Fußball: Bundesliga
Schalke taumelt nach später Schlappe gegen Köln Richtung Abstieg

Gelsenkirchen -

War das 4:0 gegen Hoffenheim nur ein Strohfeuer? Der FC Schalke 04 verlor drei Tage nach der Schlappe in Frankfurt nun auch das Kellerduell gegen den 1. FC Köln zu Hause mit 1:2. In der Nachspielzeit kassierte Königsblau den K.o.-Schlag. Der Abstieg ist näher denn je.

Mittwoch, 20.01.2021, 21:48 Uhr
Köln jubelt: Rafael Czichos feiert das 1:0
Köln jubelt: Rafael Czichos feiert das 1:0

Beim FC Schalke 04 gehen die Lichter aus. Mit 1:2 (0:1) verloren die Knappen am Mittwochabend das eminent wichtige direkte Duell zweier Abstiegskandidaten gegen den 1. FC Köln und werden sich mehr denn je mit der 2. Bundesliga befassen müssen. Matthew Hoppe traf für Schalke zum 1:1. Rafael Czichos und Jan Thielmann waren für die Gäste erfolgreich.

„Es war ein verdienter Sieg“, jubelte FC-Trainer Markus Gisdol hernach angesichts von jetzt acht Punkten Vorsprung auf die Hausherren. „Aber es war erst die Hinrunde, der Sieg nur ein kleines Zwischenergebnis“. Zu gerne hätte Schalkes Christian Gross dieses Fazit gezogen. Stattdessen musste er sich aber in Durchhalteparolen üben: „Bitter. In der zweiten Halbzeit war es ein mutiger Auftritt von uns. Das stimmt mich zuversichtlich.“ Was soll der Coach sonst sagen? Außer: „Ich appelliere an das Arbeitscredo meiner Spieler. Wir müssen nun den absoluten Ehrgeiz herauskitzeln.“

Es war ein dickes Brett, das die Königsblauen da bohren mussten. Köln zog sich früh tief zurück, verteidigte mit fünf Mann auf einer Linie, vorne warteten Marius Wolf und Ondrej Duda auf mögliche Fehler der Gastgeber.

Huntelaar auf der Tribüne

Die übernahmen zwar die Initiative, lauerten auf den „zweiten Ball“, hatten aber im Angriff zunächst wenig zu melden. Und wo war eigentlich Klaas-Jan Huntelaar? Der Rückkehrer von Ajax Amsterdam durfte in diesem von vielen als „Schicksalsspiel“ apostrophierten Begegnung nicht mitmachen. Er sei noch nicht „hundertprozentig belastbar“, hatte Gross das Fehlen begründet.

Amine Harit (26.) und Mark Uth (27.) hatten zwei gute Chancen, die Schalker in Führung zu bringen, vergaben diese aber und weckten die Kölner, ihr Defensivgebälk nun peu á peu einzureißen. Mit Erfolg. Nach einem Eckball bediente Dominick Drexler Verteidiger Czichos maßgenau. Kopfball. Tor. S04 taumelte. Köln hatte sich seinen Lieblingsgegner – sechsmal in Folge hatten die Knappen gegen den „Effzeh“ nicht gewinnen können – zurechtgelegt. Immerhin: Die schwarze Kölner Serie mit fünf Spielen ohne Torerfolg endete in der 31. Spielminute. Schalke nahm sein Schicksal nicht hin, kam zum Ende des ersten Durchgangs wieder stärker auf. Matthew Hoppe (44.) zögerte bei seinem Vorstoß ein wenig zu lange, Uth (45.) zwang FC-Torhüter Timo Horn zu einer guten Parade. Mehr nicht. Köln wirkte nach einer Schalker Drangphase intellektuell stärker. Trainer Markus Gisdol schien seiner Mannschaft den besseren Plan mit auf den Weg gegeben zu haben.

Kabak an den eigenen Pfosten

Schalke hatte auch im zweiten Durchgang zunächst keinen: Ozan Kabak rettete gegen Ellyes Skhiri an den Pfosten des eigenen Tores (54.). Der Sargnagel war noch nicht drin. Und wie aus dem Nichts war Hoppe zur Stelle. Eine Energieleistung von Suat Serdar vollendete der US-Amerikaner über die Linie (57.). Sein fünftes Tor in den letzten drei Spielen. Schalke war wieder im Geschäft. Köln ging die Flatter, weil das Schlusslicht, jetzt auch läuferisch und kämpferisch verbessert, Köln in die Passivität zwang. Schalke brannte, Schalke rannte. Vergeblich. Der Strohhalm im Abstiegskampf zerbröselte den Königsblauen zwischen den Stollen. Und dann war der Nagel doch im Fleisch der Schalker. Der eingewechselte Thielmann traf zum 1:2 in der dritten Minute der Nachspielzeit. Schalke ist am Boden.

Kommentar: Mit Wundern ist das so

Von Jürgen Beckgerd Die Bilanz ist ein einziger Horror: Sieben Punkte stehen für den FC Schalke 04 nach Ablauf der Hinserie zu Buche. Ein Desaster, aus dem höchstens ein Fußball-Wunder hinausführen könnte. Doch wer glaubt allen Ernstes an ein solches in einem Verein, der angesichts kolportierter 240 Millionen Euro Verbindlichkeiten dermaßen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten folgen muss, dem der Enthusiasmus der Fans, die das Geschäft getragen haben wie ein Luftkissenboot, abhandengekommen ist? Sieben Punkte! Nach 17 Spielen! Schalke kämpft, na klar, weil es noch 17 Spiele sind bis zum Saisonfinale. Aber kämpft Schalke nicht auch gegen die Schatten, die die blendenden Lichter der Vergangenheit seit dem Uefa-Cup-Sieg 1997, drei Pokal-Erfolgen, fünf Vizemeisterschaften, Champions- und Europa-League-teilnahmen geworfen haben? Die Mannschaft ist nicht bundesligareif, so viel scheint spätestens nach der Niederlage gegen den 1. FC Köln festzustehen. Die Statik ist so fragil, dass die erlittene Niederlagenserie – unterbrochen nur vom 4:0 gegen Hoffenheim – sich zu wiederholen droht und an deren Ende der vierte Abstieg nach 1981, 1983 und 1988 die Konsequenz wäre. Vier Trainer in den letzten zwölf Monaten haben es nicht hinbekommen. Vier Trainer! Sieben Punkte! Und dann? „Ein Jahr 2. Liga bekäme Schalke hin“, hatte Finanzvorstand Christina Rühl-Hamers im „Kicker“ gesagt. Finanziell. Und sportlich? HSV, 1. FC Nürnberg, VfL Bochum, Uerdingen, 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg: Sie alle haben schon gehofft. Mit Wundern ist es halt so eine Sache. Vor allem im Fußball. Jürgen Beckgerd

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