Champions League
«Beste Nacht meines Berufslebens»: Klopp hat endlich den Cup

Der FC Liverpool und sein deutscher Trainer Jürgen Klopp sind am Ziel: Durch einen 2:0-Finalsieg gegen Tottenham gewannen sie am Samstagabend die Champions League. Für Klopp ist der bislang größte Erfolg seiner Karriere eine Genugtuung.

Sonntag, 02.06.2019, 11:26 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 11:56 Uhr
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp wurde nach dem Finalsieg von seinen Spielern auf Händen getragen.
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp wurde nach dem Finalsieg von seinen Spielern auf Händen getragen. Foto: Jan Woitas

Madrid (dpa) - In enger Umarmung standen Jürgen Klopp und Jordan Henderson vor der roten Wand der feiernden Liverpool-Fans. Der deutsche Trainer hatte dabei Tränen in den Augen, sein Kapitän weinte wie ein Kind.

Nach zwei verlorenen Europacup-Endspielen und einem besonders bitteren zweiten Platz in der englischen Meisterschaft hat der FC Liverpool endlich einen großen Pokal in den Händen. Der Champions-League-Sieger 2019 kommt nach einem 2:0-Endspiel-Erfolg gegen Tottenham Hotspur von der Merseyside.

«Das ist die beste Nacht meines Berufslebens», rief Klopp im Stadion Wanda Metropolitano in Madrid in eines der ersten TV-Mikrofone, das ihm hingehalten wurde. Wenig später bei der Pressekonferenz zu diesem Finale klang der 51-Jährige dann schon gefasster. «Es fühlt sich richtig gut an, aber ich selbst bin deutlich ruhiger, als ich das von diesem Moment immer erwartet habe», sagte er. «Es war für mich persönlich nicht so wichtig, den Pokal zu berühren. Ich freue mich über alle Bilder, in denen meinen Spieler ihn in der Hand halten.»

Liverpool gewinnt die Champions League

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  • Zur Kulthymne «You‘ll never walk alone» stemmte Jürgen Klopp den Henkelpokal in den Nachthimmel von Madrid und schrie seine Freude heraus.

    Foto: Jan Woitas
  • Dann wurde er von seinen Liverpooler Spielern zur Fankurve getragen und in die Höhe geworfen.

    Foto: Jan Woitas
  • Ein frühes Elfmetertor von Mohamed Salah (2. Minute) und ein später Treffer von Divock Origi (87.) bescherten den Reds nach zwei verlorenen Europacup-Endspielen 2016 und 2018 sowie dem zweiten Platz in der englischen Meisterschaft die verdiente erste Trophäe der Ära Klopp und den sechsten Erfolg im wichtigsten Vereinswettbewerb insgesamt.

    Foto: Mike Egerton
  • Das Motto für die Nacht gab der starke Verteidiger Joel Matip (2.v.r.) vor.

    Foto: Jan Woitas
  • Vor 63.272 Zuschauern im Stadion Wanda Metropolitano gab der slowenische Schiedsrichter Damir Skomina schon nach 24 Sekunden einen Handelfmeter für Klopps Team.

    Foto: Joe Giddens
  • Tottenhams Moussa Sissoko hatte seinen Arm viel zu weit vom Körper weggestreckt, Liverpools Sadio Mané schoss ihn im Strafraum an.

    Foto: Jan Woitas
  • Jürgen Klopp hat es geschafft. Nach sechs verlorenen Endspielen holt er mit Liverpool die Champions League. Es ist der erste Titel für die Reds in der Ära Klopp. Ein frühes Elfmetertor von Salah und ein später Treffer von Origi entscheiden ein ansonsten schwaches Spiel.

    Foto: Manu Fernandez
  • Auf der Gegenseite: Origi traf aus halblinker Position eiskalt.

    Foto: Martin Rickett
  • Da half auch das Comeback von Kapitän Harry Kane nicht. Der Stürmerstar hatte seine Knöchelverletzung rechtzeitig auskuriert und war anstelle des Halbfinal-Helden Lucas Moura (drei Tore gegen Ajax Amsterdam) ins Team gerückt.

    Foto: Francisco Seco
  • Die Klopp-Elf ließ in den ersten 45 Minuten nicht eine echte Torchance zu, hatte auf der Gegenseite aber auch nur einen gefährlichen Schuss durch Andrew Robertson (38.).

    Foto: Jan Woitas
  • Auch im zweiten Durchgang lebte das Spiel mehr von der Spannung als von der Qualität. Eine Passquote von zwischenzeitlich nur 68 Prozent konnte Klopp nicht gefallen. Die Spurs, die mehr Ballbesitz-Anteile hatten, scheuten lange das Risiko, und hatten entsprechend kaum Abschlüsse.

    Foto: Jan Woitas
  • Für so ein großes Finale war das Team aus London alles in allem zu schwach. Als die Spurs sehr spät alles nach vorne warfen, entschied Origi das Spiel.

    Foto: Jan Woitas

Der FC Liverpool gewann die wichtigste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs schon zum sechsten Mal. Die Geschichte dieses Vereins ist so eindrucksvoll, dass die beiden verlorenen Finals 2016 (Europa League) und 2018 ( Champions League ) dem Renommee der «Reds» nicht viel anhaben können. Bei Klopp persönlich war das anders. Inklusive seiner Zeit bei Borussia Dortmund hatte er bis zu diesem Abend sechs Endspiele nacheinander verloren. Seit den Toren von Mohamed Salah (2./Handelfmeter) und Divock Origi (87.) kann ihm niemand mehr nachsagen, dass er keine großen Spiele gewinnen könne. Jetzt steht Klopp in einer Reihe mit Namen wie Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld.

Seine Genugtuung darüber ließ er nach dem Spiel in einem Interview heraus. «Es gibt immer ein paar Leute, die sagen dir: Yeah, aber du hast ja nie gewonnen», meinte Klopp da. Und fing in leichter Abwandelung eines 90er-Jahre-Hits auf einmal an zu singen: «Let's talk about six, Baby!» Gemeint war der sechste Champions-League-Titel seines LFC.

«Er ist ein fantastischer Manager. Er ist aber auch ein fantastischer Mensch», sagte sein niederländischer Abwehrspieler Virgil van Dijk über Klopp. «Ich bin sehr stolz darauf, dass wir zusammen diesen Pokal für diesen großartigen Club gewonnen haben.» Auch Joel Matip, der einzige deutsche Spieler in diesem Champions-League-Finale, meinte nach dem Spiel: «Ich freue mich riesig für Jürgen Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.»

Liverpool gegen Tottenham wird als eines der schwächsten Endspiele der vergangenen Jahre in die Champions-League-Geschichte eingehen. Bei ihrer 1:3-Niederlage gegen Real Madrid vor einem Jahr spielten die «Reds» besser als diesmal gegen die «Spurs». Doch durch Siege wie gegen den FC Barcelona (4:0) oder Bayern München (3:1) hat sich Liverpool diesen Titel im Laufe des Wettbewerbs mehr als verdient.

Am Sonntagnachmittag wollen mehrere hunderttausend Menschen das Team zu einer gigantischen Siegesfeier in Liverpool empfangen. Und geht es nach Klopp, hat der LFC mit dem Titel-Gewinnen gerade erst angefangen. «Ich hatte gerade Pep Guardiola am Telefon», sagte er über den Trainer des großen Meisterschaftsrivalen Manchester City, der am Ende der Premier-League-Saison nur einen Punkt mehr hatte als Liverpool. «Wir haben uns versprochen, uns auch nächste Saison wieder gegenseitig in den Hintern zu treten. Wir werden wieder alles versuchen und sehen, ob wir wieder etwas gewinnen können.»

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