DFB-Pokal
Saarbrücken Favoriten-Schreck dank «halbem Stadion»

Seit vier Jahren kann Regionalliga-Tabellenführer 1. FC Saarbrücken nicht in seinem Stadion spielen. Trotzdem schreibt er gerade ein kleines Fußball-Märchen im DFB-Pokal. Oder auch genau deswegen?

Montag, 02.03.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 15:08 Uhr
Der 1. FC Saarbrücken möchte für die nächste Überraschung sorgen.
Der 1. FC Saarbrücken möchte für die nächste Überraschung sorgen. Foto: Oliver Dietze

Saarbrücken (dpa) – Am Freitagabend fiel das Flutlicht aus. Auf der Anzeigentafel flimmerte gerade die Anzeige eines Energieversorgers, als es im Stadion in Völklingen mit einem Schlag dunkel wurde. Und für 26 Minuten blieb.

Die Fans des Pokal-Schrecks 1. FC Saarbrücken reagierten im Regionalliga-Spiel gegen die TSG Balingen mit Humor. Sie schalteten die Taschenlampen-Funktion ihrer Handys an, hielten sie hoch und sangen «Ludwigspark, Ludwigspark».

So heißt das Stadion, dessen seit Anfang 2016 andauernder Ausbau mit ständigem Kostenanstieg längst zur Polit-Posse geworden ist. So müssen die Saarbrücker schon seit vier Jahren im ungeliebten Völklinger Exil spielen. In dem es zieht, in das nur 6800 Zuschauer passen und in dem man von der einen Tribünenseite in ein Schwimmbad schaut.

Mancher glaubt, dass das Bundesliga-Gründungsmitglied auch deshalb trotz hohen Etats dreimal in Folge den Aufstieg in die 3. Liga verpasst hat. Doch im DFB-Pokal trieb die aus der Zeit gefallene Spielstätte, die nach dem früheren DFB-Präsidenten Hermann Neuberger benannt ist, die Saarländer zu einem kleinen Fußball-Märchen.

Erst als dritter Viertligist steht der FCS am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Fortuna Düsseldorf im Viertelfinale des DFB-Pokals. Zusammen mit sieben Erstligisten. Und das haben sie wohl auch diesem alten und maroden Stadion zu verdanken. «Im Liga-Alltag kostet es uns viele Zuschauer», sagte Sportchef Marcus Mann . Im Pokal komme es «uns aber zugute». Denn, wenn es im Pokal gegen die Großen der Branche geht, werden die sonst spielstarken Saarbrücker zu einer Kämpfertruppe. Das mit Zusatz-Masten aus England erzeugte Flutlicht und die euphorischen Fans erzeugen eine für die Profis seltsame Stimmung, die schon Bundesligist 1. FC Köln sowie die Zweitligisten Jahn Regensburg und Karlsruher SC zum Verhängnis wurde.

«Erst- oder Zweitligisten sind nicht gewohnt, in einem halben Stadion mit Laufbahn zu spielen», sagte Geschäftsführer David Fischer : «Das ist für alle gewöhnungsbedürftig.» So sieht es auch Torhüter Daniel Batz. «Völklingen ist bisher für uns ein Vorteil. Weil die gegnerischen Spieler reinkommen, nur die eine Tribüne sehen und sich fragen: Wo ist denn bitte das richtige Stadion?!», sagte er dem «Kicker». Und ergänzte: «Wenn das so weitergeht, nehmen wir das bis Berlin mit.» Dort steigt am 23. Mai das Pokalfinale.

Trainer Lukas Kwasniok sieht jedenfalls auch am Dienstag eine Chance. «Als ich Düsseldorf im Video angesehen habe, dachte ich: Wow, das ist eine andere Sportart», berichtete der 38-Jährige: «Eigentlich haben wir keine Chance, nur eigentlich ist eine doppelte Verneinung. Es könnte unangenehm für Düsseldorf werden.»

«Wirtschaftlich können wir Schulden aus der Vergangenheit abbauen. Und die mediale Aufmerksamkeit ist unbezahlbar», sagte Fischer. «Das hätte keine Marketing-Kampagne schaffen können», ergänzte Mann. Das Ziel lautet, in der kommenden Saison im neuen Ludwigspark 3. Liga zu spielen. «Wir haben großes Vertrauen in die Stadt, dass wir im Sommer dort spielen können», sagte Fischer: «Sei es in einem fertigen Stadion oder in einer Baustelle.» Letzteres sind die Saarbrücker ja nun irgendwie gewöhnt.

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