Fußball: Champions League
BVB nach dem Aus gegen Tottenham: Letzte Ausfahrt Bundesliga

Dortmund -

Sie rannten eine Halbzeit lang an, spielten brillant, zeigten Leidenschaft. Doch sie trafen nicht. Als Harry Kane das tat, waren die Profis von Borussia Dortmund erledigt. Doch nur für den Augenblick. Nun gilt die Konzentration der Bundesliga, die Königsklasse ist mit dem 0:1 gegen Tottenham abgehakt.

Mittwoch, 06.03.2019, 17:16 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 17:30 Uhr
Eine Halbzeit lang spielte Dortmund am Dienstagabend mit viel Sturm und Drang. In dieser Szene setzt sich Kapitän Marco Reus gegen Tottenham-Verteidiger Serge Aurier durch.
Eine Halbzeit lang spielte Dortmund am Dienstagabend mit viel Sturm und Drang. In dieser Szene setzt sich Kapitän Marco Reus gegen Tottenham-Verteidiger Serge Aurier durch. Foto: TayDucLam

Am Ende, als die elfte Stunde längst geschlagen hatte und der Abend in die Nacht überging, rückten alle auf und vor der Südtribüne ganz eng zusammen. In einem weiteren Moment großer Enttäuschung feierten Dortmunds treueste Fans die Verlierer wie Gewinner. Die Botschaft des BVB-Anhangs nach dem 0:1 gegen Tottenham Hotspur und dem Abflug aus der Champions League : Mund abwischen, weitermachen, es gibt ja noch die Bundesliga. Teamkapitän Marco Reus reagierte beeindruckt auf den Reflex des Publikums. „Das war Weltklasse, ich hatte eine Gänsehaut“, sagte er.

Es wird die erste seit einiger Zeit gewesen sein. Die Tage, an denen der BVB vor Glück schäumte und es kaum fassen konnte, liegen nun doch schon ein bisschen zurück. Mit dem Pokal-K.o. gegen Bremen ist die Mannschaft aus dem Tritt geraten. Bei der Ursachenforschung nahm Trainer Lucien Favre am Dienstagabend eine sehr oberflächliche Ersteinschätzung vor. „Wir kriegen zu viele unnötige Tore und machen aus unseren Chancen zu wenig“, konstatierte der 61-Jährige.

Im Grunde hat Favre ja Recht. Von den letzten acht Pflichtspielen gewann Dortmund nur eines, dreimal blieb die erfolgreichste Offensive der Bundesliga ohne eigenes Tor, nur beim Schlusslicht Nürnberg hielt die Null. Das ist mittelmäßig, weit entfernt vom eigenen Anspruch. Und weit entfernt vom mitunter zauberhaften Fußball der Hinrunde. „Wir waren gut. Aber damals lief auch wirklich alles für uns“, erklärt Favre.

Gegen Tottenham war Dortmund eine Halbzeit lang sehr gut. Die Mannschaft legte sich gewaltig ins Zeug, phasenweise spielte sie brillant, doch im Strafraum des Gegners nahm ihr Spurs-Keeper Hugo Lloris das Lächeln. Der französische Weltmeister gab in Duellen mit Reus, Julian Weigl und Mario Götze einen wahren Teufelskerl, Lloris war der Mann des Abends. Und stellte sogar Harry Kane in den Schatten. Der Nationalspieler beendete kurz nach der Pause mit einem blitzsauberen Einschlag den Dortmunder Traum vom Fußball-Wunder. Fortan war Ruhe im Hexenkessel, das 0:1 hatte nicht nur der Mannschaft, sondern auch dem Publikum den Stecker gezogen. Erst nach Schlusspfiff, als sich die Profis von den Fans verabschiedeten und alle begriffen hatten, dass jetzt nur noch die Bundesliga bleibt, wurde auf den Rängen wieder gesungen. Von der Meisterschaft, da lag sehr viel Trotz in den Zeilen. Schon am Samstag geht es für Dortmund im Heimspiel gegen Stuttgart weiter. Auf dem Weg zur Titel-Sensation hatte der BVB ehemals neun Punkte Vorsprung auf Rekordmeister Bayern München. Aktuell sind es noch zwei Törchen. „Ab Samstag müssen wir liefern“, sagt Marco Reus, „auch für unsere Fans. Sie haben uns lange Kredit gegeben. So etwas gibt es nur hier.“

Natürlich war auch Favre beeindruckt vom Wohlwollen der Anhänger. Doch eine halbe Stunde nach Spielschluss flogen seine Gedanken zurück auf den Platz. „Ich habe viele positive Sachen gesehen“, meinte der Coach, „diese Qualifikation für das Viertelfinale haben wir im Hinspiel und nicht heute verloren.“

Später, als die zwölfte Stunde fast verstrichen war, wurde Favre noch gefragt, ob das Ausscheiden vielleicht auch eine gute Seite habe, weil man nun nur noch auf einer Hochzeit tanze. Im Gegensatz zu Titelkonkurrent Bayern, der noch mit drei Bräuten beschäftigt sei. „Glauben sie mir“, wich der Trainer aus, „ich wollte, die Situation wäre anders.“

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