Fußball: 3. Liga
Auswärts fehlt den Preußen zu oft der Zug zum Tor

Karlsruhe -

Trotz einer guten Vorstellung beim Karlsruher SC mussten die Preußen die Gewissheit mit nach Hause nehmen, dass gerade in der Fremde die Offensive oft zu harmlos ist. Nach dem 0:3 beim Tabellenvierten sprach Trainer Marco Antwerpen die Dinge ohne Scheu an.

Montag, 02.04.2018, 19:04 Uhr

Preußen-Trainer Marco Antwerpen tröstet auch seine drei eingewechselten Spieler Moritz Heinrich, Philipp Hoffmann und Lennart Stoll (v.l.), die in der letzten halben Stunde auch nicht mehr viel bewirkten.
Preußen-Trainer Marco Antwerpen tröstet auch seine drei eingewechselten Spieler Moritz Heinrich, Philipp Hoffmann und Lennart Stoll (v.l.), die in der letzten halben Stunde auch nicht mehr viel bewirkten. Foto: GES/Gilliar

Es war im Vorfeld zu befürchten, dass Preußen Münster beim Karlsruher SC kein Feuerwerk an Torchancen abbrennen würde. Dafür war der zu Hause ungeschlagene Gegner, der mit dem 3:0 (1:0)-Sieg am Karsamstag den eigenen Drittliga-Rekord auf 21 Spiele ohne Niederlage verbesserte, zu formstark und in der Abwehr zu erfahren und abgebrüht (22 sind die wenigsten Gegentreffer). Der SCP hingegen hat in der Fremde erst zwölf Mal getroffen. Und dann fielen diesmal auch noch Torjäger Adriano Grimaldi und der immer anspielbare Tobias Rühle aus. Da sprach wenig für den Außenseiter.

Es kam wie erwartet. Letztlich war die offensive Harmlosigkeit sogar doppelt ärgerlich, denn lange machte das bis dato viertbeste Team der Rückrunde ein starkes Auswärtsspiel. „Als Stürmer muss man sich auch mal behaupten“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Beim KSC spielen vorne Fabian Schleusener und Anton Fink, das ist ein gravierender Unterschied. Und auch mit Fitness hat das zu tun.“ Gezielte oder scharfe Vorwürfe an die Aushilfsstürmer Lucas Cueto und Tobias Warschewski sollten das nicht sein. „Aber da ist schon eine andere Wucht vorne drin.“ Den eigenen Angreifern hielt der Coach zugute, dass sie „nicht viel gespielt haben zuletzt“.

Gänzlich ungefährlich waren die Preußen im Wildpark ja auch nicht. Martin Kobylanski (15./57.) gab zwei gute Fernschüsse ab und bereitete mit Freistößen die Kopfball-Gelegenheiten von Jeron Al-Hazaimeh (39.) und Sandrino Braun (54.) vor. Aus dem Spiel heraus aber ging wenig, so ehrlich muss man sein. „Wenn man das Ergebnis nüchtern betrachtet, hat uns die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben eine richtig gute Auswärtspartie gezeigt, waren in vielen Elementen sogar besser“, so Antwerpen. „Karlsruhe ist aber schon abgezockt, mit der Gesamtleistung bin ich daher zufrieden.“

Startelf-Debüt für Warschewski

Erstmals in dieser Saison stand Tobias Warschewski (r.) in der Startelf. Zunächst Reservist, dann ein Mittelfußbruch, schließlich wegen mangelnder Professionalität angezählt von Trainer Marco Antwerpen – es war bisher nicht die Saison des Talents. In Karlsruhe bot der 19-Jährige Licht und Schatten. „Es war schwierig für mich vorne, aber wir haben gut verteidigt“, sagte er. „An der ersten Hälfte war nichts auszusetzen, da haben wir viel gegen den Ball gearbeitet.“ Mit ihm war Lucas Cueto im 3-4-1-2 in die Anfangsformation gerutscht. Philipp Hoffmann musste auf die Bank, Martin Kobylanski wurde vom Achter zum Zehner, Michele Rizzi durfte nach seiner Sperre vor der Abwehr beginnen.

...

Er hatte nicht ganz Unrecht, die erste Halbzeit war top. Cueto und Warschewski attackierten wirkungsvoll, zwangen die Badener zu hohen Bällen, die die SCP-Fünferreihe (alle Verteidiger über 1,85 Meter) mühelos klärte. Dann aber folgte der Fauxpas von Jeron Al-Hazaimeh, der Florent Muslija den Ball völlig unnötig ein zweites Mal servierte und ihn dann ins eigene Netz abfälschte (31.). Und nach der Pause schlief die Deckung bei zwei Ecken von Marvin Wanitzek, was Schleusener per Hinterkopf (61.) und Jonas Föhrenbach nach einem Patzer des eingewechselten Moritz Heinrich (78.) zu weiteren Toren nutzten. Dabei hatte Münster in den vergangenen Monaten Standards so gut verteidigt.

Jubiläum für Menig

In seiner dritten Drittliga-Saison hat Fabian Menig am Samstag die Marke von 100. Spielen in dieser Klasse geknackt. Das war aber nicht der Grund dafür, dass der 24-Jährige nach dem Abpfiff nicht mit zurück nach Münster fahren musste, sondern direkt in seine Freiburger Heimat abrauschte. Die ganze Mannschaft erhielt trotz der Pleite über die beiden Ostertage trainingsfrei. Zuvor hatte Simon Scherder bereits einen Trikottausch vollzogen. Und zwar mit seinem alten Mitspieler, dem Ur-Münsteraner Marc Lorenz (von 2009 bis 2011 bei den Preußen), der beim KSC in der 85. Minute eingewechselt wurde.

...

Die letzte halbe Stunde ging dann schon klar an den KSC. Keeper Max Schulze Niehues, der vor der Pause bereits zwei Fink-Schüsse pariert hatte (42./45.) zeigte sich erneut. Muslija (83.) und Marvin Pourie (85./89.) hätten den Preußen sogar ein Debakel bescheren können. Das wäre nicht angemessen gewesen. „Viel zu bemängeln gab es bis zum 2:0 nicht“, sagte Fabian Menig, der bei diesem Treffer einen Schritt zu spät kam.

Die Problematik der fehlenden Power in der Spitze ist auswärts dennoch nicht zu leugnen. Auch als Lennart Stoll, Philipp Hoffmann und später Heinrich kamen, fehlte jeder Zug zum Tor. Solche Partien gab es auch unter Mitwirkung von Rühle und Grimaldi schon.

Das Gespann kehrt am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Wehen Wiesbaden zurück. Viel einfacher wird diese Aufgabe auch nominell nicht. Der KSC ist die beste Drittliga-Elf der zweiten Saisonhälfte, die Hessen sind in diesem Ranking erster Verfolger. Aber zu Hause entfaltet der SCP in der Regel ja weitaus mehr Druck.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5634133?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F70831%2F
Nachrichten-Ticker