Fußball: DFB-Pokal
Werder nach bitterem Elfmeter-Aus gegen Bayern vereint in Stolz und Schmerz

Bremen -

Der Frust bei Werder Bremen war riesengroß. Die Fehlentscheidung, die zum Pokal-Aus im Halbfinale führte, erhitzte auch am Tag danach noch die Gemüter. Die Bayern lachten sich nach dem 3:2 ins Fäustchen, ganz Deutschland diskutierte einmal den Videobeweis.

Donnerstag, 25.04.2019, 18:02 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 18:54 Uhr
Die Szene, die Emotionen hochkochen ließ: Die Bremer (von li.) Max Kruse, Davy Klaassen, Niklas Moisander, Maximilian Eggestein und Milot Veljkovic bestürmen Schiedsrichter Daniel Siebert, nachdem dieser auf Strafstoß gegen Werder entschieden hat.
Die Szene, die Emotionen hochkochen ließ: Die Bremer (von li.) Max Kruse, Davy Klaassen, Niklas Moisander, Maximilian Eggestein und Milot Veljkovic bestürmen Schiedsrichter Daniel Siebert, nachdem dieser auf Strafstoß gegen Werder entschieden hat. Foto: ValeriaWitters

Das Spiel war längst beendet, doch die Zuschauer im Weserstadion wollten einfach nicht nach Hause gehen. Und als der Stadionsprecher die Werder-Fans animierte, den „moralischen Sieger“ des Abends zu feiern, brandete lauter Jubel auf. Dabei hatten die Bremer ein in mancherlei Hinsicht denkwürdiges, hochdramatisches Pokal-Halbfinale gegen Bayern München mit 2:3 (0:1) verloren und waren damit ausgeschieden.

Es war der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert in der 78. Minute, der die Emotionen hochkochen ließ. Während eines Laufduells kam Bayerns Kingsley Coman nach einem leichten Ellenbogenstoß des Bremers Theodor Gebre Selassie im Strafraum zu Fall. Robert Lewandowski verwandelte den Strafstoß zum 3:2 (80.) für die Münchner.

„Aus schiedsrichterfachlicher Sicht halten wir die Entscheidung für nicht korrekt“, sagte auch DFB-Videoschiesrichter-Boss Jochen Drees. „Sicher gab es einen Kontakt, aber es gab keinen richtigen Stoß. Das war nie und nimmer ein Elfmeter“, so SVW-Sportchef Frank Baumann . Werder fühlte sich durch die Entscheidung um den Lohn seiner leidenschaftlichen Aufholjagd betrogen, nachdem Yuya Osako (74.) und Milot Rashica (75.) einen 0:2-Rückstand nach Toren von Lewandowski (36.) und Thomas Müller (63.) egalisiert hatten.

Selbst Bayern-Trainer Robert Kovac räumte ein, dass es eine harte Entscheidung gewesen sei. „Wenn der Schiedsrichter nicht gepfiffen hätte, hätten wir uns nicht beklagen können.“

Kommentar: System ohne Sinn

Der Videobeweis im Fußball sollte dazu dienen, strittige Entscheidungen zu vermeiden. In Bremen wurde diese Intention ad absurdum geführt. Schiedsrichter Daniel Siebert verzichtete darauf, seinen (falschen) Pfiff zu überprüfen, und auch ­Video-Assistent Robert Kampka blieb im Kölner Keller stumm – das hatte fatale Auswirkungen für Werder. Die Fehlentscheidung macht deutlich: Wenn es an Kompetenz fehlt, den Videobeweis zu nutzen, sollte man schleunigst nachbessern und in die Ausbildung der Bediener investieren. So, wie am Mittwochabend geschehen, macht das System keinen Sinn.

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Werders nachvollziehbare Wut richtete sich nicht nur gegen den Unparteiischen, sondern auch gegen Videoassistent Robert Kampka, der in der strittigen Szene offenbar keinen Anlass sah zu intervenieren. „Der Video-Schiedsrichter muss sich wohl sehr sicher gewesen sein. Das ist unfair, das ist schwer zu begreifen, das tut richtig weh“, fand Werders Maximilian Eggestein in seinem Frust kaum Worte.

Baumann fühlte sich an das 0:2 im Halbfinale 2016 erinnert, als den Bayern ein höchst fragwürdiger Foulelfmeter nach einer „Schwalbe“ von Arturo Vidal zugesprochen worden war. „Damals“, so Baumann, „hatten wir keinen Video-Assistenten. Heute gibt es einen, wir nutzen ihn aber nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen.“

Auch Trainer Florian Kohfeldt haderte mit der Entscheidung. Er wehrte sich jedoch dagegen, von einem „Bayern-Bonus“ zu sprechen. „An dieser Diskussion beteilige ich mich nicht. Es gefällt mir überhaupt nicht, dass ein tolles Fußballspiel auf diesen Elfmeterpfiff reduziert wird. Ich will lieber darüber reden, wie stolz ich auf meine Mannschaft bin.“ Doch dann hatte der 36-Jährige seinen Blick nach vorn gerichtet: „Wir werden versuchen, am Samstag in Düsseldorf einen großen Schritt in Richtung Europa zu gehen, damit die Lichter hier häufiger wieder angehen.“► Werder hat Stürmer Niclas Füllkrug von Schlusslicht Hannover 96 zurückgeholt. Die Ablöse soll bei etwa 6,3 Millionen Euro liegen. Der 26-Jährige pausiert derzeit mit einem Knorpelschaden.

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