Fußball: Nationalmannschaft
Der Debütantenball von Dortmund

Dortmund -

Deutschland und Argentinien sind nach wie vor klangvolle Namen im Weltfußball. Und auch, wenn sich in den Teams dann nur wenige klangvolle Namen befanden, das 2:2 im Testspiel in Dortmund konnte sich sehen lassen.

Mittwoch, 09.10.2019, 22:46 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 11:32 Uhr
Serge Gnabry trifft elegant und überlegt zur 1:0-Führung der DFB-Elf. Der Münchener leitete wenig später auch das zweite Tor durch Kai Havertz ein.
Serge Gnabry trifft elegant und überlegt zur 1:0-Führung der DFB-Elf. Der Münchener leitete wenig später auch das zweite Tor durch Kai Havertz ein. Foto: dpa

Luca Waldschmidt, Robin Koch , Nadiem Amiri und Suat Serdar– sie waren die nächsten Debütanten im Nationaltrikot der deutschen Auswahl, Nummer 102 bis 105 in der Ära (seit 2008) von Bundestrainer Joachim Löw . Mehr Neulinge ging nicht an diesem Abend, und es war kein schlechter Einstand für sie, denn der Klassiker gegen Argentinien endete mit 2:2 (2:0) in Dortmund vor 45 197 Zuschauern. Ein bemerkenswerter Vermerk in ihrem fußballerischen Lebenslauf. Der überragende Bayern-Angreifer Serge Gnabry (15.) und Leverkusens Kai Havertz (22.) trafen, ehe Lucas Alario (66.) auf 1:2 verkürzte und Lucas Ocampos (85.) das 2:2 markierte.

Die Not war groß, riesengroß. Anders war das Startelf-Debüt von Robin Koch nicht zu erklären, weil sich auch noch der Debütant in Warteschleife, Niklas Stark (Hertha BSC), mit einem Magen-Darm-Infekt kurzfristig abgemeldet hatte. Nach 57 Erstliga-Spielen, die er allesamt für den SC Freiburg bestritt, war der Defensiv-Spezialist Koch allererste Wahl mit dem Adler auf der Brust an der Seite von Niklas Süle.

Ein paar Kilometer entfernt dürfte der ausrangierte Dortmunder Starverteidiger Mats Hummels die Partie vermutlich vor dem TV verfolgt haben. Hummels war von Löw im Zeichen des Umbruchs Anfang des Jahres aussortiert worden, nun plagten den Bundestrainer jede Menge Sorgen in der Verteidigung. Na klar, eine Rückholaktion auf die Schnelle hätte es sowieso nicht gegeben. Dennoch musste sich Koch sofort auch diesem Quervergleich stellen, nicht wenige fordern so oder so die Hummels-Reaktivierung. Löw hatte jedenfalls Vorschusslorbeer verteilt: „Robin und Freiburg sind auf einem guten Weg. Er ist auf allen Abwehrpositionen einsetzbar.“

Fußball-Länderspiel: Deutschland - Argentinien - Einzelkritiken

1/14
  • Marc ter Stegen:

    Beim erhofften Einsatz lange nicht geprüft, dann zweimal kalt erwischt. Glück beim Pfosten-Knaller, sicher mit Ball am Fuß.

    Foto: Federico Gambarini
  • Emre Can:

    In der Dreier-Kette energisch im Zweikampf. Und mutig nach vorn. Scheiterte als Mittelstürmer (55.). Am Ende brach er noch ein.

    Foto: Bernd Thissen
  • Robin Koch:

    Was für ein Aufstieg von der Notnominierung zum starken Abwehrchef. Erst unaufgeregt, dann verlor er mit die Übersicht.

    Foto: Bernd Thissen
  • Niklas Süle:

    Die deutsche Abwehrwand. Am Boden und in der Luft lange nicht auszuspielen. In der Schlussphase wackelte aber auch er gewaltig.

    Foto: Marius Becker
  • Lukas Klostermann:

    Viel besser als zuletzt im DFB-Team. Als Balleroberer klasse, mit Mut: So bereitete der Leipziger gleich zwei Treffer vor.

    Foto: Bernd Thissen
  • Kai Havertz:

    Endlich durfte er bei Löw von Beginn an ran. Und zeigte seine Stärke mit dem Ball. Erstes DFB-Tor. Später baute er ab.

    Foto: Bernd Thissen
  • Joshua Kimmich:

    Wirkte als Kapitän teilweise übermotiviert. Trieb Spiel und Kollegen an, ackerte fürs Team. Zu wechselhaft, guter Freistoß (76.).

    Foto: TayDucLam
  • Marcel Halstenberg:

    Zwei Wackler am Anfang, dann stabilisierte sich der Leipziger auf dem Flügel. Pech bei seinem Latten-Freistoß (31.).

    Foto: Federico Gambarini
  • Julian Brandt:

    So wollen ihn auch die BVB-Fans sehen. Schnell, gefährlich - nur der letzte Tick fehlte einige Male. Einige gefährliche Rückpässe.

    Foto: Marius Becker
  • Serge Gnabry:

    Unterstrich seine klasse Form: War vom Gegner nie zu greifen. Ein Supertor, eine Vorbereitung. Jetzt zehn Treffer in elf Spielen.

    Foto: Christian Charisius
  • Luca Waldschmidt:

    Kam bei seinem Debüt kaum ins Spiel. Der Einsatz stimmte, Leichtigkeit und Tempo fehlten. Traf das Außennetz (47.).

    Foto: TimGroothuis
  • Nadiem Amiri:

    Nach 66 Minuten ermöglichte ihm Löw sein erstes Länderspiel. Der Leverkusener war gleich couragiert. Akzente setzte er nicht mehr.

    Foto: TimGroothuis
  • Suat Serdar:

    Der vierte Debütant des Abends. Der Schalker sollte das Spiel zum Schluss stabilisieren - das gelang überhaupt nicht.

    Foto: Silas Stein
  • Sebastian Rudy:

    Der Rückkehrer kam nach 83. Minuten. Seine Erfahrung half in der schweren Schlussphase auch nicht, um den Sieg zu sichern.

    Foto: TimGroothuis

Die Anzahl der Ausfälle bei der DFB-Auswahl lag dabei über einem Dutzend. Auch die Gauchos hatte keine 1a-Auswahl zusammen. Prominenteste Namen waren noch Marcos Rojo, Vize-Weltmeister von 2014, von Manchester United sowie Paulo Dybala (Juventus Turin) und Nicolas Otamendi (Manchester City). Lionel Messi, das kickende Genie aus Barcelona, war gesperrt.

Die Stimmung? Na ja, die Dortmunder Arena war nicht einmal ansatzweise ausverkauft, die Oberränge blieben unbesetzt, die stadionumgreifende „La Ola“ war nur im Unterrang möglich. Einem ordinären BVB-Fan trieb das wohl einen kalten Schauer über den Rücken. Nicht vollbesetzt der Fußball-Tempel? Furchtbar.

Aber Fußball wurde auch gespielt, richtig guter sogar, allen Widrigkeiten zum Trotz. Joshua Kimmich wurde zum Chef als Kapitän ernannt, und meinte dann gleich auch als Rauhbein etwas bewirken zu müssen beim rustikalen Tritt gegen Leandor Parades. Was wohl nicht mehr oder weniger bedeutete: halbe Sachen gibt es heute nicht. Das wirkte.

Und das Löw-Team zeigte was, vorzugsweise über die rechte Seite. Belohnt wurde das durch das 1:0 von Serge Gnabry, der die Vorarbeit von Lukas Klostermann nach 15 Minuten fein veredelte. Wenig später waren es wieder Klostermann und Gnabry, die das 2:0 im Eiltempo vorbereiteten, Kai Havertz traf mühelos. Dann war da noch der Freistoß von Marcel Halstenberg an den Pfosten (30.). Es war durchaus furios vor der Pause, bei diesem Aufstellungs-Scrabble eine große Überraschung. Der Pfostenschuss von Rodrigo de Paul (30.) fiel nicht ins Gewicht. Die deutsche Notelf wusste zu gefallen.

Die Gäste wurden stärker nach dem Wechsel, zu sehr verließ sich das Löw-Team auf mögliche Konter. Als der eingewechselte Lucas Alario Marc-Andre ter Stegen zum 1:2 (66.) überwand, bekam die Partie wieder Farbe. Bei der Flanke von Marcos Acuna verschätzte sich der Freiburger Koch und machte den Weg zum Anschlusstreffer frei.

Überhaupt zeigte sich die Albiceleste nun engagierter als vor der Pause, vor allem Alario bereitete der deutschen Defensive diverse Probleme, die Führung wackelte beim Debütantenball von Dortmund. Argentinien wollte die Niederlage abwenden, die DFB-Abwehr half mit, als Lucas Ocampos den Endstand herstellte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6990613?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F3686475%2F
Poller schützen bald den Domplatz
Der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (l.) und Norbert Vechtel (Ordnungsamt) vor der längsten Sperranlage in der City an der Loerstraße. Bis 2021 sollen alle relevanten Innenstadt-Zufahrten mit Überfahrschutzpollern ausgestattet sein.
Nachrichten-Ticker