Fußball: 3. Liga
Preußen setzen wie viele Konkurrenten auf Kurzarbeit

Münster -

Die Preußen haben für ihre komplette Mannschaft, den Trainerstab und auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle Kurzarbeit beantragt. Ein logischer Schritt, der intern viel Zustimmung erfährt. Aber auch andere Drittligisten haben dieses Mittel gewählt.

Montag, 23.03.2020, 19:02 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 16:04 Uhr
Fußball mit den Preußen, wie hier zwischen Kölns Marcel Gottschling (Mitte) und dem Münsteraner Alexander Rossipal, wird wohl noch auf sich warten lassen.
Fußball mit den Preußen, wie hier zwischen Kölns Marcel Gottschling (Mitte) und dem Münsteraner Alexander Rossipal, wird wohl noch auf sich warten lassen. Foto: Jürgen Peperhowe

Auch Preußen Münster macht Nägel mit Köpfen. Der Traditionsverein hat Kurzarbeit angemeldet. Rund 50 Angestellte werden davon betroffen sein. Ein Dutzend Geschäftsstellenmitarbeiter, dazu das über 30-köpfige Drittliga-Team (Spieler und Trainer), natürlich auch die Geschäftsführung um Sportchef Malte Metzelder hat eingewilligt. Der 1906 gegründete Club sprach vom „gemeinsamen Schulterschluss“.

Der SCP kämpft wie praktisch alle anderen Klassenkonkurrenten in der auf Eis gelegten Saison ums Bestehen, ums Überleben. Eigentlich hätte der Club im Abstiegskampf noch fünf Heimspiele austragen können, die Einnahmen fehlen jetzt. Und wie bei allen anderen Profivereinen ist jetzt auch noch nicht absehbar, wie die Sponsoren aus der Corona-Krise herauskommen, ob und wie sie ihren Club unterstützen, wann wieder gespielt werden kann, wie Dauerkarten-Besitzer auf die Ausfälle reagieren. Fragen über Fragen.

Bei den Preußen waren alle Angestellten am vergangenen Dienstag über die Kurzarbeitspläne unterrichtet worden, später wurden noch mit dem Mannschaftsrat und der Geschäftsleitung weitere Dinge besprochen, am Sonntag schließlich wurden beim Arbeitsamt dann die Anträge eingereicht.

Der DFB hatte in einer Statistik unlängst mitgeteilt, dass in der 3. Liga rund 3700 Menschen in Lohn und Arbeit stehen, rund 1000 davon in hauptamtlicher Form. Etwa die Hälfte aller Drittligisten hat das Thema Kurzarbeit bereits in Angriff genommen oder wird es in Kürze tun. Das steht fest.

Kommentar: Ein starkes Signal

Die Kurzarbeit allein wird die Preußen nicht retten in dieser wirtschaftlich so schwer einzuordnenden Zeit. Dennoch ist das Instrument hilfreich, so vielschichtig die einzelnen Modelle auch sein mögen. Die Zustimmung der gesamten Belegschaft inklusive Profisparte ist zwar keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, die gerade zuletzt als egoistisch verschrien war, alles andere hätte jedoch auch befremdlich gewirkt. Ein starkes Signal bleibt der Verzicht, er zeigt einmal mehr den Zusammenhalt, für den Club und Mannschaft stehend und standen. Präsident Christoph Strässer hatte betont: Der SCP kann diese Krisenlage meistern. Zumindest dann, wann alle an einem Strang ziehen. Thomas Rellmann

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Einige Vereine gehen in der Krisenbewältigung aber auch ungewohnte Wege. So forderte beispielsweise Hansa Rostock seine Anhänger auf, doch bitteschön den Fanshop leer zu kaufen – was beeindruckend gelang, weil über 6 000 der 12 000 Artikel auf Lager am Wochenende bestellt wurden. Hansa forderte aber seine Fans auch auf, Blut zu spenden sowie die Dauerkarten zu behalten.

Beim Chemnitzer FC wurde auch Kurzarbeit beantragt und damit auf den Liga-Stopp bis zum 30. April reagiert. Der bislang beurlaubte Trainer David Bergner löste außergerichtlich sein Vertragsverhältnis mit dem CFC zum 31. März auf, was den Verantwortlichen wenigstens eine Sorgenfalte aus dem Gesicht wischte. Immerhin. Beim SCP dürfte das Arbeitspapier mit dem beurlaubten Coach Sven Hübscher dagegen weiter bestehen, jedenfalls ist bislang nichts Anderslautendes dazu bekannt. Der FSV Zwickau, Carl Zeiss Jena und der Hallesche FC melden ebenfalls Kurzarbeit an, um die Insolvenz zu vermeiden. Aus Magdeburg hieß es dagegen, dass der Verein einen bis zum Saisonende erwarteten Millionen-Verlust durch Zugriff auf das Eigenkapital von 3,3 Millionen Euro auffangen wolle.

Derweil fordert Jens Rauschenbach, Halles Präsident, dass zum einen die 3. Liga unter das Dach der finanzstarken DFL (1. und 2. Bundesliga) rücken solle, womit die DFB-Kontrolle nicht mehr greifen würde. Zudem fordert er die Annullierung der aktuellen Saison – in diesem Falle dürfte dem SC Preußen Bestandsschutz eingeräumt werden.

Aus der Regionalliga Südwest meldete sich zu diesem Thema der 1. FC Saarbrücken zu Wort und fordert bei Abbruch der Saison sein Aufstiegsrecht als Tabellenführer ein. Träte dieser Fall ein, dürfte die 3. Liga deutlich größer als bisher mit 20 Vereinen werden.

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