Fußball: Bundesliga
Der BVB ist aus der Balance geraten

Dortmund -

Die Niederlage gegen Eintracht Frankfurt hat Borussia Dortmund in die Bredouille gebracht und die Vorfreude auf der Champions-League-Spiel gegen Manchester City geraubt. Verpasst der BVB die Königsklasse, und danach sieht es aus, wären andere Erfolge angesichts der wirtschaftlichen Zwänge nur noch wenig wert.

Montag, 05.04.2021, 16:56 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 17:05 Uhr
Ausgehebelt: BVB-Profi Jude Bellingham
Ausgehebelt: BVB-Profi Jude Bellingham Foto: dpa

Halbfinalist im DFB-Pokal , Viertelfinalist in der Champions League . Wer nur flüchtig auf die aktuelle Bilanz von Borussia Dortmund schaut, könnte zu der Ahnung kommen, dass der Fußball-Bundesligist gerade fein unterwegs ist und auf opulente Feiern zusteuert. Das ist allerdings weder seriös noch zutreffend. Die Betrachtung des vollumfänglichen Arbeitszeugnisses sowie der Blick über den Tellerrand hinaus führen jedenfalls zu einem ganz anderen Ergebnis. Tatsächlich schwächelt der BVB im Kerngeschäft Bundesliga so sehr, dass die abermalige und für den Club nur unter Opfern entbehrliche Qualifikation für die Champions League kaum noch realisierbar ist. Vor dem Viertelfinalhinspiel im aktuellen Königsklassen-Wettbewerb am Dienstag bei Manchester City (21 Uhr/DAZN) hat sich der Himmel über der Revier-Metropole extrem verdunkelt.

Das 1:2 am Karsamstag gegen den Tabellennachbarn Eintracht Frankfurt mit dem als Konsequenz auf sieben Punkte angewachsenen Rückstand auf Platz vier hat die Dortmunder tief ins Mark getroffen und die personellen Perspektiven hörbar verschlechtert. Abwehrchef Mats Hummels redete ungeschminkt über die finanziellen Folgen einer verpassten Teilnahme an der Champions League: „Dann kann es sein, dass man einen nicht kaufen kann, den man haben will und einen verkaufen muss, den man halten will.“

Kommentar: Schwerer Mühlstein

Sieben Punkte Rückstand bei noch sieben ausstehenden Spielen: Der BVB muss im Sommer ohne Champions-League-Millionen planen. Wolfsburg und Frankfurt sind dabei, Dortmund (zumindest temporär) abzuhängen. Das ist bittere Realität und ein tonnenschwerer Mühlstein in wirtschaftlich ohnehin kniffligen Zeiten. Bei der Analyse des Rückschlags wird der BVB feststellen, dass er bei der Auswahl neuer Spieler zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen hatte. Hinzu kommt die Abhängigkeit von Erling Haaland und Jadon Sancho in der Offensive. Mit seinem vierten Saisontor schob sich Abwehrchef Mats Hummels am Samstag auf Rang drei der internen Torjägerliste. Das ist wahrlich kein gutes Zeugnis für Marco Reus und Co. Wilfried Sprenger

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Nun ist es nicht so, dass der BVB gerade mit ganzem Herzen am kompletten Kader hängt. Für viel Geld verpflichtete und hoch bezahlte Profis wie Thorgan Hazard, Julian Brandt, Nico Schulz und Thomas Meunier haben den Beweis ihrer Qualität allzu oft vermissen lassen. Doch das ist auch potenziellen Interessenten aufgefallen – überbordende Nachfrage ist im Sommer in diesen Personalien nicht zu erwarten. Dazu ließen sich enorme Mindereinnahmen für den durch die Pandemie ohnehin gebeutelten Club wohl nur durch hochkarätige Transfers abfedern. Im Fall von Torjäger Erling Haaland haben dessen Vater Alf-Inge und Berater Mino Raiola mit unverschämt unverhohlenen Antrittsbesuchen in Madrid und Barcelona das Feilschen um sehr, sehr viel Geld bereits begonnen.

Borussia Dortmund hat gerade auf vielen Ebenen die Contenance verloren. Frust frisst in diesen Tagen die Lust. „Ich habe keinen Bock, in der Europa League zu spielen. Ich will Champions League spielen“, sagte Emre Can nach der von ihm mitzuverantwortenden Pleite gegen Frankfurt. Da sprach ein gestandener Nationalspieler wie ein trotziges Kleinkind, dem gerade das Lieblingsspielzeug weggenommen worden war.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Saison für den BVB ein gutes Ende nimmt. Selbst ein Erfolg im DFB-Pokal würde die Sorgenfalten nicht glätten. Dortmund braucht das Geld aus der kontinentalen Königsklasse, um seine Ausgaben zu bedienen. In der Bundesliga ist die Tür seit Samstag ziemlich einbruchssicher vernagelt. Bleibt eine zweite Option und somit ein ausgesprochen verwegener Gedanke.

Vorstellungskraft fehlt

Nach Uefa-Regeln qualifiziert sich der Titelverteidiger in der Champions League automatisch für den Wettbewerb der folgenden Saison. Wenn der BVB also erst Manchester City ausschaltet, dann im Halbfinale den FC Bayern und schließlich auch noch das Endspiel gewinnt... Ein Märchen, für dessen Erzählung selbst den Gebrüdern Grimm die Vorstellungskraft gefehlt hätte.

  • Für Toptalent Youssoufa Moukoko ist die erste Profi-Saison vorzeitig beendet. Der 16-Jährige fällt wegen einer Bänderverletzung im Fuß bis zum Sommer aus.
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