Fußball: Champions League
Hakimi ist Dortmunds Gladiator beim irren Triumph über Inter

Dortmund -

Die erste Hälfte nicht katastrophal, aber ernüchternd. Die zweite – ein irrer Rausch. Borussia Dortmund drehte einen 0:2-Rückstand zur Pause gegen Inter Mailand zu einem 3:2-Sieg und kann so aus eigener Kraft ins Achtelfinale der Champions League einziehen. Überragend, nicht nur wegen seiner Tore: Achraf Hakimi.

Mittwoch, 06.11.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 16:53 Uhr
Auf der Band und vor den Fans: Achraf Hakimi lässt sich nach dem Tor zum 3:2 feiern.
Auf der Band und vor den Fans: Achraf Hakimi lässt sich nach dem Tor zum 3:2 feiern. Foto: imago images/Uwe Kraft

Und dann hatte Dortmunds Dauerläufer Achraf Hakimi sogar noch Kraft für ein kurzes Tête-à-Tête mit den Fans auf der Bande. Freistehend und mit ausgebreiteten Armen ließ er sich nach seinem Siegtreffer zum 3:2 (77.) von den johlenden Anhängern auf derWesttribüne feiern. Die Nummer war zirkusreif und einer von vielen spektakulären Momenten in dieser entfesselten Partie mit Inter Mailand . Mittendrin Hakimi, der Verteidiger, der Stürmer, der Marathonmann, der Doppeltorschütze, der Gladiator, der Albtraum für die Italiener. „Er war heute überall“, konstatierte BVB-Trainer Lucien Favre am Dienstagabend zu weit vorgerückter Stunde.

Der junge Marokkaner, am Montag 21 Jahre alt geworden, spielt im zweiten Jahr für den BVB . Er ist ausgeliehen von Real Madrid, im Sommer 2020 endet das Geschäft mit den „Königlichen“. Hakimi hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er dann gern zurückkehren würde. „Ich bin in Madrid aufgewachsen, es ist meine Heimat“, sagte er schon in der vergangenen Saison. Es spricht vieles dafür, eigentlich sogar alles, dass die Dinge so kommen, wie es sich Hakimi wünscht. Dortmund wird keine Chance haben, diesen schon in jungen Jahren außergewöhnlichen Fußballer zu halten. Bescheiden ist er auch noch. Nach seinem bislang besten Spiel für den BVB erklärte er: „Ich habe viel gearbeitet und freue mich, dass ich der Mannschaft mit meinen Toren helfen konnte.“

Dies nicht zum ersten Mal, schon beim mühsamen 2:1 in Prag glänzte Hakimi als Bester und zweifacher Torschütze. Der stürmende Verteidiger ist Dortmunds Lebensversicherung in dieser Champions-League-Saison. „Er spürt die Situationen. Das hat er heute sehr, sehr gut gemacht“, meinte Ausbilder Favre nach dem Erfolg über Mailand.

Natürlich war der zweite Dreier in der laufenden Runde nicht ganz allein Hakimis Verdienst. Die ganze Mannschaft spielte sich nach enttäuschender erster Halbzeit (0:2) in einen irren Rausch. „Es war klar, dass nichts verloren war. Bei einem 0:2 kannst du immer zurückkommen“, verriet Favre über die Stimmung in der Pause. Hakimis erster Streich sechs Minuten nach Wiederanpfiff gab Dortmund Selbstvertrauen, Energie, Witz und somit den finalen Anschub. Mit diesem Tor verlor Inter die Ordnung und den Spaß am Spiel. Der BVB drückte – und – ganz wichtig – er eroberte 90 Prozent der so genannten zweiten Bälle. Das brachte die Gäste in Dauerstress und schlussendlich die Wende. „Es fühlt sich gerade brutal gut an“, sagte Julian Brandt, Schütze des Ausgleichs nach 64 Minuten.

Hakimi und der offenbar unerschütterliche Glaube trieben Dortmund an diesem berauschenden Champions-League-Abend voran. Sogar Favre, dieser eigentlich so nüchterne und in sich gekehrte Coach, griff irgendwann aktiv ein und ruderte weit außerhalb seiner Box mit den Armen. „Wir sind immer positiv geblieben, es war ein schönes Spiel“, sagte er später. Brandt erklärte die krass unterschiedlichen Halbzeiten „mit der Entwicklung, in der wir noch stecken.“ Lässig fügte der Nationalspieler hinzu: „Wenn jetzt schon alles perfekt wäre, wäre es ja auch ein bisschen langweilig.“

Nun, Dortmund hat die Krise überstanden und der mitunter gescholtene Favre sie als Trainer des Teams überlebt. Am Samstag geht es für den BVB zum Klassiker nach München, dort werden am Dienstag alle sehr genau hingeschaut haben. Favre war noch nicht bereit für den Blick nach vorn. „Heute reden wir nicht über München, heute freuen wir uns. Fertig.“

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