Fußball: DFB-Pokal Achtelfinale
Schalke gelingt sensationelle Aufholjagd gegen Berlin

Gelsenkirchen -

Schalke 04 ist nach einer Aufholjagd ins Pokal-Viertelfinale eingezogen. Gegen Hertha BSC hatte es vor allem die Verlängerung in sich.

Mittwoch, 05.02.2020, 11:36 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 11:44 Uhr
Das Spiel gedreht: Benito Raman im Freudentaumel nach seinem Treffer zum 3:2 gegen Berlin.
Das Spiel gedreht: Benito Raman im Freudentaumel nach seinem Treffer zum 3:2 gegen Berlin. Foto: imago-images/Jörg Schüler

Der FC Schalke 04 steht im Viertelfinale des Pokalwettbewerbs. Mit einem 3:2-Erfolg nach 0:2-Rückstand setzten sich die „Knappen“ nach einer sensationellen Aufholjagd gegen Hertha BSC durch. Benito Raman erzielte den Siegtreffer in der 115. Spielminute.

Die Schalker – in diesem Jahrtausend bereits dreimal Pokalsieger (2001 gegen Union Berlin, 2002 gegen Bayer Leverkusen und 2011 gegen den MSV Duisburg) und 2005 1:2-Finalverlierer gegen die Bayern – hatten sich viel vorgenommen. Die Berliner auch, denn die Endspiel-Gastgeber haben das Finale daheim im Olympiastadion noch nie erreicht. Herthas letzte Endspielteilnahmen liegen lange zurück: 1977 und 1979 verloren sie jeweils 0:1 gegen Düsseldorf und Köln. Nun träumte Trainer Jürgen Klinsmann, der seinen Kader in den letzten Wochen mit rund 80 Millionen Euro für neue Spieler optimierte: „Ein Finale in Berlin, das wünscht sich jeder hier.“

Dortmund im Achtelfinale raus, Schalke weiter

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  • Enttäuschung in Schwarz-Gelb: Borussia Dortmund ist im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen ausgeschieden. Mit 2:3 unterlagen die Dortmunder.

    Foto: David Hecker/dpa
  • Den Auftakt machte der erst in der Winterpause nach Bremen zurückgekehrte Davie Selke in der 12. Minute. Er verwandelte einen Abpraller zum 1:0 für die Hausherren.

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  • Leonardo Bittencourt traf in der 30. Minute zum 2:0 für Bremen.

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  • Der Schütze des sehenswerten Treffers wird von Teamkollege Selke gefeiert.

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  • Doch in der zweiten Halbzeit kam Dortmund noch einmal zurück. Nach einer starken Vorarbeit von Julian Brandt (im Bild) traf der eingewechselte Stürmer Erling Haaland per Kopf zum 1:2 aus BVB-Sicht.

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  • Nur drei Minuten später war der alte Abstand wieder hergestellt. Milot Rashica traf in der 70. Minute zum 3:1 für Bremen.

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  • In der Schlussphase wurde es dann sehr hektisch. Zunächst traf der ebenfalls eingewechselte Giovanni Reyna mit einem traumhaften Schlenzer in den Winkel zum 2:3, dann stand er im Mittelpunkt einer heiß diskutierten Szene: In der 78. Minute ging er nach einem Zweikampf im Strafraum zu Boden.

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  • Anschließend knöpfte sich Bremens Kapitän Niklas Moisander den erst 17-Jährigen vor.

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  • Schiedsrichter Guido Winkmann schaute sich die Szene noch einmal auf dem Videomonitor an und entschied weder auf Elfmeter noch auf Platzverweis, sondern zückte jeweils eine gelbe Karte gegen Reyna und Moisander. Eine Entscheidung, die BVB-Kapitän Mats Hummels im Anschluss kritisierte: „Wenn ich die Zeitlupe sehe, ist das Rot und Elfmeter. Ich weiß nicht, wie man zu einer anderen Entscheidung kommen kann.“

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  • In der Schlussphase warf Dortmund noch einmal alles nach vorne. Doch Haaland scheiterte in der Nachspielzeit mit einem Kopfball an Werder-Torwart Pavlenka.

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  • Während sich der Dortmunder über die vergebene Chance ärgerte,...

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  • ...jubelten die Bremer, die in der Bundesliga im Abstiegskampf stecken, über ihren Einzug ins Viertelfinale.

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  • Dortmunds Revierrivale gelang es hingegen, nach einem 0:2-Rückstand vor eigenem Publikum noch ins Pokal-Viertelfinale einzuziehen.

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  • Gegner Hertha BSC legte früh los: Pascal Köpke traf in der 12. Minute zum 1:0 für die Gäste aus Berlin.

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  • In der 39. Minute wurde es noch besser für die Hauptstädter: Winter-Neuzugang Krzysztof Piatek schob nach einem Konter ein zum 2:0.

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  • In der zweiten Halbzeit wurde Schalkes Daniel Caligiuri zur Hauptfigur. Zunächst traf er nach einem Solo zum 1:2 (76.), knapp fünf Minuten später legte er noch das 2:2 auf. Doch dann verdrehte er sich das Knie und musste verletzt vom Platz. Weil Schalke schon drei Mal gewechselt hatte, mussten die Königsblauen die 90 Minuten in Unterzahl zu Ende bringen.

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  • Torschütze zum Ausgleich war Amine Harit, der Hertha-Keeper Jarstein aus kurzer Distanz tunnelte.

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  • In der Verlängerung wurde es turbulent: Nach einem Foul in der 100. Minute rutschte Herthas Jordan Torunarigha über die Außenlinie in Richtung der Schalker Trainerbank.

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  • Der bereits verwarnte Innenverteidiger sah die Gelb-Rote Karte, weil er vor der Schalker Trainerbank eine Getränkekiste zu Boden schleuderte.

    Foto: Bernd Thissen
  • Nach Videobeweis zeigte Schiedsrichter Harm Osmers dann Schalkes Trainer David Wagner die Rote Karte. Er hatte dem Berliner aufgeholfen und in dabei in den Nackenbereich gefasst. Wagner konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Ich hab wirklich keinerlei Erklärung.“ Foto

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • In Überzahl gelang Schalke die Entscheidung: Benito Raman sprintete bei einem Konter den Berliner Verteidigern auf und davon und schob zum 3:2 ein (115. Minute).

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • Der Belgier hat in diesem Pokalwettbewerb schon drei Tore für Schalke erzielt – bei zwei Einsätzen.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • Schalke bejubelte den Einzug ins Viertelfinale ausgelassen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Nach dem Spiel erhoben die Berliner Vorwürfe, dass der später vom Platz gestellte Jordan Torunarigha (r.) von Zuschauern rassistisch beleidigt worden sei. „Wir haben den Schiedsrichtern gesagt, dass sie den Jungen schützen müssen“, sagte Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann auf der Pressekonferenz.

    Foto: Bernd Thissen
  • „Ich bin da total bei Jürgen“, pflichtete Schalkes Trainer seinem Kollegen bei. „Wenn so Äußerungen getätigt werden, dass der Junge rassistisch beleidigt wurde, dann ist in der Regel da auch was dran. Ich selber habe es nicht gehört, nichtsdestotrotz möchte ich mich im Namen des FC Schalke 04 dafür bei dem Jungen und auch bei Berlin entschuldigen, weil wir alle wissen: Das gehört sich nicht.“

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  • Zuvor gelang am Dienstagabend bereits Fortuna Düsseldorf der Einzug ins Viertelfinale. Nach 1:2-Rückstand besiegten die Rheinländer den 1. FC Kaiserslautern mit 5:2. Düsseldorfs Matthias Zimmermann traf zum zwischenzeitlichen 3:2.

    Foto: Thomas Frey
  • Eintracht Frankfurt siegte mit 3:1 gegen RB Leipzig.

    Foto: Uwe Anspach
  • Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann übte sich nach dem Pokal-Aus und angesichts des nächsten Auswärtsspiels in der Liga bei Bayern München in Galgenhumor: „Auf jeden Fall fahren wir nicht nach München und singen: Wir fahren nach Berlin.“

    Foto: Uwe Anspach

Und es ging auch gut los für Hertha. Just schickte sich Schalke an, die Berliner – anders als beim schlappen 0:0-Bundesliga-Kick vor vier Tagen – unter Druck zu setzen, da klingelte es auch schon. Die neuformierte Innenverteidigung (Jean-Clair Todibo rückte für Ozan Kabak erstmals ins Team) war nicht ansatzweise im Bilde und Pascal Köpke traf zum 0:1 (12.).

Ein früher Punch der Berliner, den Amine Harit zwei Minuten später fast gekontert hätte: Erst rettete Jordan Torunarigha auf der Linie, dann Keeper Rune Jarstein in höchster Not (14.). Schalke war noch nicht drin im Spiel, brauchte Zeit, um die früh angreifenden Berliner ihrerseits unter Druck zu setzen. Durchdacht war das alles nicht, auch nicht konstruktiv. Hertha stand sicher und nutzte Schalker Nachlässigkeiten: Köpke vernaschte Todibo, Pass auf Herthas Neuzugang vom AC Mailand, Krzysztof Piatek, und der traf zum 2:0 (39.). Einfach billig dieser Gegentreffer aus Schalker Sicht. Und vorne? Kein Durchkommen. Hertha machte und hielt dicht – und hatte leichtes Spiel gegen konzept- und ideenlos anrennende Schalker. Pfiffe zur Pause.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit stabilisierte der Coach aber zunächst einmal die Abwehr, brachte Innenverteidiger Kabak für Todibo. Paradox bei einem 0:2-Rückstand? Zumal dem Schalker Offensivpersonal nichts einfiel, bis auf Pässe ins Nirwana. Herthas Abwehr hatte noch leichtes Spiel. Wagner reagierte noch mal. Raman und McKennie kamen nach einer Stunde für Ahmed Kutucu und Nassim Boujellab auf den Rasen. Schalke lebte auf, doch Hertha behielt die Kontrolle, verstärkte nun die Defensive und überließ den Gastgebern die Initiative. Die damit erst einmal nichts anzufangen wussten.

Geschlagen gaben sich die Knappen aber längst nicht. Und wenn es im Kollektiv nicht so recht funktionierte, dann eben so: Harit auf Daniel Caligiuri – 1:2 in der 77. Spielminute. Und weil es so schön war, funktionierte das auch andersherum: Caligiuri auf Harit – 2:2 in der 82. Minute. Die Arena – ein Tollhaus. Die Karten: neu gemischt. 30 Minuten gab es obendrauf.

In der Verlängerung ging es dann kunterbunt zu: Erst zeigte Schiedsrichter Harm Osmers Herthas Torunarigha Gelb-Rot nach einem Ausraster vor der Schalker Bank, dann sah (nach Videobeweis) auch David Wagner Rot (102.). Hertha in Unterzahl auf dem Platz – Schalke sorglos: Juan Miranda klärte auf der Linie und hielt die Knappen im Spiel. Und dann kam ja noch Raman.

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