Fußball: WM-Qualifikation
Bundestrainer Löw nach DFB-Tiefschlag gegen Nordmazedonien ratlos

Duisburg -

Diese Niederlage war nicht nur ein Rückschlag, sie wurde zum Fiasko. Das 1:2 gegen Nordmazedonien, die Nummer 65 der Welt, machte Bundestrainer Joachim Löw ratlos. Es deckte taktische Fehlschläge und personelle Baustellen einmal mehr auf.

Donnerstag, 01.04.2021, 16:28 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 16:31 Uhr
Joachim Löw
Joachim Löw Foto: dpa

Marc-André ter Stegen war unüberhörbar im fast menschenleeren Stadion in Duisburg. Das ist der Vorteil eines Geisterspiels, die Kommunikation auf dem Platz wird erlebbar. Unzählige Male schrie der Keeper des FC Barcelona ein Wort nach vorne: „Schneller.“ Immer und immer wieder. Irgendwie wollten seine Kollegen, immerhin die deutschen Fußball-Nationalspieler, aber auf ihren Schlussmann nicht wirklich hören. Ter Stegen, der einsame Rufer an der Wedau, Sinnbild für eine besondere Blamage. Das 1:2 gegen Nordmazedonien wirft die DFB-Auswahl in ihren Plänen für die Europameisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) sowie auch schon für die WM in Katar 2022 weit zurück. „Wir sind“, erklärte ein sichtlich angeschlagener Bundestrainer Joachim Löw , „riesig enttäuscht nach einer bitteren Niederlage.“

Enttäuschen und zweifelnd

Nun gut, wer war das nicht im deutschen Lager, enttäuscht und zweifelnd? Fassungslosigkeit machte sich nach Abpfiff breit, als der vierfache Weltmeister gegen einen Fußballzwerg über die eigenen Füße gestolpert war. Nach Siegen über Island (3:0) und in Rumänien (1:0) war der Erfolg über Nordmazedonien mutmaßlich nur eine Pflichterfüllung. Das ging schief, weil der Außenseiter zunächst eine halbe Stunde vehement mit Haut und Haaren nur das eigene Tor verteidigte und dann merkte, dass zwei, drei gelungene Umschaltmomente – wie Konter heutzutage genannt werden – zum Erfolg führen könnten. Das Rezept war so einfach wie schlicht, und der in die Jahre gekommene Offensivstratege Goran Pandev sowie Eljif Elmas trafen, während Ilkay Gündogan mit einem zweifelhaften Foulelfmeter nur das zwischenzeitliche 1:1 gelang.

Die Reaktion von Bundestrainer Löw? Nachdem er in den ersten beiden WM-Qualifikationsspielen erfolgreich, weil ohne Gegentor, mit einer Viererkette in der Abwehr agiert hatte, riskierte er es gegen Mazedonien mit einer Dreierkette – und verdichtete damit nur noch mehr den Raum vor dem Strafraum der Gäste. Die deutsche Startformation machte sich also selbst das Leben schwer.

Erfolgsmodell umgestellt

 „Wir hatten das gegen Island und Rumänien gut umgesetzt und hatten auch eine bessere Organisation“, rätselte Löw nachher. Warum also stellte er eine erfolgreiche Formation um?

Der 61-Jährige experimentierte, und das im letzten Spiel vor der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Aufgebots. Nur diese drei Spiele im Frühjahr sollten Aufschluss über die Melange seines Aufgebots geben, hochtalentiert sei der Haufen ja, hieß es allerorten, Löw müsse nur die Bauteile vernünftig zusammenfügen, dann würde die 0:6-Pleite gegen Spanien zum Jahresabschluss 2020 wieder verblassen. Doch das 1:2, dieses Desaster von Duisburg, erweitert nur noch den Fragenkatalog und schürt Zweifel. Löw, der ewige Bundestrainer auf Abschiedstour, scheint nicht die Antworten zu besitzen. Kehren Thomas Müller, der Offensiv-Derwisch der Bayern, und Mats Hummels, der Abwehrchef aus Dortmund, nun wieder zurück? Löws Antwort dazu war ausweichend: „Nach den Siegen gegen Island und Rumänien wurde diese Frage nicht gestellt. Jetzt werde ich sie nicht beantworten. Die Entscheidung fällt im Mai.“ Das ist spannend, weil natürlich auch Müller und Hummels sich genau überlegen werden, auf einen möglicherweise sinkenden Kahn zu steigen. Wie will Löw im Trainingslager Ende Mai in Seefeld in so kurzer Zeit die Mängelliste abarbeiten und eine für die EM notwendige Hierarchie etablieren?

Fataler Fehlschuss

Zuordnung in der Abwehr bei den Gegentoren schlecht, Chancen nicht genutzt, Timo Werners fataler Fehlschuss nach 80 Minuten zur möglichen 2:1-Führung habe eine Knacks gegeben – der Bundestrainer rang um Haltung, weil sein Team wie vom Windhauch touchiert einbrach. Da war nichts Weltklasse oder außergewöhnlich. Seine Spieler entflohen durch die Nacht. Am Samstag steht nun der Bundesliga-Kracher zwischen RB Leipzig und Bayern München an. Löw sagt: „Das Spiel steht nicht auf meinem Plan, ich schaue mir die Bayern gegen Paris in der Champions League mittwochs an.“ Wieso eigentlich nicht beide Partien?

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