Fast täglich bei ZDF-Sendung „Bares für Rares“
Auktionator aus Laer ist ein Fernsehstar

Daniel Meyer kann es sich nicht verkneifen: Was „Sotheby‘s natürlich nicht geschafft hat“, geht bei ihm wie geschnitten Brot. Die „Deutsche Kommode des Barock, um 1760“ steht mit einem Anfangsgebot von 800 Euro im Auktionskatalog. Keine drei Minuten nach ihrem Aufruf bekommt Meyers abgegriffener Holzhammer die Fallsucht und rauscht mit gebremstem Schwung auf den Schreibtisch nieder. „Zum Dritten.“ 1600 Euro ist dem Bieter mit der Nummer 1202 das Möbelstück wert. Plus die Courtage für den Auktionator. Wie gesagt, bei „Sotheby‘s“ war der Barockschrank ein Ladenhüter.

Samstag, 07.04.2018, 12:04 Uhr

Bei Auktionator Daniel Meyer kommt alles unter den Hammer. In diesem Fall eine Seifenblasenmaschine, die schon einen Weltrekord aufgestellt haben soll.
Bei Auktionator Daniel Meyer kommt alles unter den Hammer. In diesem Fall eine Seifenblasenmaschine, die schon einen Weltrekord aufgestellt haben soll. Foto: Axel Roll

Wer sich die Kommode künftig ins Wohnzimmer stellt, sehen die rund 100 Auktionsgäste im Saal nicht. Der Unbekannte hat per Telefon sein Gebot übermittelt. Keine Seltenheit. Die meisten der 1047 Nummern in Katalog gehen entweder mit Live-Geboten am Telefon oder übers Internet über die digitale Ladentheke. Daniel Meyer kennt sein Publikum. Wie hatte der Wahl-Laerer, der seit über 20 Jahren sein Auktionshaus an der Hörster­straße in Münster betreibt, gesagt? „Die Münsteraner sind beim Bieten eher konservativ.“

Bei Horst Lichters „Bares für Rares“ ist Daniel Meyer in der Händlerrunde ständiger Gast.

Bei Horst Lichters „Bares für Rares“ ist Daniel Meyer in der Händlerrunde ständiger Gast. Foto: ZDF/Frank Hempel

Mehr Zulauf im Laden

Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Der Antiquitätenhändler ist inzwischen ein Fernsehstar. Viele Leser dieses Textes werden ihn als einen der Händler kennen, die beinahe täglich in der ZDF-Erfolgssendung „Bares für Rares“ auf Schnäppchenjagd gehen. Der 44-Jährige spürt die Folgen des Medienrummels nur zu deutlich – nicht nur an den Autogrammwünschen. „Der Zulauf an Menschen, die mit ihren Schätzchen bei mir in den Laden kommen, hat um ein Vielfaches zugenommen.“ Und dabei hört er auch immer wieder die Frage: „Auktionen machen Sie auch? Wie geht das überhaupt?“

Wie Versteigern funktioniert

Das ist schnell erklärt. Interessenten lassen sich eine Bieternummer geben, machen sich am besten im Vorfeld mithilfe des Katalogs schlau, wofür sie ihre Karte heben wollen – und schon kann es losgehen.

Ein dickes Portemonnaie ist nicht unbedingt notwendig. Das Mindestgebot für den „Chinesischen Seidenteppich mit Paradiesvogel“ liegt bei 50 Euro, das Album mit Kriegspropagandakarten aus dem Ersten Weltkrieg geht mit 30 Euro an den Start, für viele Raritäten gibt es gar kein Startgebot. Wer es allerdings auf Otto Modersohns „Abendstimmung mit zugefrorener Gräfte“ abgesehen hat, der muss wenigstens 10.000 Euro übrig haben.

Bei der Auktion muss der Chef mit dem Hammer die Augen überall haben. Neben den Live-Bietern gibt es das Internet und die Interessenten am Telefon.

Bei der Auktion muss der Chef mit dem Hammer die Augen überall haben. Neben den Live-Bietern gibt es das Internet und die Interessenten am Telefon. Foto: Axel Roll

Pinkfarbene Seifenblasenmaschine will keiner

Am Ende wechselt er für 13.000 Euro den Besitzer, plus Provision – und ist damit der Umsatzstar der Auktion. Im Gegensatz zur pinkfarbenen Seifenblasenmaschine. Sie hat schon einmal einen Weltrekord aufgestellt. Haben will sie aber keiner. Daniel Meyer kann es verschmerzen. „Die nehme ich mit nach Hause. Beim nächsten Dorffest in Laer sorge ich dann für die Seifenblasen. Versprochen.“

Auch die alten Geigen ­stoßen nur auf zurückhaltendes Interesse. Eine Stradivari ist zwar nicht darunter, aber immerhin eine des Komponisten Albert Lortzing, der in Münster kein Unbekannter ist. Daniel Meyer schmunzelt: „Ich habe noch nie so viele Geigen vergeigt.“

450 Livebieter angemeldet

Die vier Helfer, die die Telefone bedienen, haben an beiden Auktionstagen alle Hände voll zu tun. Der Kopf des Auktionators geht zwischen Telefonecke und Saal hin und her, um bloß kein Gebot zu übersehen. Das Bieten über den heißen Draht klappt nicht immer. „Wie, Sie sind im ­Restaurant? Darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Hier warten 100 Leute“, entfährt es einem Telefonisten, als ihn der Interessent bittet, doch ein paar Minuten zu warten. Für die Auktion haben sich 450 Livebieter angemeldet.

Frankreich, England, Hongkong, New York, Iran, Australien, Russland – das Team von Daniel Meyer verschickt nach dem Auktionsmarathon Kunstschätze in alle Welt. Der Auktionator schmunzelt: „Wir sind mittlerweile aus der Provinz-Situation herausgeschwappt.“

Antiquitäten aus dem eigenen Land gefragt

Der studierte Kunstexperte aus dem Münsterland macht bei den Auslandsgeschäften einen Trend aus. „Mittlerweile kaufen viele Sammler die Antiquitäten aus ihren eigenen Ländern wieder zurück.“ So sind englische Möbel wieder in ihrem Heimatland beliebt, Iraner ersteigern ihre persischen Teppiche.

Die Zeiten, in denen Auktionen so etwas leicht An­rüchiges hatten, sind lange vorbei. „Entweder wollen sich die Menschen kleinersetzen oder sie haben geerbt“, nennt der 44-Jährige die beiden Hauptgründe, warum sich jemand an einen Versteigerer wendet.

Im aktuellen Fall hat Meyer offensichtlich den Geschmack seiner Kundschaft genau getroffen. Trotz der vergeigten Geigen. Nach den zwei Tagen zieht der Wahl-Laerer Bilanz: „Das war die umsatzstärkste Auktion, die ich je veranstaltet habe.“

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