Fußball:3. Liga
Preußen Münsters geistreicher Start in die Geisterspielserie

Münster -

Ein begeisternder Start in die Geisterspielserie ändert nichts daran: Das ist nicht der Fußball, wie ihn sich Drittligist SC Preußen Münster vorstellt. Doch: Was muss, das muss. Und so nahm der SCP die gespenstische Aufholjagd mit viel Schwung in Angriff – und sicherte sich den ersten wichtigen Sieg.

Montag, 01.06.2020, 16:34 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 18:54 Uhr
Frühstarter: Kevin Rodrigues Pires trifft zum 1:0. Sebastian Mai wedelt mit den Armen, vier Preußen gegen sich, der Ex-Preuße traf ins eigene Tor. Luca Schnellbacher erzielte liegend das 3:0, später traf Maurice Litka zum 4:1.
Frühstarter: Kevin Rodrigues Pires trifft zum 1:0. Sebastian Mai wedelt mit den Armen, vier Preußen gegen sich, der Ex-Preuße traf ins eigene Tor. Luca Schnellbacher erzielte liegend das 3:0, später traf Maurice Litka zum 4:1. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Hochgefühl dieses Sieges ließ sich Sascha Hildmann nicht noch dazu verleiten, Geisterspielen Positives abzugewinnen. Gerade hatte sein SC Preußen Münster die 85-tägige Corona-Pause der 3. Liga mit einem durchaus fulminanten 4:2 (3:0)-Heimerfolg über den Halleschen FC beendet. Ob er nun ganz anders, freundlicher auf die Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit schauen würde? „Nein, Geisterspiele sind schon skurril. Man läuft hier rum, als wäre man in einer Mondstation“, erklärte der SCP-Coach nach seinem erst achten Punktspiel als Cheftrainer. Seine Bilanz ist vielversprechend, vier von acht Partien gewann er, nur zwei Begegnung wurden verloren. Da geht noch etwas, zumal ab jetzt bis zum Saisonende auch tagsüber Geisterstunde sein wird. Aber, so Hildmann: „Frieden kann ich mit Geisterspielen nicht schließen, die Zuschauer fehlen, ganz klar. Wir nehmen die Situation aber an und ziehen es durch.“

Existenzkampf pur

Münster gegen Halle – das war Existenzkampf pur. Der SCP hatte nach den Samstags-Spielen am Pfingstsonntag die Riesenchance, auf Schlagweite zum sicheren Ufer zu kommen. Mit einem Sieg. Alles andere hatte den Wundertüten-Charakter, inwieweit wettkampf-spezifische Verfassung bei jedem vorhanden sei, taktische Disziplin gehalten werden kann, Abläufe konserviert worden waren.

Kommentar: Ein erster Schritt

Jetzt sind es noch zehn Spieltage, 30 Punkte warten auf Abholung. Zehn Endspiele für Münster im Kampf um den Ligaerhalt. Nach der unendlichen Geschichte der Corona-Pause, dem hin und her über Saison-Fortsetzung oder Abbruch der Spielzeit, nach gerade einmal fünf Trainingseinheiten als Mannschaft, hat der SCP neue Hoffnungen geschürt. Und zwar auf den Verbleib in der 3. Liga. Erstes Endspiel? Gewonnen.Dieses auch erste Geisterspiel in der 92-jährigen Geschichte des Preußenstadions war aus Sicht der Gastgeber ein gutes. Sportlich waren die Adlerträger sofort voll da. Wozu braucht man eine Vorbereitung über fünf Wochen, wenn in fünf Tagen nach drei Monaten Pause alles für einen Sieg über einen Abstiegs-Mitkonkurrenten wie Halle zusammen gezimmert werden kann? An dieser Stelle, Vorsicht: Ironie. Aber Fakt ist, dass Sascha Hildmanns Durchhaltewille aufs Team übergesprungen ist.1,75 Punkte holte der „Feuerwehrmann“ mit dem in der Hinrunde vor sich hintaumelnden SCP. Hält er diese Quote, ist der Ligaverbleib möglich. Kapitel eins von insgesamt elf nach der Corona-Pause hatte ein Happy-End.Alexander Heflik

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Die Antwort lieferten die Hausherren in einer furiosen ersten halben Stunde. Tatsächlich stand die Hildmann’sche Verteidigung genauso sicher wie vor der Corona-Pause. In der Offensive erwischten die Angreifer einen „Sahnetag“, alles gelang, dieses Mal waren sie „Meister der Effektivität“. Das war eine durchdachte, eine wirklich geistreiche Vorstellung. Drei Chancen, drei Tore, Kevin Rodrigues Pires nach 3:20 Minuten, ein Eigentor des Ex-Preußen Sebastian Mai nach einem Schuss von Maurice Litka (11.) sowie Luca Schnellbacher (31.) stellten die Weichen eindeutig auf Sieg. „Das 3:0 zur Pause tat uns richtig gut“, sagte Litka später.

Litka boykottiert Halles Aufholjagd

Der frühere St.-Pauli-Profi beendete auch das große Aufbegehren der Gäste, als er in der 72. Minute das 4:1 erzielte. Halle kam einfach zu spät auf Touren, auch wenn Mai sein Team förmlich nach vorne peitschte. Mai langte zu, wo und wie er konnte, und setzte dabei auch auf das Wohlwollen von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Die war lange gnädig mit ihm. Und Mai lag auch sissi-haft auf dem wunderbar gepflegten Rasen im Preußenstadion, wann immer er einen Zweikampf gegen einen Preußen zu verlieren drohte. Hollywoodreif, aber auch ein echter Anführer. Nur für den HFC, der im Münsterland während der Rest-Saison Quartier bezogen hat, war das am Ende zu wenig, zu spät, um gegen hellwache Preußen bestehen zu können. Florian Hansch (1:3) und Marcel Hilßner (2:4) trafen allenfalls zu so etwas wie Ergebniskosmetik.

Ismail Atalan, in Halle ähnlich wie Sascha Hildmann in Münster als „Retter“ nach der Winterpause verpflichtet, nahm seine Mannschaft nach der Partie ins Gebet. Seine Spieler hätten sich wie Kinder verhalten, die von ihren Eltern auf die heiße Herdplatte hingewiesen worden seien. Der SCP mit seinem Umschaltspiel war dabei wohl die aufgeheizte Kochplatte, Halles Akteure, die mit dem infantilen Gedankengut, sie verbrannten sich an den Preußen.

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