Fußball: Champions League
Schalke über Schiedsrichter-Schelte auf dem Weg aus dem Dilemma

Gelsenkirchen -

So funktioniert Fußball-Psychologie, so laufen Reflexe der Branche. Das 1:1 gegen den FC Porto in der Champions League werten die Akteure des kriselnden FC Schalke 04 als Fortschritt, der Fokus liegt auf einem Schiedsrichter-Fehler. Doch Königsblau hat noch viel Arbeit vor sich.

Mittwoch, 19.09.2018, 15:03 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 14:46 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 19.09.2018, 15:03 Uhr
Bringt natürlich nichts – die Kritik der Schalker (v.l.) Salif Sané, Naldo, Nabil Bentaleb (verdeckt) und Weston McKennie an der zweiten Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Jesus Gil Manzano war allerdings berechtigt.
Bringt natürlich nichts – die Kritik der Schalker (v.l.) Salif Sané, Naldo, Nabil Bentaleb (verdeckt) und Weston McKennie an der zweiten Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Jesus Gil Manzano war allerdings berechtigt. Foto: Witters

Sie haderten, wie das Mannschaften eben tun, die ohnehin in einer blöden Situation stecken und dazu noch zwei Elfmeter in einem Spiel gegen sich gepfiffen bekommen. Der Unmut des FC Schalke 04 war allerdings verständlich. Diesen Strafstoß eine Viertelstunde vor dem Ende des Comebacks in der Champions League , musste oder durfte Schiedsrichter Jesus Gil Manzano dem FC Porto eigentlich nicht geben. Nein, er durfte es eigentlich auch nicht. „Eine Schwalbe“, urteilte Naldo, der Moussa Marega leicht am Rücken und höchstens minimal am Knöchel touchiert hatte. Den Sturz des Angreifers erklärte weder das eine noch das andere. „Es gab keine Berührung“, schimpfte Trainer Domenico Tedesco . „Das war ein bisschen Comedy“, sagte Sportvorstand Christian Heidel. Otavio verwandelte vom Punkt danach sicher.

Der Frust war groß. Schon der erste Elfmeter beim 1:1 (0:0) gegen die Portugiesen, den Keeper Ralf Fährmann gegen Alex Telles bravourös pariert hatte (13.), wollte nicht jeder Königsblaue wahrhaben. In diesem Fall aber sprang die Kugel Naldo an den ausgefahrenen Arm. Tedescos etwas seltsame Argumentation („Nachdem ich den ersten gegeben habe, kann ich den zweiten nicht geben“) greift zwar kaum. Doch wer in seiner Lage steckt, dem tut eine Entscheidung wie die des spanischen Referees doppelt weh.

Durch die Führung durch Breel Embolo (64.) nach einem perfekt inszenierten Gegenstoß wähnte sich der Gastgeber nah am zuvor beschworenen Turnaround. „Eine Explosion“ hatte Heidel erwartet. Die Unterstützung von den Rängen war bedingungslos, der Wille der auf dem Rasen spürbar. Doch bei allem Ärger über den fatalen Pfiff und der korrekten Einschätzung, dass Porto als Gruppenkopf keineswegs übermächtig war – S04 ist doch noch ein ganzes Stück entfernt von der Form und der Disziplin, die in der vergangenen Spielzeit immer wieder Matchglück und vor allem günstige Spielverläufe erzwangen.

Der Aufbau beschränkte sich auch am Mittwoch meist auf lange oder unpräzise Bällen. Im Mittelfeld, wo „Spätkauf“ Sebastian Rudy diesmal nicht benötigt wurde, fehlt es an Struktur, Tempo und Verantwortung. Ein Umschaltspiel fand, abgesehen vom Tor, kaum statt, weil gerade die Außen selten nachrückten. Diese Faktoren funktionierten monatelang wie am Schnürchen, brachten oft Führungen mit sich und begünstigten das clevere und nahezu fehlerfreie Verteidigen, das die Gelsenkirchener ausmachte. Doch selbst in diesem Punkt gibt es Nachholbedarf. Naldo patzte ja vor dem zweiten Strafstoß in der Ballannahme böse. In der Vorsaison war dem Brasilianer das so gut wie nie passiert.

Wenn Kampfgeist und Engagement der einzige Weg aus dem Dilemma sind, dann besteht für Schalke dennoch Hoffnung. „Wir haben wieder das Gesicht der Vorsaison gezeigt“, befand Fährmann. „Wir haben einen Punkt geholt gegen einen richtig guten Gegner.“ Etwas euphorisch bewertet vielleicht, aber auch nicht ganz falsch. „Ich habe viele positive Signale gesehen. Bis zum 1:0 haben wir gut gespielt, danach waren wir etwas passiv“, sagte Tedesco. Ein Spiel Schonfrist bleibt ihm noch. Am Samstag (18.30 Uhr) kommen die Bayern, da sind die Knappen klarer Außenseiter. Danach aber werden Siege zur Pflicht. Und zwar in allen Wettbewerben. Fährmann sieht’s ähnlich: „Dann kommen die Wochen, in den wir punkten müssen.“

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