Fußball: Kommentar
Nachholtermin am Mittwoch - ist das zumutbar für den BVB?

Nach der Absage der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco muss Borussia Dortmund bereits am Mittwoch das Spiel nachholen. Keine 24 Stunden nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus. Wo bleiben der Mensch und das Menschliche, fragt unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger in seinem Kommentar.

Dienstag, 11.04.2017, 21:04 Uhr

Fußball: Kommentar : Nachholtermin am Mittwoch - ist das zumutbar für den BVB?
Fans des BVB verlassen nach der Absage des Spiels das Stadion. Nach drei Explosionen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist das Champions-League-Spiel am Dienstagabend gegen AS Monaco abgesagt worden. Foto: dpa

Fußball war einmal die wunderbarste Nebensache der Welt. Inzwischen ist es vor allem Geschäft. Das Spiel bewegt unglaubliche Summen. Und wo Milliarden umgesetzt werden, ist kein Raum für Stillstand. Und wo bleiben der Mensch und das Menschliche? Im Zweifel auf der Strecke. Schon am Mittwoch um 18.45 Uhr, nicht einmal 24 Stunden nach dem Anschlag, müssen die Dortmunder Fußballer wieder raus und spielen. Business as usual, die große Show geht weiter.

Die ungestellte Frage nach der Zumutbarkeit 

Auch für die, die am Dienstag noch unter Schock standen und vielleicht sogar sehr großes Glück im Unglück hatten. Die Frage, ob dies zumutbar ist, hat am Abend des Anschlags niemand gestellt. Explosionen in unmittelbarer Nähe, zerborstene Scheiben am angeblich mit Panzerglas gesicherten Mannschaftsbus, ein verletzter Mitspieler – so etwas bekommt niemand über Nacht aus dem Kopf. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach von „Schockstarre“, aber auch er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass am Mittwoch gespielt werden muss. Weil es ja keinen alternativen Termin geben würde …

Explosion in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses

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  • Trotzreaktion: Eine Besucherin am Dienstagabend im leeren Stadion.

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  • Der Mannschaftsbus des BVB wurde bei der Fahrt zum Champions-League-Viertelfinale gegen AS Monaco mit drei Sprengsätzen attackiert.

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  • Sven Bender und Nuri Sahin (v.l.) verfolgen mit ernster Miene den Polizeieinsatz.

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  • Wie geht es weiter? Der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel (2.v.r.), blickt auf sein Smartphone.

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  • Da war noch alles in Ordnung: Mitglieder der Fußball-Mannschaft von Borussia Dortmund und des Betreuerstabes stehen in der Nähe des Teamhotels „L‘Arivee“ um Trainer Thomas Tuchel herum.

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  • Kurz vor der Abfahrt zum Stadion: Spieler von Borussia Dortmund, darunter Pierre-Emerick Aubameyang (l) vor dem Mannschaftshotel.

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  • Der Bus von Borussia Dortmund steht mit einer beschädigten Scheibe an einer Straße in unmittelbarer Nähe des Mannschaftshotels.

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  • BVB-Verteidiger Marc Bartra, der hinten im Bus saß, und ein Polizist, der die Mannschaft auf einem Motorrad begleitete, wurden verletzt.

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  • Der Tatort wurde am Abend abgeriegelt.

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  • Eine Anzeigetafel im Stadion informiert über einen Vorfall mit dem Mannschaftsbus des BVB. 

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  • Die Fans versuchen über ihre Smartphones an mehr Informationen zu kommen oder Kontakt zu Familie und Freunden aufzunehmen.

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  • BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist die Sorge anzusehen: 15 Minuten vor dem geplanten Spielbeginn wird die Partie abgesagt.

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  • Im Stadion wird die Entscheidung verkündet: Das Spiel wird am Mittwoch um 18.45 Uhr nachgeholt.

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  • Schwere Stunden für den BVB: Stadionsprecher Norbert Dickel (l.) Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) im Stadion.

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  • Gespenstische Szene: Im nahezu leeren Stadion legt die Mannschaft des AS Monaco gegen 21.30 Uhr noch eine Trainingseinheit ein.

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  • Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange bei einer Pressekonferenz am späten Abend: Wir gehen von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus.

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  • Staatsanwältin Sandra Lücke erklärt, dass in der Nähe des Busses ein mögliches Bekennerschreiben gefunden wurde. „In dem Schreiben wird Verantwortung für Tat übernommen.“

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  • Die ganze Nacht hindurch wurde am Tatort nach Spuren gesucht.

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  • Die Sprengsätze waren nach ersten Erkenntnissen der Polizei in einer Hecke versteckt.

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  • Dortmund-Fans boten unter dem Hashtag #bedforawayfans Schlafplätze an. So auch BVB-Fan Stefan Kilmer (M.), der dieses Selfie mit Anhängern des AS Monaco bei Twitter postete.

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  • Am Mittwochmorgen wird das Mannschaftshotel des BVB von einem großen Polizeiaufgebot gesichert.

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  • Mit Maschinenpistolen bewachen Polizisten den Tatort.

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  • Das Nachholspiel am Mittwochabend wird unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen stattfinden. So dürfen keine Rucksäcke mit in den Signal-Iduna-Park genommen werden.

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  • Auch das Trainingsgelände des BVB steht am Mittwoch unter besonderer Bewachung.

    Foto: dpa
  • Ein ursprünglich für Mittwoch angesetztes öffentliches Training fällt aus.

    Foto: dpa

Wenig Platz für Menschlichkeit

Vielleicht hätte es ja doch eine andere Lösung gegeben, wenn denn einer die Courage gehabt hätte, aufzustehen, und nach ihr zu suchen. Das wäre menschlich und verantwortungsvoll gewesen. Doch so etwas hat im Hamsterrad Fußball zunehmend weniger Platz. 

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