Fußball: Champions League
BVB nach Benfica-Show im erlauchten Kreis

Dortmund -

Was für ein Abend für Borussia Dortmund. Da kam sogar Trainer Thomas Tuchel aus sich heraus. Das 4:0 gegen Benfica Lissabon im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League war für den BVB die Eintrittskarte in einen erlauchten Kreis.

Donnerstag, 09.03.2017, 16:03 Uhr

Freie Bahn für die Gefühle: Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (rechts) geht auf Tuchfühlung mit Erik Durm.
Freie Bahn für die Gefühle: Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (rechts) geht auf Tuchfühlung mit Erik Durm.

Und plötzlich gab Thomas Tuchel den Jürgen Klopp . Wie ein Springinsfeld stürmte er aus der Box auf den Rasen, ballte die Fäuste, ruderte mit den Armen und richtete den Blick in den Himmel. Emotionen dieser Qualität erlaubt sich der so um Disziplin bemühte Dortmunder Fußball-Trainer selten. Doch am Mittwochabend, als Pierre-Emerick Aubame­yang gerade das 3:0 erzielt hatte, fuhr er dann doch einmal aus seiner Haut. Der BVB gewann das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Benfica Lissabon am Ende 4:0, korrigierte das Hinspiel-0:1 damit eindrucksvoll und wartet nun auf die Viertelfinal-Auslosung in der nächsten Woche. Tuchel hat keine Präferenz, nur ein Duell mit dem FC Bayern wünscht er sich nicht. „In diesem Wettbewerb möchte man andere Stadien sehen, andere Kulturen erleben und sich international messen“, sagt er.

Tuchel ist neu auf dieser ganz großen Bühne. Er hat sich auch im zweiten Jahr beim BVB nicht viel vorzuwerfen, Kritiker teilen dennoch gegen ihn aus und orakeln, dass die Liaison in Dortmund nicht bis zum Ende der Vertragszeit (Juni 2018) hält. Tatsächlich mag manche Rotation im Bundesliga-Alltag ein Eigentor gewesen sein. Und gewiss ist Tuchels Verhältnis zu Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke nicht so innig wie einst das seines Vorgängers Jürgen Klopp. Es ist mehr eine geschäftliche als freundschaftliche Beziehung. Aber ist das ein Problem? Geht es im großen Fußball nicht zu allererst ums Business, um Zahlen, Ergebnisse und Fakten? Vor dem Hintergrund, dass der BVB im Sommer 2016 in Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan drei kapitale Abgänge hatte, liegt Tuchel wettbewerbsübergreifend mit seiner jungen Mannschaft komplett im Soll. In der Champions League steht die Borussia aktuell in einer Reihe mit Real Madrid, dem FC Barcelona und Bayern München. Vermutlich werden Atlético Madrid, Manchester City und Juventus Turin folgen. Prominenter könnte das Viertelfinale nicht besetzt sein, das ist ein Fünf-Sterne-Pool voller Haifische. Und Dortmund schwimmt mit. Das war alles andere als selbstverständlich und hing einige Zeit an einem dünnen Faden. Erst mit einer großen Energieleistung stieß der BVB am Mittwoch die Tür auf. Binnen 120 Sekunden stellten Christian Pulisic (59.) und Aubameyang (61.) von 1:0 auf 3:0. Danach ging dann das Teilnehmerkärtchen an der Auslosung in einer Woche in Nyon direkt in die Post.

„Die zweite Halbzeit war fantastisch“, sagte Trainer Tuchel zu vorgerückter Stunde außergewöhnlich strahlend und sehr froh, „dass ich mich nicht eine ganze Trainer-Karriere über das Hinspiel ärgern muss“. In Lissabon hatte Dortmund dominiert, aber kaum zu zählende Chancen ausgelassen. Dieser Frust ist nun weggespült, großzügig überließ Tuchel an diesem Abend dem FC Barcelona die Schlagzeilen. „Direkt nach dem Schlusspfiff hatte ich noch gedacht, dass wir die spektakulären Nachrichten liefern würden“, sagte er. Nun, es gibt ja weitere Chancen im Viertelfinale.

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