Fußball: Interview mit BVB-Geschäftsführer
Carsten Cramer: „Ich bin ein extrem glücklicher Mensch“

Carsten Cramer wollte immer Sportler sein. Am liebsten Fußballer. Weil sein Talent am Ball in der aktiven Karriere nicht für den großen Wurf reichte, hat sich der gebürtige und bekennende Münsteraner auf die Seite der großen Führungskräfte und Entscheidungsträger geschlagen. Seit 2010 engagiert er sich in der Führungsetage des Bundesligisten Borussia Dortmund. Gleich in seine Anfangszeit fielen zwei Meisterschaften und der Triumph im DFB-Pokal. Im März dieses Jahres stieg der vierfache Familienvater beim BVB zum Geschäftsführer auf. Damit bedient er die wichtigsten Hebel in der Schaltzentrale am Rheinlanddamm.

Montag, 24.12.2018, 10:00 Uhr
Immer in Bewegung: Carsten Cramer liebt seine vielfältigen Aufgaben bei Borussia Dortmund.
Immer in Bewegung: Carsten Cramer liebt seine vielfältigen Aufgaben bei Borussia Dortmund. Foto: Jürgen Peperhowe

Als junger Mann haben Sie ein Tischtennis-Fachgeschäft geführt, Jungs von der Straße geholt und einen Fußballverein gegründet. Jetzt sind Sie Geschäftsführer eines der größten Clubs der Branche weltweit. Eine solche Karriere kann man sich malen, aber nicht planen …

Cramer : Das ist so. Bei mir gab es immer die Begeisterung und das Interesse am Fußball – und schon früh die Erkenntnis, dass es aktiv nichts Großes werden würde. Was nicht schlimm war: Der Wunsch, Teil dieses faszinierenden Sports zu sein, ist ja geblieben.

War Preußen Münster das erste Sprungbrett?

Cramer: Ja, über die Preußen mit Thomas Herda und Hermann Brück an der Spitze ist es mir vergönnt gewesen, in verschiedenen Funktionen dem Fußball näher zu kommen. An der Hammer Straße habe ich die Dinge von der Pike auf gelernt.

Wie ging das konkret?

Cramer: Ich hatte das Glück, immer die richtige Option zu haben. Und immer die richtigen Ratgeber. Mehrfach hat mich meine Frau motiviert und bestärkt. Im Fall von Dortmund musste ich keine Sekunde überlegen, als mich Aki Watzke ansprach.

Leben Sie einen Traumjob?

Cramer: Ja, ohne Wenn und Aber. Ich bin ein extrem glücklicher und zufriedener Mensch.

Zur Person: Carsten Cramer

Carsten Cramer wurde am 23. Dezember 1968 in Münster geboren. Er begann seine berufliche Karriere bei Preußen Münster – an der Hammer Straße war er Stadionsprecher, Marketingleiter und später Geschäftsführer. Nach seiner Zeit beim SCP wechselte er zum Sportrechtevermarkter „Ufa“ (später „Sportfive“).

Dort war Cramer zunächst als Sportfive-Teamleiter beim Hamburger SV und von 2002 bis 2007 schließlich in gleicher Funktion beim BVB tätig. Von 2007 bis 2010 zeichnete Cramer als Senior Vice-President für das deutschlandweite Marketing- und Vertriebsgeschäft von Sportfive (heute „Lagardère Sports“) am Firmensitz in Hamburg verantwortlich.

2010 kehrte Cramer zum BVB zurück und wurde Direktor für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Business Development. Seit dem 1. März dieses Jahres arbeitet der vierfache Familienvater als Geschäftsführer beim Bundesliga-Tabellenführer.

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Aber auch einer, der viel Verantwortung trägt …

Cramer: Darüber bin ich mir im Klaren. Ich vertrete etwas, das vielen Menschen überragend wichtig ist. Dessen muss ich mir jeden Tag bewusst sein und bin es auch. Der große Stolz und die Freude darüber, für diesen Verein arbeiten zu dürfen, darf nie zu Selbstgefälligkeit oder Überheblichkeit führen.

Im März sind Sie beim BVB zum Geschäftsführer aufgestiegen. Beschreiben Sie doch einmal Ihr Arbeitsfeld …

Cramer: Meine Aufgaben sind es, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter zu optimieren und den Verein weiterzuentwickeln – ohne die bestehende BVB-Familie zu vernachlässigen und die DNA des Clubs aufzugeben. Wir wollen der Verein bleiben, der an der einen oder anderen Stelle schon ein bisschen anders ist.

Wo ist Dortmund anders als die Konkurrenten in der Bundesliga?

Cramer: Ich sage, was wir sind: Authentisch, transparent, sehr emotional und voller Wertschätzung für unsere Fans. Es sind doch die Menschen, die diesen Verein ausmachen und tragen. In guten Zeiten übertragen sie ihre Euphorie auf den Rasen. In schwierigen Phasen sind sie ein wichtiges Korrektiv.

Aktuell hat Dortmund eine richtig gute Zeit. Was sind die wirtschaftlichen Ziele für die nächsten Jahre?

Cramer: Wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne die eigene Identität aufzugeben. Wachstum ja, aber mit Verstand. Bis 2025 möchten wir 500 Millionen Euro generieren – ohne Transfererlöse. Daran werden wir gemessen.

Wo sehen Sie die größten Wachstumsmärkte?

Cramer: Es gibt drei, vier, die wir ständig im Auge haben. Natürlich zuallererst die Heimat, dann Asien. In Schanghai und Singapur haben wir ja schon Büros. Aber auch Nordamerika spielt eine große Rolle. In diesem Jahr haben wir uns erste Eindrücke von Indien verschafft. Da werden wir nicht von heute auf morgen einschlagen, aber perspektivisch kann das etwas werden. Man muss immer am Ball bleiben.

Das tun Sie, Sie gelten als rastloser Mensch. Wie viele Flugmeilen tragen Sie in diesem Jahr zusammen?

Cramer: Knapp 300 000. Bevor Sie jetzt nachfragen: Es ist kein Stress, ich liebe das, was ich mache.

Aber Sie müssen doch auch mal abschalten …

Cramer: Das mache ich ja auch. Zu Hause. Wenn ich da durch die Tür gehe, komme ich in eine ganz andere Welt.

Münster ist immer der Lebensmittelpunkt Ihrer Familie gewesen. Auch als Sie zweimal für jeweils drei Jahre in Hamburg gearbeitet haben. Was bedeutet die Stadt für Sie?

Cramer: Münster ist Heimat, da komme ich her. Und es ist ein Ort für Erinnerungen an ganz besondere Momente im Privatleben.

Teilt Ihre Familie die Nähe zum BVB?

Cramer: Die Kinder sowieso. Es ist kein Geheimnis, dass an Weihnachten auch schwarzgelbe Päckchen unter dem Christbaum liegen. Meine Frau ist entweder im Stadion oder schaut zu Hause die Spiele mit ihren Mädels.

Wie entspannt können Sie ein Pflichtspiel des BVB verfolgen?

Cramer: Ich gebe zu, dass das Anschauen eines Fußballspiels für mich immer weniger mit Genuss zu tun hat, weil man sich immer mehr über die Konsequenzen eines Spiels Gedanken macht, als man das Momentum genießen kann.

Wäre es denkbar für Sie, in gleicher Position beim Nachbarn Schalke 04 zu arbeiten?

Cramer: Nein, wirklich nicht. Blau-Weiß hat mich nie angefixt und war nie eine Option.

Salopp formuliert: Können Sie sich vorstellen, bei Borussia Dortmund irgendwann in Rente zu gehen?

Cramer: Ich hoffe, dass es hier aufhört. Ich würde mir wirklich nichts mehr wünschen. Mehr als Borussia Dortmund geht im deutschen Fußball nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt einige Türen schließen: Wenn man einmal für den BVB gearbeitet hat, ist man emotional verdorben.

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