Fußball: 3. Liga
Nikolaustag: 126.500 Euro für Preußen Münster garantiert

Münster -

Frisches Geld für den SC Preußen Münster: Die Aktion „Aufholjagd“ zeigt Erfolg. Unterstützer des Drittligisten um das Präsidiumsmitglied Siggi Höing sammelten in kürzester Zeit 126 500 Euro für potenzielle Winterzugänge – Tendenz steigend.

Freitag, 06.12.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 10:15 Uhr
Aufbruchstimmung am Nikolaustag: Die SCP-Spitzenvertreter (v.l.) Siggi Höing, Bernd Niewöhner, Christoph Strässer und Frank Westermann..
Aufbruchstimmung am Nikolaustag: Die SCP-Spitzenvertreter (v.l.) Siggi Höing, Bernd Niewöhner, Christoph Strässer und Frank Westermann.. Foto: Cengiz Sentuerk

Also nahm Siggi Höing die virtuelle Spendendose in die Hand. Und siehe da, plötzlich verfügt der SC Preußen Münster über eine schöne Finanzspritze für Wintertransfers, wovon der Club vor ein paar Wochen und Monaten nur geträumt hat. Zwischenstand: 126 500 Euro. Diesen Betrag hat das Präsidiumsmitglied des Fußball-Drittligisten mit seinen Mitstreitern eingesammelt, diese Zusagen stehen, im WhatsApp-Kanal von Höing bimmelte es in den vergangenen Tagen unaufhörlich. Die „Aufholjagd“, wie das ambitionierte Projekt getauft wurde, hatte innerhalb kürzester Zeit regen Zuspruch erhalten. Der 12. Mann ist wieder da.

Vor ein paar Wochen, im Angesicht der sportlichen Krise, hatte Höing mit früheren Sponsoren und Unterstützern erstmals gesprochen. So ging es nicht weiter, eine Initiative wurde aus dem Stand zum Leben erweckt. „Seit acht Tagen läuft die Aktion richtig, ich bin überwältigt von der Resonanz“, sagte er, der seit 14 Jahren an vorderster Front bei den Preußen mitmischt. Und, wie ein Sahnehäubchen, setzte er oben drauf: „Jeder der letzten vier Präsidenten ist mit dabei.“ Die Summe ist nur ein Zwischenergebnis, aber auch ein Signal für weitere Interessierte. Was am Ende dabei rauskommt, soll nicht kundgetan werden, um zum Beispiel gar nicht erst den Eindruck bei Spielvermittlern zu erwecken, dass der SCP in Geld schwimmt.

Finanzielle Optionen für Winterzugänge

„Am Dienstag habe ich noch gedacht, das wird für einen halben Spieler reichen. Jetzt ist es schon eindreiviertel Spieler“, scherzte SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner. Der SCP muss sich in der Winterpause sportlich neu sortieren, das Geld hilft, schafft Spielraum und wird ausschließlich für Winterzugänge ausgegeben.

Freitag, der Nikolaustag, war dann schon ein besonderer Tag. Es gab mal nicht, wie in den vergangenen Wochen und Monaten die Regel, was mit der Rute, sondern ein finanzielles Geschenk. Noch ein paar andere bemerkenswerte Dinge passierten. Arne Barez, zum Beispiel, hielt seine erste Konferenz als Cheftrainer der Preußen.

Keine halbe Stunde später versammelten sich die Spitzenfunktionäre des Vereins, um Kurskorrekturen vorzustellen. Draußen pfiff der Winter ums Stadion, drinnen wurde die Zukunft mit etwas leichtem Rückenwind dann angeschoben.

  • Aktienkauf:
  • Wenn die Stadion-Entscheidung am 11. Dezember im Rat der Stadt Münster positiv weitergeführt wird, dann soll auch der Verkauf von Aktien der KGaA des SCP angeschoben werden. Natürlich geht die Spielvereinigung Unterhaching als gutes Beispiel voran. Der Club ging in diesem Jahr aufs Börsen-Parkett, erlöste an den ersten Handelstagen 6,7 Millionen Euro. Die Aktie wurde für einen Festpreis von 8,10 Euro ausgegeben und steht aktuell bei 9,45 Euro. Die GBC-Gruppe, ein Kapitalmarktberater, half dem Club. Einen ähnlichen Weg würde der SCP einschlagen wollen, mit Hilfe eines professionellen Partners Aktien zu veräußern. Die Mindesteinlage dürfte bei 50 000 Euro liegen. Der Kauf wäre für Einzelpersonen, Unternehmen, aber auch Poolbildungen denkbar. Aufgrund der rechtlichen Struktur besteht beim SCP keine Gefahr, dass sich sogenannte Heuschrecken beim Kauf bedienen könnten.
  • Ziel beim Aktienverkauf:
  • Bislang diente der Anteileverkauf vornehmlich der Eigenkapitalbildung und sicherte die Lizenzierung ab, rund 5,7 Millionen Euro sind in die KGaA eingeflossen. Das soll sich in Zukunft ändern. Der Verein soll auf Dauer mehr Kapital für den sportlichen Bereich erwirtschaften. Der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Westermann erklärte, dass „zwei Jahre verbraucht“ worden seien, weil man auf einen Stadionneubau mit einem Anker-Investor gesetzt habe. Ein positiver Ausgang der Ratssitzung wäre hilfreich für das Aktienprojekt, das konkret auf der Mitgliederversammlung am 12. Januar vorgestellt werden soll. Alles greift ineinander.
  • „Gemeinsam unten raus“:
  • Das Motto steht, der Schulterschluss mit den Fans auch im Block O offenbar auch. Ein Fanschal für 19,06 Euro, in Anlehnung an das Gründungsjahr 1906, wird genauso ins Weihnachtsgeschäft der Preußen geworfen wie die Tasse mit der „12“. Der Erlös soll dem Verein ebenfalls helfen.
Kommentar

Der SC Preußen in der Krise: Zusammengerauft

Ein Fußballclub lebt mehr als jede andere Vereinsform von Emotionen. Erst recht, wenn so viel Tradition drin steckt wie bei den Preußen. Fleißige Arbeit im Hinterzimmer ist wichtig, ersetzt aber nicht allein die Mitnahme der Öffentlichkeit.

In Münster geschieht gerade Erstaunliches. In der schwersten tabellarischen Krise seit zwei Jahrzehnten raufen sich die Fans zusammen, propagieren Zusammenhalt, finden sich Sponsoren mit einem Herz für den SCP und sammeln Euros, um irgendwie noch den Absturz zu vermeiden. Und es wagen sich die Bosse an die Öffentlichkeit mit einem so nicht gekannten Appell zur Unterstützung und einer Kampagne zur Generierung neuer Gelder.

Ob die Initialzündungen noch rechtzeitig kommen, lässt sich erst im Mai beantworten. Abstieg oder Klassenerhalt – davon hängt eine Menge ab.
Bis dahin müssen alle Seiten, natürlich inklusive der Spieler, den vorgegeben Schulterschluss auch definitiv leben. Noch ist nichts erreicht, ein Scheitern weiter wahrscheinlicher als die Rettung. Doch schon mancher kam aus Krisen gestärkt hervor. Sportlich wie wirtschaftlich.

von Thomas Rellmann

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