Zwei Helden von Berlin im Jahr 1989
BVB-Angreifer Dickel und Mittelfeldspieler Breitzke schrieben Pokalgeschichte

Münster -

Das ist Fußball: Manchmal genügt ein einziges Spiel, um Legende zu werden. Norbert Dickel kam sogar mit 77 Minuten aus. So lange stand er im Pokalendspiel 1989 auf dem Platz. Als er von der Wiese humpelte, war die Begegnung entschieden. Borussia Dortmund gewann 4:1 gegen Werder Bremen, Dickel trug mit zwei Toren maßgeblich zum Triumph bei. Dabei war mit der Aufstellung des Stürmers gar nicht gerechnet worden. Im Halbfinale gegen Stuttgart hatte sich Dickel einen Meniskusabriss zugezogen, es folgten sechs Wochen Reha, eine einzige Trainingseinheit absolvierte er vor dem Finale.

Freitag, 11.05.2012, 14:05 Uhr

Zwei Helden von Berlin im Jahr 1989  : BVB-Angreifer Dickel und Mittelfeldspieler Breitzke schrieben Pokalgeschichte
Günter Breitzke freut sich 1989 über den Pokalsieg. Foto: dpa

Für die BVB-Fans ist Dickel seither ein Held. Sie verehren ihn, weil er am 24. Juni 1989 die Knochen hinhielt für den Verein ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit: In der Saison nach dem Pokalcoup musste er seine Karriere wegen chronischer Kniebeschwerden beenden. Dickel sieht die Dinge weniger dramatisch. „Ach“, hat er in Interviews oft gesagt, „das Knie war doch eh im Eimer.

Außerdem hat das Finale mein Leben verändert – zu meinem Glück.“ Dickel war 27, als er mit dem BVB den Pott gewann. Günter Breitzke , einer seiner Mitspieler, erst 21. Ein dürrer Jungspund ohne Angst und Respekt vor großen Namen. Der Ball war sein Freund. Wenn er ihn hatte, wollte er ihn gar nicht mehr hergeben, ein Straßenfußballer. Ein Dribbler vor dem Herrn, wie sie im Ruhrgebiet sagen.

Auch das ist Fußball : Manchmal reichen zwei, drei richtig gute Jahre aus, um den Boden unter den Füßen zu verlieren. Günter Breitzke genoss Anerkennung und Ruhm, protzte mit dicken Autos, leistete sich teure Klamotten und hörte mehr auf falsche als auf echte Freunde. „Günter war ein toller Fußballer und ein richtig netter Kerl. Aber ein bisschen naiv“, sagt Frank Mill, auch ein Dortmunder „Held von Berlin “.

dickel

Norbert Dickel, heute Stadionsprecher beim BVB, hatte 1989 mit zwei Treffern maßgeblichen Anteil am Dortmunder 4:1-Pokalfinalsieg gegen Werder Bremen.

1992 verließ Breitzke den BVB und wechselte in die Zweite Liga zu Fortuna Düsseldorf. Diesen Schritt hat er oft bereut und ihn immer wieder als „größten Fehler meines Lebens“ beschrieben. Sportlich ging es mit Breitzke, der am Ball ein Meister war, eine Ausbildung zum Maler aber nicht zu Ende brachte, zunehmend bergab. Und irgendwann war auch das Geld aus, der 44-Jährige fiel tief, bekam keine Arbeit nach der Fußball-Karriere, zog zurück in die kleine Wohnung seiner Eltern in Köln, meldete sich arbeitslos und bezog „Stütze“.

Norbert Dickel hat Borussia Dortmund nie verlassen. Der Tausendsassa mit Kultstatus ist beim Deutschen Meister im Event-Management tätig, poltert bei BVB-Spielen im Internet-Radio und ist seit über 20 Jahren Stadionsprecher. Gelegentlich kreuzen sich die Wege der 89er Pokalhelden noch, bei Spielen der Traditionself beispielsweise.

Beim Endspiel 2008 zwischen Dortmund und dem FC Bayern saßen sie in Berlin sogar alle in einer Reihe – auf Einladung des Clubs. Norbert Dickel ist auch morgen wieder dabei. Günter Breitzke nicht. Diesmal hat er keine Post bekommen. Aber wenigstens hat er wieder Arbeit. „Ich putze, Gebäudereinigung“, sagte er am Donnerstag kurz und knapp. Über das, was vor 23 Jahren war und sein Leben danach, möchte er nicht mehr reden.

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