Fußball: 3. Liga
Preußen gegen Würzburg im Stil einer Spitzenmannschaft

Münster -

Sie haben einfach einen Lauf, zumindest in der Liga. Mit 1:0 gewannen die Preußen am sonnigen Sonntag gegen die Würzburger Kickers und feierten ihren dritten Heimsieg am Stück. Martin Kobylanski gelang mit ganz viel Gefühl das Tor des Tages.

Montag, 22.10.2018, 08:48 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 19:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 22.10.2018, 08:48 Uhr
Dem Himmel entgegen: Martin Kobylanski (r.) und Rufat Dadashov feiern das 1:0. Später musste der Torschütze natürlich noch auf den Zaun zu den Fans.
Dem Himmel entgegen: Martin Kobylanski (r.) und Rufat Dadashov feiern das 1:0. Später musste der Torschütze natürlich noch auf den Zaun zu den Fans. Foto: Jürgen Peperhowe

Selbst ein so formstarker Gegner wie die acht Mal ungeschlagenen Würzburger Kickers empfindet so viel Wertschätzung für Preußen Münster, dass er seine bewährte Taktik aufgibt. Mit einer Dreierkette versuchten die Mainfranken dem bisherigen Tabellendritten beizukommen. Formal gelang das, die Punkte aber blieben dennoch an der Hammer Straße.

Der SCP gewann mit 1:0 (0:0) und ist nun Zweiter. 13 Punkte aus fünf Partien, nur zwei Gegentore in dem Zeitraum, für das einstige Sorgenkind könnte es in dieser Saison hoch hinaus gehen. Mal wieder war Martin Kobylanski der Matchwinner. Sein Kunstschuss von der Seitenauslinie schlug tatsächlich im Knick ein (76.).

Erforderliche Nachjustierung

„Wir dachten eher, dass die Würzburg tiefer stehen, dazu haben sie noch ein paar Positionswechsel vorgenommen“, sagte Trainer Marco Antwerpen. „Daher hatten wir anfangs nicht so den Zugriff. Wir haben von außen versucht zu korrigieren, die Spieler haben das teilweise auch selbst übernommen. Und in der Pause haben wir noch mal richtig nachjustiert. Da sind unsere Pläne dann vermehrt aufgegangen.“

Einzelkritik: Preußen Münster vs. Würzburger Kickers

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  • Jannik Borgmann: Hatte vor der Pause einige Abspielfehler. Überzeugte indes durch sein Stellungsspiel und räumte vor Tormann Schulze Niehues so einiges aus dem Weg. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Ein Lichtblick, dieser „Eisen“ Menig. Schmiss sich in jeden Angriff, ohne Skrupel. Und trieb den Ball immer wieder nach vorne. Note: 2

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Bei Eckbällen neben Martin Kobylanski immer wieder gefragt. Versprühte vor der Kette wenig Elan und Ideenreichtum. Sah zu allem Überfluss seine fünfte Gelbe Karte und ist in Meppen gesperrt. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers: Behielt auch in gefährlichen Situationen den Kopf oben. Seine weiten Einwürfe sind immer wieder eine Augenweide. In der Kette ein unverzichtbares Element. Note 2,5

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  • Martin Kobylanski: Dieser Junge hat was drauf. 80 Minuten relativ unauffällig und ohne den ganz großen Drang zum Tor unterwegs, gelingt ihm nach einer Ecke aus spitzem Winkel ein echter Geniestreich. Ein typisches Kobylanski-Tor. Note: 2,5

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  • Max Schulze Niehues: Ruhender Pol, wirkte souverän, klärte nach 20 Minuten mit einem blitzartigen Reflex gegen Simon Skarlatidis. Hielt das, was zu halten war. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich: Überraschend für Niklas Heidemann auf der linken Außenbahn im Team. Hatte speziell vor der Pause gute Szenen im Zusammenspiel mit Tobias Rühle. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Spielte nicht unbedingt zimperlich, aber so, dass er die drohende Gelbsperre umschiffte. Mit Übersicht. Segelte nach 25 Minuten nach einem Eckball am Leder vorbei. Hielt den defensiven Laden mit Schweers und Borgmann zusammen. Note: 3

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  • Philipp Hoffmann: Einsatzgeld verdient. Mehr war nicht drin nach seiner Einwechslung in Minute 90 für Dadashov.

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  • Philipp Müller: Kam nach 70 Minuten für Tobias Rühle. Versuchte Akzente zu setzen. Blieb eher unauffällig. Keine Note

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  • René Klingenburg: Stand mehr neben sich und hatte zu wenige gute Aktionen nach vorne. Nach hinten machte er aber die Meter. Im offensiven Mittelfeld besser platziert als im Sturmzentrum wie in Rödinghausen. Note: 4,5

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  • Rufat Dadashov: Wirkte erschöpft, müde nach seiner Länderspielreise. Das auffälligste waren seine roten Treter. Bekam dennoch bei seiner Einwechslung donnernden Applaus von den Rängen. Note: 4,5

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  • Simon Scherder: Der Kapitän ersetzte nach 80 Minuten Martin Kobylanski. Riegelte hinten nochmals alles ab. Keine Note 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Immer anspielbar, kam viel über die linke Seite und überzeugte durch sein Kämpferherz. Ab und an übertrieb er es mit seinen Dribblings. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe

Rasen-Schach par excellence. Taktische Überlegungen prägten diese Partie, das war schon im Vorfeld zu erwarten, da beide Coaches mit Hochachtung vom Kontrahenten sprachen. „In der zweiten Hälfte haben wir ein anderes Gesicht gezeigt. Die Kickers haben da vielleicht das Tempo der Anfangsphase zu spüren bekommen. Sie haben ja ein blitzsauberes Auswärtsspiel gemacht, nur vergessen das Tor zu machen“, so Antwerpen.

Heinrich für Heidemann

Zwei Änderungen nahm SCP-Trainer Marco Antwerpen in seiner Startelf im Vergleich zum letzten Ligaspiel in Unterhaching vor. Für Lucas Cueto, den es sogar direkt auf die Tribüne verschlug, begann der wieder komplett genesene Tobias Rühle. Außerdem spielte auf der linken Außenbahn überraschend Moritz Heinrich für Niklas Heidemann.

Taktische Gründe waren für diesen Wechsel ausschlaggebend. „Er spielt zu Hause nicht immer auf dem Niveau wie zu Hause“, sagte der Coach über den sonst konstanten Blondschopf, der dennoch gute Chancen hat, nächste Woche wieder aufzulaufen.

...

Dominic Baumann (8.) und Peter Kurzweg (12.) zielten knapp vorbei, Simon Skarlatidis schoss bei seinem Hundertprozenter den wachen SCP-Keeper Max Schulze Niehues an (19.). „Er hat uns im Spiel gehalten“, befand Münsters Coach. Die Nummer eins selber blieb bescheiden: „Es gab ein, zwei Szenen, in denen ich halt da bin. Den Rest haben die Jungs wegverteidigt.“

Mitte des ersten Durchgangs kamen die Gastgeber besser auf, auch wenn das Nachrückverhalten zu wünschen übrig ließ. Über Rühle (35., 40., 41.) sowie René Klingenburg (36.) gab es immerhin die ersten Abschlüsse.

SC Preußen Münster - Würzburger Kickers

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  • SC Preußen Münster - Würzburger Kickers Foto: Jürgen Peperhowe
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Geniestreich führt zum Erfolg

Die zweite Halbzeit kontrollierten die Preußen, ohne richtig zwingend zu werden. Kevin Rodrigues Pires und Fabian Menig tauchten gefährlich im Sechzehner auf (56.), ansonsten fehlten aber Präzision und Durchsetzungsvermögen.

Bis Kobylanski zum Geniestreich ansetzte. Seine Ecke faustete ihm Kickers-Keeper Leon Bätge zurück vor die Füße, Versuch Nummer zwei aus etwas besserem Winkel senkte sich dann in selbigen. Das bis dato gerade gespenstisch leise Rund explodierte in diesem Moment förmlich.

Kobylanski wollte es genau so

Viele hatten es geahnt, Bestätigung lieferte der Held des Nachmittags dann selbst. Ja, das goldene Tor war genau so gewollt. „Entweder er geht 50 Meter drüber oder rein“, sagte Martin Kobylanski. „Ich hatte in den letzten beiden Heimspielen ja schon ähnliche Situationen.“ Gegen Cottbus verlängerte Jannik Borgmann den Ball ins Netz, gegen Wiesbaden unterlief Sebastian Mrowca ein Eigentor. „Ich dachte, 1:0 ist ein schönes Ergebnis, den mache ich mal so“, lächelte der 24-Jährige.

„Ein 0:0 wäre auch okay gewesen, aber oft entscheiden ja Standards oder Einzelaktionen solche Spiele.“ Oder eben beides. „Ein Quäntchen Glück gehört auch dazu“, so Kobylanski, der gerade in seiner Rolle als Kapitän zuletzt auch einen „großen Schritt gemacht hat“, wie Trainer Marco Antwerpen befand. „Genau das wollten wir ja. Simon Scherder ist der diplomatische Typ, Koby ist kritischer. Und er nimmt die Dinge auf dem Platz gut wahr.“ Eine beachtliche Entwicklung.

...

Eingetütet war der Sieg damit aber noch nicht. Die Gäste warfen noch mal alles nach vorn. „Lange Bälle, viel Risiko, da kann es auch mal passieren, dass man Chancen zulässt“, sagte Antwerpen hinterher milde gestimmt.

Skarlatidis und Janik Bachmann ließen vielversprechende Szenen verstreichen (80.), dann war Schulze Niehues gegen Skarlatidis auf dem Posten (85.). Und schließlich senkte sich ein Bachmann-Kopfball auf den Querbalken (89.). Anschließend war Feierabend.

Drei Fragen an Tobias Rühle

Viele Wege machte Tobias Rühle in der Doppelspitze neben Rufat Dadashov, unzählige Zweikämpfe führte der 27-Jährige. Und er nagelte auch mal aus der Distanz drauf. Nur ein Treffer blieb ihm erneut verwehrt. Im Vordergrund aber steht immer der Teamgedanke.

Machen Kampfsiege wie dieser im Sport sogar mehr Spaß als eine klare Angelegenheit?

Rühle: Na klar. Wenn man es unparteiisch sieht, wäre ein Unentschieden schon verdient gewesen. Wir waren der glückliche Sieger.

Warum lief es zu Beginn noch nicht nach Plan?

Rühle: Wir waren etwas pomadig und träge. Max Schulze Niehues hat uns im Spiel gehalten. So einen guten Torwart braucht man halt. Der Anfang der Partie erinnerte etwas an das erste Heimspiel dieser Saison gegen Jena. Nach 25 Minuten wurde es aber viel besser. Und in der zweiten Hälfte war es dann ein offener Schlagabtausch.

War es für Sie als Stürmer besonders schwierig gegen die extra formierte Kickers-Dreierkette?

Rühle: Ja, aber das ist nun mal so. Wir sind gut gerannt da vorne und teilweise durchgelaufen.

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Kobylanski durfte auf den Zaun, seine Kollegen feierten ausgelassen mit. Nach zwölf Partien stehen die Preußen auf einem Aufstiegsrang, sie haben ihre jüngsten drei Heimspiele gewonnen und sich fast schon den Stil einer Spitzenmannschaft angeeignet.

Selbst das Westfalenpokal-Aus in Rödinghausen hat keine Spuren hinterlassen. Moritz Heinrich brachte es auf den Punkt: „Wir strotzen vor Selbstvertrauen.“

7116 Zuschauer

Nur 6500 Besucher hatte Preußen-Coach Marco Antwerpen befürchtet. Am Ende kamen immerhin 7116, das war okay. Gerade für einen Sonntagnachmittag, der grundsätzlich ein schwieriger Termin für den SCP ist. Denn quasi sämtliche Amateurkicker aus der Stadt und dem großen Umland fallen als potenzielle Stadiongäste schon mal aus.

In der Zuschauertabelle ist Münster erstmals seit der Drittliga-Zugehörigkeit aktuell zweistellig unterwegs und nur Zehnter, der Schnitt liegt bei 7338.

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