Fußball: 3. Liga
Wille, Glaube und etwas Glück – Preußen Münster bleibt in der Spitzengruppe

Münster -

Lange Zeit sah es so aus, als ob die Preußen beim Gastspiel in Unterhaching abermals leer ausgehen würden. Und dann schlug Fabian Menig mit einem Sonntagsschuss am Samstagnachmittag zu.

Sonntag, 07.10.2018, 17:05 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 07.10.2018, 16:38 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 07.10.2018, 17:05 Uhr
Der Ausgleich wirkte wie eine Erlösung: Torschütze Fabian Menig feierte mit Rufat Dadashov und Jannik Borgmann (von links).
Der Ausgleich wirkte wie eine Erlösung: Torschütze Fabian Menig feierte mit Rufat Dadashov und Jannik Borgmann (von links). Foto: Wolfgang Fehrmann

Verweise auf die Vergangenheit langweilen ja Preußen-Trainer Marco Antwerpen. Aber natürlich war ihm auch klar, dass Münster bei der SpVgg Unterhaching noch nie unentschieden gespielt (und sowieso in sechs Anläufen erst einmal gewonnen) hatte. Außerdem, und auch das war ihm bekannt, hatte der SCP in dieser Saison als einziger Drittligist noch kein Remis erzielt. Das 1:1 (0:1) im Sportpark am Samstag räumte mit beiden Statistiken auf. Der Punkt hatte für den Gast einen hohen Stellenwert. Weil er nach Chancenverteilung und erster Hälfte etwas glücklich war. Weil er aber auch einmal mehr eine intakte Moral und einen großen Glauben offenbarte. Und letztlich, weil er die nerv­tötende Bus-Rückreise doch noch erträglich machte.

Unterhaching vs Preußen Münster

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  • Intensives Spiel in Unterhaching: Hier bringt Innenverteidiger Marc Endres Preußens René Klingenburg zu Fall.

    Foto: Wolfgang Fehrmann
  • Hinten präsentierten sich die Münsteraner zu offen und vorne gelang lange auch nicht viel.

    Foto: Wolfgang Fehrmann
  • Doch dann schlug Fabian Menig zu. Mit einem satten Schuss erzielte er in der 79. Minute das 1:1.

    Foto: Wolfgang Fehrmann
  • Das Tor wird bejubelt. Es führte zu Münsters erstem Unentschieden in dieser Saison.

    Foto: Wolfgang Fehrmann
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen von der Partie Unterhaching - Preußen Münster.

    Foto: Wolfgang Fehrmann
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Hochinteressante Partie

Antwerpen hatte eine „hochinteressante Partie“ gesehen. „Beide Teams haben es mit hohem Pressing versucht.“ Lange fanden die Gastgeber hieraus die besseren Lösungen. Zumal sie auf den Außenbahnen in ihrem 4-4-2-System oft in Überzahl waren. Der Plan sah vor, dass Lion Schweers und Jannik Borgmann unterstützend auf die Flügel rücken, dass zudem der oft nach links ausweichende Sascha Bigalke beschattet wird. Phasenweise klappte das, phasenweise allerdings auch nicht.

Drei Fragen an Simon Scherder

Zur Pause kam der ­Kapitän wieder an Bord und übernahm auch gleich die Binde. Wo in den Minuten vor der herrschte, war mit Simon Scherder wieder weit­gehend Ruhe im Karton.Was hat Ihnen Trainer Marco Antwerpen mit auf den Weg gegeben, als er Sie brachte?Scherder: Gar nicht so viel Neues. Wir wollten im zweiten Durchgang viel Druck machen, aber etwas besser absichern. Es wurde dann ja auch besser, wir haben das zumindest phasenweise vernünftig umgesetzt.Stimmen Sie zu, dass der Punkt etwas glücklich ist?Scherder: Ja, kann man vielleicht sagen. Wir haben zwar gut angefangen, lagen dann aber 0:1 zurück – und danach war irgendwie der Wurm drin. Da kamen wir nicht durch, auch nach der Pause selten. Aber wir haben über Standards, über Einwürfe die Gefahr trotzdem ständig hochgehalten.Hat der späte Ausgleich auch die lange Rückreise mit dem Mannschaftsbus etwas gerettet?Scherder: Definitiv. Wir haben hier sonst ja oft Niederlagen mit nach Hause genommen und dabei oft schlecht ausgesehen. Ich erinnere mich an einen späten 2:1-Sieg 2014 – aber das war’s auch. In­sofern können wir mit dem 1:1 gut leben.

...

Früh den Zahn gezogen

Wie viel in der 3. Liga ein günstiger Spielverlauf wert ist, zeigte wieder einmal die Anfangsphase. Rufat Dada­shov hatte eine kleinere Chance (5.) und dann eine riesige nach abgefälschtem Schweers-Schuss, als Torwart Lukas Königshofer den Ball an den Innenpfosten lenkte (7.). 30 Sekunden später bot sich noch René Klingenburg per Kopf eine super Gelegenheit. „Hier ein Tor, das hätte Sicherheit gegeben“, so Antwerpen. In der jüngsten Vergangenheit hatte seine Elf dem Gegner (Cottbus, Rostock) mehrmals früh den Zahn gezogen.

Einzelkritik: Unterhaching vs Preußen Münster

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  • Max Schulze Niehues: Musste vor der Pause zwei Mal sein Können aufbieten. Beim 0:1 sah er den Ball spät. Auch nach der Pause immer auf dem Posten. Note: 2

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers: Der Verteidiger kam immer wieder für seine langen Einwürfe nach vorne, das brachte Gefahr. An der Mittellinie zwei sehr harte Kopfballduelle mit Luca Marseiler. Konzentriert im Zweikampf, verhinderte mal wieder ein Gegentor auf der Linie. Im Verbund manchmal zu passiv. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Beim Rückstand nicht auf der Höhe, auch danach mit mehreren Fehlern im Aufbau wie bei Klärungsversuchen. Wegen seiner frühen Verwarnung etwas zurückhaltend. Zur Pause war daher Schluss. Note: 4,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jannik Borgmann: Hätte er manchmal nach links rücken müssen, um Niklas Heidemann gegen Markus Schwabl zu unterstützen? Taktische Frage … Gegen den Mann immerhin recht wehrhaft. Zeigte eine gute Einstellung, nur kleinere Fehler. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Rückte nach überstandenem Infekt wieder in die Startelf. Hatte gegen Markus Schwabl und die variierenden Flügelspieler viel zu tun. Erledigte seinen Job solide. In der zweiten Halbzeit machte er über links immer wieder Druck. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Früh für einen Einwurf, den er zu weit vorn ausführte, zurückgepfiffen. Danach sehr bemüht, aber ohne Glück in den Zweikämpfen. Doch mit seinem Hammerschuss war er letztlich der Matchwinner. Schon die fünfte Torbeteiligung. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Versuchte noch am ehesten Struktur ins Mittelfeld zu bringen. Gute Ballbehandlung, aber auch ohne zündende Idee. Ab und an verschleppte er das Tempo, dafür brachten seine Standards immer wieder heiße Strafraummomente. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Vor der Halbzeit kaum in Erscheinung getreten. Nach dem Wechsel bei einigen Standards am Ball, aber diesmal ohne Durchschlagskraft. Note: 4,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto: Kam für den erkrankten Tobias Rühle mal wieder zu einem Startelf-Einsatz. Viele Sprints, aber keine Wirkung. Hinten auch nicht immer aufmerksam. Mit seiner Statur gegen die Hachinger Defensivakteure heillos unterlegen. Note: 4,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg: Ungewohnt fehlerhaft. Pässe kamen nicht an, Zweikämpfe gingen verloren, dazu die vergebene Großchance. Stemmte sich aber gerade in der Schlussphase gegen die Niederlage, vergab jedoch am Ende sogar das Siegtor. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Rechtzeitig fit nach leichter Erkältung. Früh zwei sehr gefährliche Abschlüsse, danach wie von Kettenhunden bewacht. Zwei Abseitsstellungen hinderten ihn an Treffern. Nach dem Abpfiff ging es direkt auf Länderspielreise. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Zur Halbzeit für Kittner auf dem Feld. Nicht fehlerfrei, aber etwas abgeklärter im Abwehrzentrum und durchaus auch vorne eine Gefahrenherd. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Müller: Eingewechselt für Cueto, allerdings rannte er sich meist fest in der verbleibenden halben Stunde. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono: Letzte Patrone von der Bank. Ein paar weite Wege, aber keine klaren Aktionen mehr. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

Aus dem Rhythmus

Stattdessen ging’s in die andere Richtung. Finn Porath zwang Max Schulze Niehues zur Parade (9.), die folgende Bigalke-Ecke verteidigte Münster nicht gut. Stephan Hain spitzelte die Kugel ins Eck. „Da standen et­liche Verteidiger im Blickfeld, ich habe den Schützen gar nicht gesehen“, sagte der SCP-Keeper. Rückstand trotz furiosen Starts – das tat weh. „Wir waren raus aus dem Rhythmus“, gestand Antwerpen. Orestis Kiomourtzoglou (31./45.+1), Porath (40.) und Hain (42.) zeigten vor der Pause die defensive Passivität auf, verpassten aber die Vorentscheidung. Mal stand der Pfosten im Weg, mal auf der Torlinie Schweers.

Dominant und ruhig am Ball

„Wir haben dann nachjustiert, mehr Druck durch das Zentrum gemacht, wurden dominanter und ruhig am Ball. Das hat mir gefallen“, fasste Antwerpen zusammen. Viele Standards vermittelten etwas Hoffnung, klare Chancen blieben aber aus. „Haching hatte vergessen, den letzten Punch zu setzen“, so der 47-Jährige ehrlich. Porath (54.), Bigalke (62.) und Kiomourtzoglou (68.) ließen Konter liegen. Daher blieben die Preußen im Rennen. Nach einem weiteren Freistoß von Kevin Rodrigues ­Pires faustete Königshofer den Ball Fabian Menig vor die Füße (79.). Der Rest ist bekannt. Kracherschuss, Ausgleich, ausgelassener Jubel mit den 150 Mitgereisten, Dankeschön.

Hätte Klingenburg in der Nachspielzeit mit seinem Scherenschlag sogar noch den Siegtreffer folgen lassen, wäre das vielleicht des Guten zu viel gewesen. Königshofer war diesmal zur Stelle. Aber auch so hat sich der SCP ja fürs Erste in der ­Spitzengruppe festgesetzt.

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