Fußball: 3. Liga
Kein Platz für Euphorie beim SC Preußen Münster nach dem Sieg gegen CZ Jena

Münster -

Das liest sich doch gut: Vier Zähler stehen bei den Preußen nach zwei Spieltagen auf der Habenseite. Dem 2:0 gegen Carl Zeiss Jena wohnten immerhin 6009 Besucher bei.

Sonntag, 28.07.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 14:08 Uhr
Happy Hour: Erst jubelten die Preußen nach dem 1:0 durch Julian Schauerte (2.v.r.), dann erzielte Lucas Cueto noch das 2:0.
Happy Hour: Erst jubelten die Preußen nach dem 1:0 durch Julian Schauerte (2.v.r.), dann erzielte Lucas Cueto noch das 2:0. Foto: Sebastian Sanders

Fußball zum Saisonstart hat ja oft den Charakter einer Wundertüte. Was man auch immer herauszieht, ist meist eine Überraschung. Der SC Preußen , der nun wirklich generalüberholt ist und viele, viele Fragezeichen mit sich herumträgt, weiß auf den ersten und zweiten Blick zu gefallen. Eine Woche nach dem respektablen Punktgewinn beim TSV 1860 München (1:1) folgte nun der 2:0 (0:0)-Heimerfolg über Carl Zeiss Jena . Das lässt sich doch gut an für alle die, die in diese Wundertüte reingegriffen haben. Durchatmen nach einem schönen Einstieg in die Meisterschaftsrunde, weil vor 6009 Zuschauern Julian Schauerte (48.) und Lucas Cueto (90.) mit ihren Treffern den Heimerfolg manifestierten.

„Das war ein wildes Spiel am Anfang“, meinte Jenas Coach Lukas Kwasniok später. Um dann respektvoll anzuerkennen: „Diese Niederlage müssen wir akzeptieren. Es wird ein langer Weg für uns.“ Soll heißen, dass sich Jena schon mal auf Abstiegskampf wie in der Vorsaison einstellt. Beim SCP ist man dagegen schon etwas weiter, weiter entfernt vom grauen Keller, genauer gesagt vier Punkte weiter. „Ja, das war wirklich wild. Zur Halbzeit hätte es auch 3:3 stehen können“, bilanzierte Sven Hübscher. Die Aufgabenstellung war im ersten Heimspiel eine andere als zum Auftakt bei den „Löwen“, denn, so der SCP-Coach: „Gegen München wollten wir viel Kontrolle haben. Gegen Jena wollten wir auch die Zuschauer auf unsere Seite holen.“

Was zumindest bei der überragenden Mehrheit unter den 6009 Besuchern auch tatsächlich gelang. Münster spielte taktisch variabel, überstand die Anfangsphase mit etwas Glück ohne Gegentore und legte trotz der großen Hitze nach der Pause noch einmal richtig nach, Dampf hatten die Adlerträger. Wer auch immer René Klingenburg (Dynamo Dresden), Martin Kobylanski (Eintracht Braunschweig) oder Cyrill Akono (FSV Mainz 05) vermisste, hatte nach dieser Partie etwas weniger Entzugserscheinungen.

Die Neuen? Julian Schauerte, der neue Kapitän, unterstrich seine Ansprüche als Leader mit seiner Zweikampfführung und Körpersprache, war zudem an beiden Treffern beteiligt. Das Ex-Nordlicht Fridolin Wagner scheint das Zeug zum Leitwolf in der Mittelfeldzentrale, zum verlängerten Arm von Hübscher zu haben. Seref Özcan erinnerte an den einstigen Mittelfeld-Rastelli Mehmet Kara in Spiellaune, trieb mit seinen Dribblings und Haken die Jenaer zur Weißglut. Und auch das sei erwähnt, dass Preußen-Urgestein Simon Scherder mal so richtig in der Abwehr alles abräumte.

Während die Spieler feierten, riet die sportliche Leitung mit Malte Metzelder und Übungsleiter Sven Hübscher zur Besonnenheit. Analytisch-kühl brachten sie die Partie auf den Punkt, in den stickigen und überhitzten Katakomben fielen die tropischen Temperaturen gefühlt gleich mal um zehn Grad, wie Trockeneis kamen die Antworten rüber.

„Ja, wir sind zufrieden. Das erleichtert uns die Arbeit“, erklärte Sportchef Metzelder stoisch. Hinter ihm huschte der Praktikant in die Kabine. Metzelders Bruder Christoph, der Vize-Weltmeister von 2002, absolviert eine Hospitanz im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußballlehrer. Ob augenblicklich die Chefrollen im Hause Metzelder eindeutig geklärt seien? Ja, tatsächlich, da grinste Malte Metzelder einmal. Aber Euphorie? Keine Spur.

„Vier Punkte sind ganz gut, ich bin zufrieden. Erleichtert sind wir nicht, weil das gleich zum Spannungsabfall führen könnte“, erklärte Hübscher mit einem geschätzten Ruhepuls von unter 50 Herzschlägen.

Ja, ein bisschen feiern dürften sein Jungs, Sonntag folgte Regeneration, ab Montag liegt der Fokus ganz auf der Partie beim MSV Duisburg am Mittwoch (19 Uhr). Hübscher: „Da wollen wir was mitnehmen.“ Dass er glücklich sei, musste ihm fast schon in den Mund gelegt werden. Hübscher vermittelt den Eindruck, dass noch eine Menge Arbeit vor dem neuen SC Preußen steht. Zum Abheben besteht kein einziger Grund. Ein guter Ansatz zu Beginn einer langen Spielzeit.

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