Wenig Glanz beim 1:0 des neuen Spitzenreiters gegen Lotte
Gipfelsturm vor Top-Kulisse

Münster -

Der Montagabend schmeckt den Münsteranern. Zur Premiere der neuen Anstoßzeit servierte der SC Preußen im Nachbarschaftsduell gegen die SF Lotte zwar phasenweise eher schwere Kost, am Ende aber das erhoffte Resultat: ein 1:0 (0:0)-Sieg und damit der erhoffte Gipfelsturm. Kaum zu glauben, nach vier Spieltagen trägt der Spitzenreiter in der so prominent wie nie besetzten 3. Liga das Kürzel SCP.

Montag, 13.08.2018, 21:06 Uhr aktualisiert: 13.08.2018, 22:08 Uhr
Es waren eher die heißen Zweikämpfe wie hier zwischen Münsters Simon Scherder und Lottes Michael Schulze (vorne), die das Montagsspiel prägten.
Es waren eher die heißen Zweikämpfe wie hier zwischen Münsters Simon Scherder und Lottes Michael Schulze (vorne), die das Montagsspiel prägten. Foto: Jürgen Peperhowe

Was das Glück des Traditionsclubs für den Moment perfekt machte, war die Zuschauerzahl. 9247 Besucher, so viele wie ansonsten in den vergangenen Jahren allenfalls im Derby gegen den VfL Osnabrück. Der außergewöhnliche Termin ist vielleicht gar kein so schlechter, wie viele denken.

„Überragend“ fand Trainer Marco Antwerpen den Wert. „Die Unterstützung gerade am Ende war top, da wurde es noch lauter. Es fühlte sich gut an.“ Den Verlauf analysierte er abgeklärt: „Es war wie erwartet kompliziert, Lücken zu finden gegen ein defensiv orientiertes Team.“

Es war wie erwartet kompliziert, Lücken zu finden gegen ein defensiv orientiertes Team.

Marco Antwerpen

Die Schlagrichtung war also schnell klar. Diesmal waren permanent Ideen im Aufbau gefordert. Tobias Warschewski (2.), Sandrino Braun (12.), Kevin Rodrigues Pires und Niklas Heidemann, dessen Schuss Jeron Al-Hazaimeh gegen seinen Ex-Club zur Ecke klärte (22.), sammelten ein paar Versuche. Die Halbchancen waren indes noch kein Indiz für eine klare Überlegenheit.

Preußen-Verteidiger unter Bedrängnis

Das Schlusslicht wagte sich durchaus nach vorne und bedrängte Münsters teils unsichere Verteidiger mehrfach effektiv. „Wir waren auf den Halbpositionen nicht immer ideal vorbereitet“, sagte Antwerpen. „Es fehlte etwas an Passgenauigkeit und Ballkontrolle. Aber auf der anderen Seite standen auch super Fußballer. Es konnte kein Selbstläufer werden.“

SC Preußen gegen Sportfreunde Lotte

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  • Es ging schleppend los: Schon in der vierten Minute kassierte Preuße Niklas Heidemann (links) für ein Foul eine Gelbe Karte.

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  • Ex-Preuße Marcus Piossek diskutiert mit René Klingenburg.

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  • Chance für Preuße Tobias Rühle, aber Lottes Tormann Steve Kroll hält.

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  • Ex-Preuße Jeron Al-Hazaimeh (rechts) traf auf seine alten Wegbegleiter.

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  • Das tat weh: Preuße Tobias Rühle am Boden, Lottes Jeron Al-Hazaimeh kümmert sich.

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  • Preuße Jannik Borgmann (hinten) klärt vor Lottes Jaroslaw Lindner.

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  • Lottes Tormann Steve Kroll klärt per Kopf vor Preuße Tobias Rühle.

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  • Münsters Abwehrspieler Niklas Heidemann (links) schaltete sich immer wieder in den Angriff ein.

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  • Freistoß von Lottes Marcus Piossek, brachte nichts ein.

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  • Lottes Michael Schulze (rechts) und Nico Neidhart (links) klären vor Münsters Kapitän Simon Scherder.

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  • René Klingenburg geht nach dem Sieg und der Tabellenführung auf Tuchfühlung mit den Fans.

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  • Preuße Sandrino Braun genießt in dieser Szene Lufthoheit.

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  • Ohne Worte – Münster im Freudentaumel.

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  • Preuße Sandrino Braun gewinnt das Kopfballduell gegen Lottes Sinan Karweina.

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  • Lottes Tormann Steve Kroll fliegt gut, aber umsonst, der Ball geht vorbei.

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  • Ab zu den Fans nach dem Tor: René Klingenburg.

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  • Wann hat es die zuletzt gegeben?

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  • René Klingenburg auf dem Preußen-Zaun.

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  • Ohne Worte.

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  • Die passende Kulisse für einen sommerlichen Montagabend.

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  • Münsters Tobias Rühle (rechts) bereitete das 1:0 astrein vor. Lottes Jeron Al-Hazaimeh kommt zu spät.

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  • Fast 10 000 Zuschauer im Preußen-Rund – stark.

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  • Ein Beleg für die Tabellenführung.

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  • Außer Rand und Band, diese Preußen.

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  • Schiedsrichter Michael Bacher und Lottes Nico Neidhart verstehen sich – offenbar.

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  • Jubel nach dem Spiel.

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  • René Klingenburg (rechts) wird nach seinem Tor von den Mitspielern gefeiert.

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  • Warum so skeptisch, Marco Antwerpen?

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  • Münsters Co-Trainer Kurtulus Öztürk (links) und Kevin Pires-Rodrigues.

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  • Sieg: Kevin Pires-Rodrigues.

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  • Lass dich drücken: Kevin Pires-Rodrigues (vorne) und Tobias Rühle (rechts) herzen den Torschützen René Klingenburg.

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Dafür ein Geduldsspiel, ein zähes und zerfahrenes noch dazu. Die Preußen   waren unkonzentriert und offensiv zumindest nicht überbesetzt – was auch als Kalkül gewertet werden kann. Bloß kein offenes Messer, darauf wartete Lotte ja. SFL-Stürmer Aygün Yildirim meldete sich nach einer halben Stunde mit zwei Schüssen und einem Kopfball zu Wort, die knapp vorbeigingen (33., 35., 37.). Die größte Möglichkeit in Hälfte eins besaß der frei stehende Menig nach einer Braun-Flanke bei seinem Kopfball (42.). Die vielbeinige Lotter Abwehr hatte es ansonsten nicht schwer.

Großartig von Rühle, ein überragender Sprint.

René Klingenburg

Zur Pause kam Martin Kobylanski für Warschewski – und fast umgehend zahlte sich mal wieder ein Tausch aus. Der Joker schickte direkt Rühle auf die lange Reise, die Sportfreunde waren viel zu weit aufgerückt. Der Angreifer schüttelte Al-Hazaimeh ab, wartete bis zur Grundlinie mit dem Rückpass und fand den freien Klingenburg, der zu seinem vierten Saisontor einschob (52.). „Wir wollten viel früher im Mittelfeld die Bälle gewinnen“, sagte der Coach. „Beim Tor hat das einmal gut funktioniert.“ Der Torschütze lobte den Assist: „Großartig von Rühle, ein überragender Sprint.“

Pragmatismus regiert

Münster durfte sich nun ein wenig zurückziehen, doch von Lotte kam wenig. Stattdessen sah Kobylanski Keeper Steve Kroll weit vor dem Tor und zog vom Mittelkreis ab. Da fehlten nur ein paar  Zentimeter (68.). Genau wie bei seinem Schuss von halbrechts 60 Sekunden später.

Schrecksekunde kurz vor Schluss

Ansonsten regierte Pragmatismus. „Unsere Dreierkette hat richtig stark verteidigt“, sagte Antwerpen. So gut wie keine Strafraumszenen des Gegners – das lief schon gut. Abwehrchef Ole Kittner scheiterte nach einer Ecke an Kroll (77.), ansonsten blieb es ruhig. So feierten sich die SCP-Anhänger schon mal warm. Die Gesänge vom „Spitzenreiter“ gehörten dazu. Mit einem Ausgleich rechnete niemand, doch plötzlich offenbarten sich in der Schlussphase große und unerklärliche Löcher in der Deckung. Das größte hätte Jaroslaw Lindner beinahe genutzt, der Ball flog aber weit drüber (88.). Durchatmen. Platz eins gerettet. Mindestens für elf Tage. Wer hätte das gedacht?

Einzelkritik: SC Preußen Münster - Sportfreunde Lotte

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  • Torwart Oliver Schnitzler:

    Note 3, löste die wenigen Aufgaben konzentriert, klärte ein, zwei Mal als elfter Feldspieler Angriffe der Gäste.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Fabian Menig:

    Note 3,5, kämpfte natürlich verbissen wie immer. Doch auf der rechten Seite wirkte er nicht so präsent wie sonst, das kann er besser.

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  • Innenverteidiger Simon Scherder:

    Note 2,5, präsentierte sich am stabilsten in der Dreierkette der Preußen, machte keine Fehler.

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  • Innenverteidiger Ole Kittner:

    Note 3, agierte in den Zweikämpfen solide und verbissen wie immer, leistete sich aber auch den einen oder anderen Querschläger.

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  • Innenverteidiger Jannik Borgmann:

    Note 3, hatte vor der Pause so seine Probleme, steigerte sich nach dem Wechsel und ließ auf seiner Seite wenig anbrennen, gewann dann alle entscheidenden Zweikämpfe.

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  • Linkverteidiger Niklas Heidemann:

    Note 3, fand vor der Pause wenig Bindung zum Offensivspiel. Der Schwung der ersten zwei Punktspiele schien futsch. Wie alle anderen legte er nach dem Wechsel eine Schippe drauf und machte mit Borgmann einen großen Leistungshopser.

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  • Mittelfeldspieler René Klingenburg:

    Note 2,5, ist weiterhin die Entdeckung der Saison bei den Preußen. Eiskalt wie ein ganz Großer schloss er zum Siegtor ab, schmiss sich ansonsten in alles rein und stellte sich in den Dienst der Mannschaft.

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  • Mittelfeldspieler Sandrino Braun:

    Note 2,5, bleibt als Ballgewinner und Abräumer vor der Abwehrkette so ungemein wichtig. Nicht auszudenken, wenn sein Fernschuss kurz vor Ende noch gepasst hätte.

    Stark.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires:

    Note 3,5, nicht so überzeugend wie zuletzt gegen seinen Ex-Club, bemühte sich um Spielkontrolle und einen vernünftigen Aufbau, vieles blieb aber bei ihm im Ansatz stecken.

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  • Angreifer Tobias Rühle:

    Note 3, vor der Pause der agilste Angreifer der Preußen, nach dem Wechsel mit großer Übersicht als Vorbereiter der Führung. Wühlt beim Gegner rum, wie er nur kann. Manchmal etwas eigensinnig.

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  • Angreifer Tobias Warschewski:

    Note 4, fand nicht ins Spiel, bekam vor der Pause kaum gute Anspiele, und die wenigen brauchbaren nicht unter Kontrolle.

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  • Einwechselspieler Martin Kobylanski:

    Note 2, ist aktuell der größte Trumpf auf der Preußen-Ersatzbank. Das wird ihn nicht freuen, aber als „Joker“ ist Kobylanski, der für Warschewski kam, eine Wucht. Das Führungstor entspringt tief in der Preußen-Hälfte seiner Idee. Glänzte mehrfach mit Dribblings und tollen Ideen. Wäre vermutlich lieber von Beginn an dabei.

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  • Einwechselspieler Philipp Hoffmann:

    Note 3,5, brachte den SCP als Rühle-Ersatz in der letzten halben Stunde mehr in den Pressingmodus, aber ohne Glück bei Angriffen und Offensivaktionen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Einwechselspieler Rufat Dadashov:

    Keine Note, fügte sich kämpferisch nahtlos ein, hatte Pech bei einem Kopfball, der das 2:0 bedeutet hätte. Ersetzte Kevin Rodrigues Pires.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Drei Fragen an: Simon Scherder

Simon Scherder, das ist bekannt, hat für Luftschlösser wenig übrig. Entsprechend realistisch ordnet der Kapitän den ersten Platz ein.

Spitzenreiter vor 60, KSC, Braunschweig, Uerdingen, Lautern. Hätten Sie mit sowas gerechnet?

Scherder: Nein, das hätten sicher nicht viele gedacht. Ich glaube, Platz eins ist in Münster schon lange her. Als Tabellenführer nach Osnabrück zu reisen, ist schon cool. Allerdings ist es letztlich nur eine schöne Momentaufnahme.

Gerade in der ersten Halbzeit gab es in den beiden hinteren Reihen  ein paar plötzliche Ballverluste. Wie kam das?

Scherder: Wir haben ehrlich gesagt nicht erwartet, dass die Lotter so früh attackieren. In den letzten Spielen standen sie hinten drin. Wir wurden etwas nervös, als wir keine Lösungen gefunden haben.

Wie war der Montag?

Scherder: Flutlichtspiele sind immer top. Nur der Ablauf war noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Spielstatistiken

SCP: Schnitzler - Scherder, Kittner, Borgmann - Menig, Braun, Rodrigues Pires (73. Rodrigues Pires), Heidemann - Klingenburg - Warschewski (46. Kobylanski), Rühle (60. Hoffmann)

SFL: Kroll - Schulze, Rahn, Al-Hazaimeh, Neidhart - Plume (68. Chato), Hoffmann (78. Karweina) - Lindner, Piossek, Schmidt (78. Oesterhelweg) - Yildirim

Schiedsrichter:  Michael Bacher (Amerang-Kirchensur)

Zuschauer: 9247

Tore: 1:0 Klingenburg (52.)

Gelb: Heidemann, Rühle, Kittner, Rodrigues Pires / Piossek, Yildirim

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