Fußball: 3.Liga
Preußen Münster unter Dauerbelastung

Münster -

Nie war diese Herberger-Weisheit so richtig, wie in diesen Zeiten: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Sonntag gegen Halle, Mittwoch in München, Sonntag gegen Unterhaching. Kaum Zeit zum Atemholen für die Spieler des SC Preußen Münster. Aber alle Spieler haben signalisiert, dass sie bereit sind für den dritten 90-Minüter binnen sieben Tagen, zumindest in den Beinen ...

Freitag, 05.06.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 21:17 Uhr
Bei aller Rotation: An Abwehrchef Jan Löhmannsröben (2.v.r.) führt auch gegen Haching kein Weg vorbei.
Bei aller Rotation: An Abwehrchef Jan Löhmannsröben (2.v.r.) führt auch gegen Haching kein Weg vorbei. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Begleiterscheinungen des Re-Starts in der 3. Liga lassen Sascha Hildmann weiter heftig mit dem Kopf schütteln. Dass die Hygieneregeln für Fußballer strenger als für die Allgemeinheit ausfallen (Maskenpflicht trotz Mindestabstand) – geschenkt. Allerdings gibt dem Trainer von Preußen Münster zu denken, dass sich die Verletzungen bereits an den ersten beiden Spieltagen nach der Corona-Pause gehäuft haben. Und dass sein Ex-Club 1. FC Kaiserslautern, noch immer ein SCP-Konkurrent im Abstiegskampf, das Heimrecht vom bereits abgeschlagenen Schlusslicht Carl Zeiss Jena wegen der Thüringer Verordnung zugeschanzt bekommt, lässt ihn fassungslos zurück.

Reisestrapazen nicht ohne Folgen

„Wir fliegen zwischen zwei Heimspielen quer durch die Republik, der FCK hat mal eben vier Heimspiele am Stück. Wo bleibt da die Fairness?“, sagt der 48-Jährige. „Und die Kreuzband- und Muskelbündelrisse werden einfach billigend in Kauf genommen.“ Sein Team blieb immerhin bisher verschont, jedoch haben die 180 Minuten binnen vier Tagen inklusive Reisestrapazen Spuren hinterlassen. Daher war der Freitag in Abstimmung mit allen erst mal frei. Am Samstag geht es mit den Corona-Abstrichen weiter. „Wir waren 13 Tage zusammen, jetzt sollten wir auch mal was anderes als Fußball machen“, sagt Hildmann. „Das musste mal sein.“ Noch am Donnerstag fand im Münchner Hotel die Analyse der 2:3-Niederlage bei den Bayern-Talenten statt. Die ergab aber keine neuen Erkenntnisse. „Eine Ausnahmemannschaft mit riesiger Passqualität, die kaum Fehler macht. Aber auch wir hatten lange Ballbesitzphasen“, so der Coach, dem der frühere FCB-Chefscout Wolfgang Dremmler sagte, der SCP werde auf keinen Fall absteigen, wenn er so wie in Giesing spiele.

Unterhaching mit Aufstiegsambitionen

Am Sonntag gegen die SpVgg Unterhaching (13 Uhr) kommt erneut ein Spitzenteam, das auch Wert auf Spielkontrolle legt. „Wir sind vorbereitet, wissen, wie hart die Aufgabe ist. Aber auch der Gegner hat zwei Spiele in den Knochen.“ Dass der Tabellendritte wie gewohnt die Fäden in die Hand nimmt, ist für Hildmann kein Selbstläufer. Eine permanent defensive Ausrichtung gebe es für sein Team eh nicht. „Wir hatten auch am Mittwoch sehr gute Momente nach vorn, haben sechs Tore in zwei Spielen gemacht. Wie viele müssen wir denn noch schießen?“ Gleichzeitig räumt er ein: „Wir spielen einen anderen Stil als Haching. Unsere Qualität liegt im Verdichten, in einer guten Struktur.“

Der Gegner im Check: Spielvereinigung Unterhaching

Ausgangslage: Haching ist als Dritter einer von zehn echten Aufstiegskandidaten. Der Ex-Tabellenführer holte in der Rückrunde aber nur einen Zähler mehr als der SCP und verlor zudem drei der jüngsten vier Partien, zuletzt nach Führung auch das bayrische Duell gegen Ingolstadt mit 1:2.

Personal: Ein paar Sorgenfalten gibt es schon südlich von München. So ist Dominik Stahl gesperrt, Stephan Hain hat sich den Daumen gebrochen. Marc Endres und Josef Welzmüller sind schon länger verletzt. Gerade die Offensive mit Routinier Dominik Stroh-Engel oder Drahtzieher Sascha Bigalke besitzt Klasse. Doch im Zuge dessen hat sich auch die Abwehr um Keeper Nico Mantl und die Innenverteidiger Christoph Greger und Alexander Winkler stetig verbessert.

Trainer: Claus Schromm ist ein wahres Urgestein. Seit März 2015 coacht er die Spielvereinigung, auch davor war er (teils im Gespann mit Manuel Baum) schon verantwortlich.

Kuriosum: Zwei Jahre lang kam Moritz Heinrich bei den Preußen nicht über den Status des Ergänzungsspielers mit Potenzial hinaus. Dann ging er nach Haching, wo der 22-Jährige mit sieben Toren und fünf Assists (Kicker-Notenschnitt 3,14) sofort zum internen Top-Scorer aufstieg.

...

Ob sich an der eigentlich bewährten Besetzung etwas ändert, lässt sich noch nicht detailliert beantworten. Am Mittwoch hatte Münsters Trainer noch eine Rotation angedeutet. Die Spieler haben nun aber allesamt signalisiert, dass sie sich fit fühlen. „Wobei wir zwischen Kopf und Körper unterscheiden müssen“, sagt Hildmann. „Es wird noch ein Marathon bis zum letzten Spiel.“

Noch neun Etappen

Genau genommen einer in neun Etappen. Druck ist diesmal definitiv da, weil Zwickau und Halle, die beiden Teams, die es einzuholen gilt, schon Samstag aufeinandertreffen. Ein echtes Pfund der Preußen war zuletzt jeweils ein Blitzstart. Gegen Halle traf Kevin Rodrigues Pires nach vier Minuten, in München der aufstrebende Heinz Mörschel sogar nach 14 Sekunden.

SCP: Schulze Niehues – Kittner, Löhmannsröben, Steurer – Schauerte, Mörschel, Erdogan, Rossipal – Cueto, Königs, Özcan

  • Sonntag werden die ersten Gewinner der Homecoming-Ticket-Aktion gezogen. Auch die WN stiften einen Preis, ein nagelneues Tablet.

Liveticker aus dem Preußenstadion ab 12 Uhr

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