Fußball: Champions League
Bürki-Gala mit Gänsehaut führt BVB zum Geldtopf

Dortmund -

Am Abend der großen Erleichterung und Freude sollten die komplizierten Aspekte nicht im Vordergrund stehen. Doch Lucien Favre, der Trainer von Borussia Dortmund, wusste natürlich genau, dass auch beim 2:1 gegen Slavia Prag Sand im Getriebe war. Vor allem Keeper Roman Bürki rettete dem BVB das Achtelfinale der Champions League.

Mittwoch, 11.12.2019, 15:54 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 16:02 Uhr
Sprunggewaltiger Schweizer: Roman Bürki fischte alles runter, was unmittelbar in die Nähe seines Strafraums kam.
Sprunggewaltiger Schweizer: Roman Bürki fischte alles runter, was unmittelbar in die Nähe seines Strafraums kam. Foto: dpa

Als die Frage gestellt wurde, die vielen auf der Zunge lag, lächelte Lucien Favre beinahe sanft und blies die Kritik eiskalt weg. Also: Was läuft schief in einem Spiel, in dem der Gegner, in diesem Fall Slavia Prag , ein halbes Dutzend erstklassiger Chancen hat und sich niemand beklagen kann, wenn er vier oder fünf Tore schießt? Dem Dortmunder Trainer gefiel dieser Einwurf nun gar nicht. Gerade doch erst hatte er mit seinen Spielern freudetrunken ob des Einzugs ins Champions-League-Achtelfinale vor der Südtribüne gestanden und jeden einzeln väterlich abgeklatscht oder umarmt. Nein, Favre mochte keine Kritik hören, nicht an diesem Abend. „Wir müssen positiv reden. Auch für Barcelona und Inter war es schwer gegen Prag“, sagte der Schweizer und beschrieb dann noch die Qualitäten der Tschechen in epischer Ausführlichkeit. Zur Leistung der eigenen Defensive: kein Wort.

Natürlich waren alle beim BVB am Dienstagabend zu weit vorgerückter Stunde entspannt und selig wie schon seit einiger Zeit nicht mehr. Das 5:0 drei Tage zuvor gegen Düsseldorf – geschenkt. Dieses mühsame 2:1 gegen Prag besaß einen weitaus höheren Stellenwert. Dortmund flötet weiter mit im Konzert der Großen. Und finanziell war der Einzug ins Achtelfinale ja auch nicht zu verachten. 9,5 Millionen Euro zahlt die Uefa allein für diesen Schritt, ein feines Weihnachtsgeld.

Vielleicht spielte der BVB in der besten und schwierigsten Vorrundengruppe. Favre wies am Dienstag noch einmal explizit darauf hin: „Alle haben das direkt nach der Auslosung gesagt.“ Somit ist dem Bundesligisten das Weiterkommen hoch anzurechnen. Dass es mehrfach an einem ganz dünnen Faden hing, ist Teil der Wahrheit. Im Heimspiel gegen Inter lag Dortmund zur Halbzeit 0:2 zurück und blickte schon in den Abgrund. Am Dienstag bedurfte es zwingend der Schützenhilfe des bereits qualifizierten FC Barcelona. Die Spanier lieferten beim Pool-Finale in Mailand, Ende gut, alles gut. Wirklich?

Sehr leicht hätten die Missstände, über die Favre nicht sprechen wollte, ins Abseits führen können. Der BVB verteidigte gegen Prag schwach, fahrlässig und mitunter undiszipliniert. Am Ende hielt Bürki ganz allein den „Dreier“ fest. Mit exzellenten Paraden verdiente sich der Torhüter eine Eins mit Sternchen, die Zuschauer feierten den Schweizer schon während des Spiels. Später huldigte ihm die Südtribüne, ein besonderer Moment für den Torhüter: „Ich hatte Gänsehaut und musste mich zusammenreißen, damit mir vor Freude nicht die Tränen kamen.“

Bürki und Barcelona haben den BVB vor dem Abstieg in die Europa League bewahrt. Und Lucien Favre erst einmal aus der Schusslinie genommen. Nach dem 3:3 gegen Paderborn vor knapp drei Wochen war der Coach angezählt. Ob zu Recht oder zu Unrecht – es ist sehr schwierig, da seriös Position zu beziehen. Mit einigem Glück entwickeln sich die Dinge aktuell in die gewünschte Richtung. Favre sieht das mit großer Freude. Aber er ist wachsam genug, um weiterhin bestehende Defizite nicht zu ignorieren. Schon am Mittwoch wird er mit der Mannschaft über die Lösung der Abwehrschwächen geredet haben. Es gab einiges zu besprechen.

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