Fußball: Bundesliga-Interview
Maximilian Philipp von Borussia Dortmund: „Ich bin doch nicht nur Fußballer“

Dortmund -

Er ist kein Mann großer Worte. Maximilian Philipp ist eher der schüchterne Typ. Dabei muss sich der Stürmer von Bundesligist Borussia Dortmund nicht verstecken. Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger hat den 24-Jährigen getroffen.

Freitag, 19.10.2018, 11:48 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 17:46 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 19.10.2018, 11:48 Uhr
Guter Typ auf und neben dem Platz: Maximilian Philipp. Seit Sommer 2017 spielt der 24-Jährige für Borussia Dortmund.
Guter Typ auf und neben dem Platz: Maximilian Philipp. Seit Sommer 2017 spielt der 24-Jährige für Borussia Dortmund. Foto: imago/Eibner

Treffpunkt Brackel, Adi-Preißler-Allee. Profi Maximilian Philipp kommt pünktlich zur Verabredung im Trainingszentrum des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund . Das Wetter lässt keine Wünsche offen, der 24-Jährige lächelt scheu. In Ermangelung greifbarer Sitzgelegenheiten lassen wir uns auf den ­Betonstufen eines Nebenplatzes nieder. Kein Problem für Philipp. Der junge Mann, der seit Sommer 2017 zum Kader des BVB zählt, spricht bewegt über Privates, un­verblümt über die Aus­wüchse des Fußballs und klar über das eigene Formtief.

Schön, Sie zu treffen. Besonders, weil Sie in dem Ruf stehen, nicht gerne Interviews zu geben . . .

Philipp: Ja, stimmt, ich bin vom Typ her eher schüchtern und muss nicht im Mittelpunkt stehen.

Sie haben sich mit ­„Mili“ vorgestellt . . .

Philipp: Meine Mutter hat mir den Spitz­namen verpasst. Als Baby war das ziemlich niedlich. Im Erwachsenen-Alter zwar nicht mehr so, aber ich komme damit klar, es ist alles gut so.

2008 war nicht alles gut. Da sind Sie in der Jugendabteilung von Hertha BSC als zu schmächtig eingestuft und aus­sortiert worden. Wie sehr haben Sie gelitten?

Philipp: Sehr, das war extrem. Ich war 14, und in dem Alter denkst du nur ans Fußballspielen. Hertha war zu der Zeit der einzige Profiverein in Berlin, für mich ist da eine Welt zusammengebrochen. Es tat sehr weh.

Es ging trotzdem weiter, zunächst bei Tennis Borussia . . .

Philipp: Mein bester Kumpel, Christopher Lenz, der heute Profi bei Union Berlin ist und damals eigentlich bei Hertha hätte bleiben können, ist mitgegangen. Das hat mir geholfen. Allein gehe ich nicht so schnell auf neue Leute zu.

Es gab den Freund, aber auch die Familie. Sie muss sehr wichtig gewesen sein in dieser Zeit . . .

Philipp: Ja, natürlich. Meine Eltern waren immer für mich da. Vor allem meine Mutter. Mein Vater ist gestorben, als ich 16 war. Und dann hatte ich nur noch meine Mutter, auch das war extrem schwer. Manchmal wusste ich gar nicht, wohin mit mir. Noch immer vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meinen Vater denke.

Sie mussten früh Verantwortung übernehmen . . .

Philipp: Vor allem musste ich schnell erwachsen werden.

Mit 17 sind Sie in die U 19 von Energie Cottbus gewechselt . . .

Philipp: Ex-Profi Rene Rydlewicz war dort Trainer. Er hat mich verstanden und es auch akzeptiert, wenn ich auf dem Platz mal ausgerastet bin.

Das müssen Sie erklären.

Philipp: Jeder kennt doch die Sprüche auf dem Platz. Es gab Punkte, wo ich sehr reizbar war. Wenn einer etwas gegen meinen Vater gesagt hat, bin ich ausgetickt. Der Trainer hat das verstanden, weil er gewusst hat, dass ich eigentlich ein sehr ruhiger Junge bin.

Nach Cottbus kam der SC Freiburg. Doch noch die Bundesliga – und dazu eine Wohlfühl-Oase.

Philipp: Freiburg war genau richtig, genau das habe ich gebraucht. Auch einen Trainer wie Christian Streich. Er behandelt seine Spieler wie seine Söhne und ist immer für sie da. Auch außerhalb des Platzes. Er war und ist noch immer sehr wichtig für mich.

Wie wichtig war er darüber hinaus für Ihre Entwicklung als Fußballer?

Philipp: Er hat mir viel erklärt, viel mit mir geredet, mein Spiel verbessert und mein taktisches Verhalten.

2017 der nächste große Schritt. Borussia Dortmund. 20 Millionen Ablösesumme. Sie haben diesen Betrag damals als Irrsinn bezeichnet . . .

Philipp: Das ist ja auch so. Aber man kann nichts dagegen machen, es steigt immer weiter.

Persönlich hatten Sie eine gute erste Saison beim BVB. Für den Verein war sie turbulent, es gab da einige große Beulen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat die ­Saison im Nachgang als schwierigste seiner langen Amtszeit bezeichnet. Wie haben Sie das Jahr erlebt?

Philipp: Am Anfang lief ­alles gut, wir haben jedes Spiel gewonnen, Tor um Tor geschossen. Dann kamen der Bruch und der Trainer­wechsel. Plötzlich wurde alles und jeder kritisiert und jede Kleinigkeit aufgebauscht, so etwas kannte ich gar nicht. In Freiburg war immer alles ruhig.

Jetzt ist die Situation nach sieben Spieltagen und einem wiederum glänzenden Start fast vergleichbar. Haben Sie die Befürchtung, dass sich Geschichte wiederholt?

Philipp: Nein. Wir haben unsere Lehren gezogen und wissen, dass noch ein sehr langer Weg und noch enorm viel Arbeit vor uns liegen. Wir wollen und müssen uns weiter verbessern.

Es läuft beim BVB. Und bei Ihnen?

Philipp: Man braucht mir doch nur ins Gesicht zu schauen, um zu sehen, dass ich sehr unzufrieden bin. Ich rufe nicht das ab, was ich kann.

Das liegt womöglich an Ihrer Position.

Philipp: Klar ist die Mittelstürmerrolle ungewohnt, aber das darf keine Ausrede sein. Letzte Saison habe ich auch als Stürmer Tore geschossen. Ich habe keine Erklärung dafür, warum das Spiel an mir vorbeiläuft und ich zu oft die falsche Entscheidung treffe. Und dazu ist es sehr schwierig, wenn du von außen nur Negatives hörst.

Was hören Sie?

Philipp: Das, was andere in dieser Situation auch hören: Der Junge ist ein Flop, das ist nur noch Zweite Liga usw. – das tut manchmal richtig weh, aber so sind die sozialen Medien nun mal.

Sie könnten nicht hin­hören . . .

Philipp: Ich lebe nicht ­hinter dem Mond und muss sehen, dass ich durch Leistung überzeuge. Die Situation ist ja auch neu für mich, ich hatte in meiner gesamten Zeit als Profi noch nicht solch ein Tief.

Trainer Lucien Favre scheint zu Ihnen zu stehen. Er gibt Ihnen viele Einsatzzeiten, auf der Tri­büne waren Sie jedenfalls noch nie . . .

Philipp: Ich glaube, er weiß, dass ich Qualität habe. Dazu arbeite ich auch hart und tue wirklich alles, um den aktuellen Zustand zu verändern.

Favre hat nach dem spektakulären 4:3 gegen Augsburg das Kollektiv herausgestellt und gesagt, ‚Wir sind zusammen‘. Stimmen Sie zu?

Philipp: Es ist wirklich so. Klar, ich bin unzufrieden. Mit mir selbst. Aber jeder weiß, dass ich alles, wirklich alles für das Team tue. Das Team steht immer im Vordergrund.

Aber Sie werden mitunter auch an sich selbst denken  . . .

Philipp: Das mache ich ja auch. Und eigentlich ist es ­sogar normal, dass mich dieses Formtief erwischt hat. Die Jahre liefen so gut – es kann ja nicht ständig bergauf gehen.

Aber manchmal geht es auch sehr lange bergab . . .

Philipp: Das werde ich nicht zulassen. Ich weiß genau, dass ich da rauskomme. Ich habe immer alles geschafft, was ich wollte. So wird es auch diesmal sein.

Eines Ihrer Tattoos hat den Satz: Hoffnung ist kein Traum, aber eine Möglichkeit, Träume wahr werden zu lassen. Wovon träumen Sie?

Philipp: Ich sage es so: Ich habe den Wunsch, dass man mich als Menschen schätzt und nicht nur als Fußballer beurteilt. Das ist mir wichtig. Ich bin doch nicht nur Fußballer.

Trotzdem noch zwei Fragen zum Fußball. Wo steht ­Borussia Dortmund am Ende der Saison und wird ­Maximilian Philipp noch Nationalspieler?

Philipp: Dortmund? Hoffentlich weit oben! Nationalelf? Keine Ahnung, vielleicht wird das später mal ein Thema. Erst einmal muss ich hier beim BVB meine Leistung bringen und mich etablieren.

Sie leben allein in Dortmund, gibt es da nicht manchmal sehr einsame Abende?

Philipp: Ich telefoniere viel mit Freunden. Ansonsten bin ich gern zu Hause, da habe ich meine Ruhe und kann abschalten.

Und wie klappt’s am Herd?

Philipp: Ich bin nicht der Chefkoch, deshalb gehe ich abends oft essen. Zum Frühstück bekomme ich aber schon ein paar Sachen hin, kein Problem.

Worauf möchten Sie im ­Leben nie verzichten?

Philipp: Auf meine Mutter.

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