Fußball: Regionalliga
Zwischen Rumpelacker und Michelle: Preußen Münster gewinnt beim Bonner SC

Münster -

Marcel Hoffmeier hilft seiner Mannschaft, Marcel Hoffmeier quält seine Mannschaft. Der Innenverteidiger des SC Preußen Münster war ein Schlüssel beim 2:1-Auswärtserfolg gegen den Bonner SC – und legte nach der Partie wie einst Dieter Thomas Heck deutsche Schlagermusik in der Kabine als Siegergeheul auf.

Sonntag, 25.10.2020, 18:55 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 09:49 Uhr
Erleichterung nach dem knappen Sieg bei den Preußen.
Erleichterung nach dem knappen Sieg bei den Preußen. Foto: Jürgen Peperhowe

Man war sich nicht sicher, was schlimmer war: Der Rasenplatz im Sportpark Nord zu Bonn, um darauf Fußball zu spielen, oder die Schlagermusik, die nach dem 2:1-Auswärtssieg hymnengleich aus der Kabine des SC Preußen Münster schallerte. Marcel Hoffmeier zeichnete für beides gegen. Er, der Innenverteidiger, war für den vorentscheidenden Treffer zum 2:0 zuständig, und er war als DJ für die Musik-Auswahl verantwortlich. Michelles Trällerei ließ sich da für seine sonst mit R&B oder Hip-Hop verwöhnten Mitspieler einen Hauch leichter ertragen. Siege beruhigen das Gemüt und die Nerven aller.

Zweimal in dieser Saison hatte der SCP Überzahl in Punktspielen der Regionalliga West wie in Straelen und zuletzt gegen Wiedenbrück – beide Partien wurden keine Selbstgänger, aber das Team von Sascha Hildmann gewann jeweils mit 2:1. Nun in Bonn wurden seine Schützlinge vor eine bislang unbekannte Prüfung gestellt. ­ Nicolai Remberg sah in der 45. Minute mehr als umstritten die Rote Karte, Münster musste sich in Unterzahl beweisen. „Es passierten Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten. Der Platzverweis war der Witz des Jahrhunderts“, versuchte der aufgewühlte SCP-Coach die Begegnung einzuordnen. Dass sein Team diese Partie gewann, machte Hildmann stolz: „Das war gut für die Jungs, gut für die Moral. Die Mannschaft hat sich selbst belohnt.“

Dabei gab es gar nicht so viel von diesem Aufeinandertreffen zu berichten. Die Platzverhältnisse erlaubten keinen schönen Fußball, der Nordpark entpuppte sich als Rumpelacker. Beide Teams neutralisierten sich zudem mit disziplinierten und dichtgestaffelten Mittelfeldblöcken. Münsters Führung durch Benedikt Zahn nach 28 Minuten war einerseits ein Zufallsprodukt, weil ­Alexander Langlitz sein Schussversuch abrutschte. Andererseits schlich Zahn genau da herum, wo eine Fußspitze den Unterschied machen kann. Er staubte zum 1:0 ab: „Wir wussten, dass das nicht das beste Geläuf ist und wollten viele Bälle in den Strafraum für solche Momente spielen. Solche Spiele muss man erst einmal so gewinnen.“

Es war der einzige Aufreger neben dem Platzverweis für Remberg vor der Pause. Remberg, Spitzname Rambo, hatte nun wahrlich nicht im Stil des Sylvester Stallone zugelangt. Vermutlich hätte es der SCP in voller Mannstärke wesentlich lässiger und entspannter zum Sieg bringen können, doch nach der Pause ließen sich die Hausherren auch durch das 0:2 von Marcel Hoffmeier, der mit einem abgefälschten Schuss nach 51 Minuten erfolgreich war, nicht unterkriegen. Das 1:2 durch Mesut Kizil (64.) war ein kleiner Lohn, aber die preußische Zehnerstaffel wehrte alle weiteren Versuche ab. Es war ein zähes Gerangel um kleinste Vorteile und nichts für Fußball-Ästheten. Als Mannschaft sind die Preußen durch diese Begegnung wieder gewachsen, besser geworden, keine Frage.

„Spielerisch sind wir eine der besten Mannschaften in der Regionalliga“, ließ sich der Preußen-Trainer eine erste vorsichtige Zwischenbilanz nach zehn Spieltagen und 20 Pluspunkten entlocken. Der Sieg unter hemdsärmeligen Bedingungen zählt da sogar noch mehr. Mittelfeldspieler Dennis Daube hatte zuletzt von einem „sehr, sehr dreckigen Sieg“ gegen Wiedenbrück gesprochen. Der in Bonn war noch viel, viel schmutziger.

Münster hatte den Umständen getrotzt, oben auf dem Rundgang des Stadions zu den Umkleidekabinen empfing Remberg seine Teamkollegen in Badelatschen, konnte sogar wieder lächeln. Trainer Hildmann pustete tief durch, Teammanager Harald Menzel orderte einen Schwung Pizzen. Alles wieder gut, beste Laune garantiert.

Nur im Hintergrund dröhnte deutsche Schlagermusik aus den Boxen. Manchmal kommt die härteste Prüfung ganz am Ende.

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