Champions League
Flick schwärmt von Talent Musial: «Sehr hoch geschätzt»

Nach 15 Siegen in Serie gehen die Bayern in der Champions League mal wieder nicht als Gewinner vom Platz. Den Trainer stört's nicht. Hansi Flick bekommt vor dem Liga-Gipfel gegen Leipzig, was er will: Erholte Topspieler, wertvolle Erkenntnisse, Debüts - und ein Joker-Tor.

Mittwoch, 02.12.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 12:05 Uhr
Keine Angst vor den Atlético-Stars: Bayerns Jamal Musiala (l) und Madrids Joao Felix.
Keine Angst vor den Atlético-Stars: Bayerns Jamal Musiala (l) und Madrids Joao Felix. Foto: Bernat Armangue

Madrid (dpa) - Bright Arrey-Mbi sicherte sich an seinem bislang größten Fußballabend ein besonders begehrtes Erinnerungsstück.

Der mit 17 Jahren und 250 Tagen nun jüngste Champions-League-Debütant des FC Bayern überredete in Madrid nach dem 1:1 (0:1) Atléticos über 120 Millionen Euro teuren Jungstar und Torschützen João Félix nach dem Abpfiff zum Trikottausch. Die Trophäe wird das Verteidigertalent auf ewig an ein Fußballmatch erinnern, in dem für Trainer Hansi Flick «alles aufgegangen» war, was er sich vor dem Bundesliga-Topspiel gegen den Titelkonkurrenten RB Leipzig erhofft hatte.

Flick konnte nach dem schon vorher feststehenden Einzug des Titelverteidigers ins Achtelfinale inklusive Gruppensieg zahlreiche Topspieler schonen, taktisch mit einer Dreierkette experimentieren und neben Akteuren aus der zweiten Reihe wie Torwart Alexander Nübel gleich mehrere Youngster auf der internationalen Bühne erproben.

Dass dabei 100 Tage nach dem Champions-League-Triumph von Lissabon die Münchner Rekordserie nach 15 Königsklassensiegen hintereinander riss, wurmte den Triple-Coach dabei kein bisschen. «Es war ein gelungener Abend für uns», frohlockte Flick vielmehr im Atlético-Stadion: «Wir haben einiges gesehen, was uns für die Zukunft froh macht.»

Das galt für Arrey-Mbi, auch wenn der sehr bemühte Debütant vor dem Gegentor seines schon berühmten Trikottauschpartners João Félix (21) den Vorlagengeber Marcos Llorente entwischen ließ. Auch der ebenfalls erst 17-jährige Jamal Musiala durfte erstmals in der Königsklasse in der Startelf ran. Und in der Schlussphase konnte auch noch Angelo Stiller (19) im Mittelfeld erste Champions-League-Minuten sammeln.

«Die jungen Spieler haben ihre Sache gut gemacht», urteilte Flick zunächst pauschal. Arrey-Mbi habe als gelernter Innenverteidiger seine Aufgabe auf der linken Abwehrseite ordentlich erfüllt. Stiller lobte er als Ballverteiler. Aber am nachhaltigsten machte der in dieser Saison schon zehnmal im Münchner Starensemble eingesetzte Musiala auf sich aufmerksam. Flick, der öffentliche Einzelkritik nicht mag, schwärmte geradezu von dem Youngster, der 2019 zusammen mit Arrey-Mbi aus dem Nachwuchs des FC Chelsea nach München kam.

Musiala agierte im zentralen Mittelfeld ballfertig und mutig - fast schon reif. «Jamal spielt bei uns in einer Mannschaft, die wirklich gespickt ist mit Topspielern. Er ist auch bei diesen Spielern sehr hoch geschätzt», verriet Flick zum Status von Musiala, der bis Dienstag jüngster Bayern-Debütant in der Champions League war.

«Er hat enorme Ruhe und Qualität am Ball, er ist im Dribbling und im Eins-gegen-Eins schwer zu stoppen», referierte Flick. «Er muss natürlich körperlich noch etwas zulegen. Aber was fußballerisch zu sehen ist, da kann der FC Bayern München sehr zufrieden sein.»

Die Niederlage abwenden mussten im Estadio Metropolitano aber dann doch zwei erfahrene Topkräfte, die als Joker von der Bank kamen. «Wir haben mit Thomas Müller ein bisschen mehr Dynamik in unserem Spiel nach vorne gehabt, auch durch Serge Gnabry», sagte Flick über das Offensivduo. Gnabry spielte auch den Pass auf Müller, bevor dieser im Strafraum gefoult wurde und vom Elfmeterpunkt das späte Tor zum 1:1 erzielte. So endete der Abend nicht nur für Arrey-Mbi erfreulich.

«Man darf nicht vergessen, wir hatten viele Veränderungen im Team und viele junge Spieler auf dem Platz, die ihre ersten Spiele in der Champions League gemacht haben», gab Eric Maxim Choupo-Moting zu bedenken, der im Angriff Robert Lewandowski vertreten durfte. «Es war ein Fight, wir haben uns ins Spiel gebissen», sagte Choupo-Moting.

Im Liga-Gipfel gegen den Tabellenzweiten Leipzig übernehmen beim Spitzenreiter am Samstag (18.30 Uhr/Sky) dann wieder die erholten Erfolgsgaranten wie Neuer, Lewandowski, Goretzka, Boateng, Coman sowie die Kurzarbeiter von Madrid wie Müller und Gnabry. «Es ist alles aufgegangen. Alle sind fit. Das war für uns das wichtigste neben dem Ergebnis», resümierte Flick nach dem Abend der Talente.

© dpa-infocom, dpa:201202-99-543068/2

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