zelte in Münster aufschlagen, tun sie das unter gelben Voraussetzungen. 18 Sanitäter und ein Einsatzleiter werden versuchen, unter anderem im Innenraum nahe des Spielfeldes und der Tribünen, im Gästebereich und vor dem Haupteingang Sicherheit zu garantieren. Der Rettungsdienst darf dabei „überall hin“, wie Sikorski klarmacht.

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In Wuppertal war das anscheinend nicht so, da sollen die Einsatzkräfte auf der Tribüne kurioserweise keine Zuständigkeit für den Innenraum gehabt haben. Wenn nötig, kann auch Veranstaltungsleiter Kramer medizinische Hilfe anfordern. „Wir stehen in ständigem Funkkontakt mit dem ASB.“ Für den Fall der Fälle stehen zusätzlich zwei Rettungswagen, ständig mobil und nicht zugeparkt wie im Stadion am Zoo, und eine Unfallhilfestelle bereit. Ein Rundum-Sorglos-Paket der Preußen.

Drei Farben

Die Zahl der Einsatzkräfte orientiert sich an der Kategorisierung der Spiele. In Farben und Zahlen heißt das:

► Grün: Zehn Sanitäter und ein Einsatzleiter, ein Rettungswagen, dazu eine Unfallhilfestelle.

► Gelb: 18 Sanitäter und ein Einsatzleiter, zwei Rettungswagen, dazu eine Unfallhilfestelle.

► Rot: 24 Sanitäter und zwei Einsatzleiter, einer davon kommt aus der Berufsfeuerwehr, drei oder vier Rettungswagen, ein Krankentransportwagen, ein Notarzt, ein Gerätewagen „Sanität“, eine Unfallhilfestelle.

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Teure Sicherheit 

„Gemäß der Spieltagskategorie Gelb“ hat Sikorski den ASB bereits in der Vorwoche per E-Mail mit ins Boot genommen. Das übliche Prozedere vor jedem Heimspiel.“ Die Kosten jedes Einsatzes trägt der Club: „Der ASB schreibt uns eine Rechnung“, sagt Sikorski. Die Höhe variiert. „Wenn der Rettungswagen ins Spiel kommt, wird es teurer.“ So wie in der vergangenen Saison, als Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nach einem Krampf im Bein zur Vorsicht ins Krankenhaus gebracht wurde. Kostspielig, aber gut angelegtes Geld. Sicherheit geht vor.

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