Fußball: 3. Liga
Preußen gelingt gegen Unterhaching die notwendige Kurskorrektur

Münster -

Die Sorgen der englischen Woche sind fürs Erste abgehakt. Eindrucksvoll schlug Preußen Münster am Samstag die SpVgg Unterhaching. Trainer Marco Antwerpen und Schlüsselspieler René Klingenburg sagten hinterher, dass sie nie über Abstiegskampf nachgedacht hatten.

Sonntag, 24.03.2019, 14:20 Uhr aktualisiert: 24.03.2019, 15:42 Uhr
Die große Erleichterung ist in den Preußen-Gesichtern nach dem Tor von René Klingenburg (M.) abzulesen. Beeindruckendster Preuße war aber Niklas Heidemann (kl. Bild über Sascha Bigalke). Er spielte trotz riesiger Beule durch.
Die große Erleichterung ist in den Preußen-Gesichtern nach dem Tor von René Klingenburg (M.) abzulesen. Beeindruckendster Preuße war aber Niklas Heidemann (kl. Bild über Sascha Bigalke). Er spielte trotz riesiger Beule durch. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach sieben Minuten erlebte der SC Preußen ein ungewohntes Gefühl, etwas, was Trainer Marco Antwerpen in den letzten Wochen und Monaten fast immer vermisst hatte. Torjubel. Ecke von Kevin Rodrigues Pires, Schussversuch von Fabian Menig, René Klingenburg verwertete die unverhoffte Möglichkeit zum 1:0. Münster, zuletzt mit drei Niederlagen in der englischen Woche gepeinigt, führte. Und brachte das extrem wichtige Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching mit 3:0 (1:0) vor 5737 Zuschauern über die Ziellinie. Eine dringend notwendige Kurskorrektur.

„Ballast? Nein, habe ich nicht verspürt. In schwierigen Situationen muss man zusammenhalten“, befand Antwerpen. Es sei ein gutes Spiel gewesen, mit der sich am Horizont abzeichnenden Abstiegsgefahr habe er sich nicht beschäftigt. Er verwies auf die Vorsaison, als diese Mannschaft die geforderte Trendwende schnell schaffte, und darauf, dass das auch aktuell nicht anders laufen würde. Selbstvertrauen beim 47-Jährigen. Und Klingenburg stieß ins gleiche Horn: „Ich habe nicht einmal nach unten geschaut.“

Drei Fragen an Ole Kittner

Einmal mehr strahlte der Abwehrchef eine große Gelassenheit aus. Und hinterher bezog Ole Kittner klar Stellung.War das ein Sieg der Entschlossenheit und des großen Willens?Kittner: Ja, das hat man im Angriff und in der Abwehr gemerkt. Wir haben es ein bisschen erzwungen. Eine Woche haben wir auf die Fresse gekriegt, und das auch zu Recht. Aber am Charakter lagen die drei Niederlagen ja nicht, und das haben wir diesmal auch gezeigt.Nach Ihrem Kopfball-Tor vor drei Wochen gegen Aalen hat Ihr Nebenmann Simon Scherder getroffen. Haben Sie sich darüber abgesprochen?Kittner: Nein, aber er hat nachgelegt. Das hat mich gefreut für ihn. Wichtiger aber ist, dass wir hinten wenig zugelassen haben.In der ersten Hälfte gab es mehrfach Pfiffe, wenn Abstöße kurz ausgeführt wurden und der Ball hintenherum lief. Wie haben Sie das erlebt?Kittner: Das kann ich nicht verstehen. Wir führen 1:0, haben einen Matchplan, eine klare Strategie zum Spielaufbau. Da kann es nicht sein, dass gepfiffen wird. Das haben wir nicht verdient.

...

Die meisten anderen schon. Der Trend des SCP war seit Anfang Dezember kein guter, die Kurve zeigte nach unten, nur ab und an gebremst durch die Siege über Aalen (4:0) und Kaiserslautern (2:0). Zwei Siege in 13 Partien, Antwerpens Vertrauen in die Stärken seiner Mannschaft und die eigene Arbeit ist beeindruckend. So, wie die Adler am Samstag agierten, konnte man dem Coach auch folgen.

 

SC Preußen Münster – SpVgg Unterhaching

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  • Unterhachings Orestis Kiomourtzoglou ist vor Kevin Rodrigues Pires am Ball.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • René Klingenburg wirft sich ins Duell ...

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  • ... und wird schon früh als Schütze des SCP-Führungstors gefeiert.

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  • Klingenburg freut sich ...

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  • ... und freut sich ...

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  • ... und kriegt sich kaum noch ...

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  • ... ein vor Freude.

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  • Auch den Trainer freut das Tor.

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  • Cyrill Akono im Duell mit Christoph Greger.

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  • Ole Kittner mit Köpfchen ...

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  • ... und im Zweikampf mit Maximilian Krauß.

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  • Lion Schweers bei Trainer Marco Antwerpen.

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  • Braun kämpft mit Orestis Kiomourtzoglou um das Leder.

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  • Tobias Rühle bekommt es mit Markus Schwabl zu tun.

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  • Kopfballduell zwischen Sandrino Braun und Hyunseok Hong.

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  • Freude über Simon Scherders Torerfolg.

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  • Weniger zufrieden: Gästecoach Claus Schromm.

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  • Das Tor von ...

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  • ... Simon Scherder ...

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  • ... sorgt für großen Jubel ...

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  • ... unter den Preußen-Spielern.

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  • Coach Antwerpen dankt Ole Kittner und Philipp Hoffmann.

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  • Tobias Rühle behauptet gegen Christoph Greger den Ball.

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  • Allein auf der Bank: SCP-Sportchef Malte Metzelder.

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  • Stürmer Tobias Rühle ...

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  • ... gegen Max Dombrowka.

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  • Zufriedene Gesichter bei den Torschützen Hoffmann und Scherder.

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  • Anti-Rassismus-Statement vor dem Anpfiff.

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  • Torschütze Hoffmann und Sportchef Metzelder.

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Hoffmann beendet Flaute

Selbst intensivste Suche nach jemandem im Stadion, der Philipp Hoffmann sein Tor nicht gegönnt hätte, wäre wohl erfolglos geblieben. Im 25. Saison-Einsatz gelang dem 26-Jährigen der erste Treffer. Letztmals gejubelt hatte er im Mai 2018 beim Saisonfinale in Großaspach (2:2). „Ich hatte in letzter Zeit ja schon öfter die Chance, habe aber teilweise fahrlässig vergeben“, so der Offensivspieler selbstkritisch. „Diesmal hatte ich nicht die Zeit zu überlegen. Wenn man von der Mittellinie aufs Tor zuläuft, gehen einem ja 1000 Gedanken durch den Kopf.“ Sein Solo, als kein Kollege mitlief, war überaus sehenswert. „Es war wichtig, weil die Mannschaften unten ja auch in den letzten Wochen gewonnen haben. Aber das große Rechnen bringt nichts“, sagte Hoffmann. „Unterhaching hat eine gute Truppe. Umso glücklicher sind wir.“ Am glücklichsten war der Schütze des 2:0 selbst.

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Sieben Spiele in 25 Tagen

„Sieben Spiele in 25 Tagen, für uns kommt alles knüppeldick. Das schaut alles noch ganz gut aus, aber wenn es um das Kerngeschäft wie Torschießen oder das Verhindern der Tore geht, fällen wir viele falsche Entscheidungen“, sagte Gäste-Trainer Claus Schromm. Antwerpen nahm diesen Faden auf: „Wir wussten, dass Haching durch die vielen englischen Wochen brutal gefordert war. Fußballerisch waren wir richtig gut, dazu haben wir top verteidigt.“ Zudem waren die Gäste mal wieder eine Mannschaft, die nicht mit rustikalen, defensiven Mitteln versuchte, dem SCP den Schneid abzukaufen, sondern spielerisch.

Erneuter Systemwechsel

Mit der Rückkehr zweier Stammspieler und einem neuen System gingen am Samstag vier Wechsel einher. Wirklich überraschend kam das nicht, nominell war die Ausrichtung defensiver. René Klingenburg begann nach überstandenem Infekt im 3-4-1-2 als Zehner, Kevin Rodrigues Pires nach abgesessener Sperre eine Reihe dahinter. Außerdem neu im Team waren Tobias Rühle und Cyrill Akono, die die Doppelspitze bildeten. Weichen mussten alle vier Offensiven der Vorwoche. Rufat Dadashov (gesperrt und Länderspielreise) und Lucas Cueto (verletzt) standen nicht zur Verfügung, für Philipp Hoffmann und auch Martin Kobylanski, der nicht froh über die Reservistenrolle war, blieb nur die Bank. Simon Scherder rückte von der Sechs zurück in die Dreierkette. Nächste Woche gibt es den nächsten Tausch. Niklas Heidemann sah seine fünfte Gelbe Karte.

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Extrem taktisches Spiel

Nach dem Führungstreffer entwickelte sich ein extrem taktisches Spiel. Der Gast hatte nur eine Chance durch Sascha Bigalke, doch Keeper Max Schulze Niehues rettete (29.). „Unser Plan war wie immer, hinten rauszuspielen“, sagte Antwerpen. Die Preußen wollten das Spielgerät mit Kurzpässen nach vorne bringen, sich keine Ballverluste erlauben, den Gästen nicht unnötig mit hohen Flanken in die Karten spielen. Dafür gab es tatsächlich Pfiffe von den Rängen. Antwerpen ließ das nicht gelten: „Die Mannschaft hat meine Vorgabe umgesetzt. Wir haben 1:0 geführt – ich kann die Pfiffe nicht verstehen.“

Die Adlerträger davon unbeeindruckt, nach der Pause überzeugte Münster vielmehr auf ganzer Linie. Nur einmal musste Lion Schweers vor Orestis Kiomourtzoglou retten (57.). So stark hatte man die Mannschaft in diesem Jahr selten gesehen. Das einzige, was fehlte, nachdem der unverwüstliche Niklas Heidemann (52., 55.) sowie Klingenburg, Sandrino Braun und Philipp Müller (64.) im Dreierpack vergeben hatten, waren Tore. Philipp Hoffmann per Solo nach Heidemanns Ballgewinn (82.) und Simon Scherder mit eleganter Technik (88.) sorgten für die späte Entscheidung, für Jubel. Da wollte dann keiner mehr pfeifen. Warum auch?

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