Viertelfinale DFB-Pokal
Casteels und Gulacsi: Stille Keeper als heimliche Stars

Peter Gulacsi und Koen Casteels sind aktuell die besten Torhüter der Bundesliga. Dabei zeigen sie, dass ein erfolgreicher Keeper nicht gleichzeitig ein extrovertierter Schreihals sein muss.

Dienstag, 02.03.2021, 12:44 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 12:46 Uhr
Wichtige Rückhalt im RB-Tor: Peter Gulacsi.
Wichtige Rückhalt im RB-Tor: Peter Gulacsi. Foto: Marton Monus

Leipzig (dpa) - Unaufgeregt, gewissenhaft, effizient - Peter Gulacsi und Koen Casteels erinnern in ihrem Auftreten eher an sachliche Finanzbeamte als an schillernde Fußball-Stars.

Unabhängig vom biederen Charisma gehören die Torhüter zu den Leistungsträgern ihrer Clubs RB Leipzig und VfL Wolfsburg und sind aktuell das Beste, was es in der Fußball-Bundesliga zwischen den Pfosten zu bestaunen gibt. Am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD und Sky) dürften Gulacsi und Casteels beim Aufeinandertreffen im Viertelfinale des DFB-Pokals wieder im Mittelpunkt stehen.

«Sie unterscheiden sich in gewissen Situationen, die ich aber nicht verraten möchte. Beide spielen eine sehr gute Saison», sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. Neben Gulacsi, der für ihn «ein extrem wichtiger Rückhalt mit großem Einfluss auf die Abwehr» ist, kennt Nagelsmann auch Casteels aus seiner Hoffenheimer Zeit: «Zu Beginn hatte er große Probleme. Er hat einen unfassbaren linken Fuß, beherrscht alle Spieleröffnungen und spielt mutig.»

In der Bundesliga gibt es zwischen dem ungarischen und dem belgischen Nationaltorhüter ein enges Rennen um die meisten Zu-Null-Spiele. Beide schafften das in dieser Saison bereits elfmal, was fast der Hälfte der Spiele entspricht. Casteels ist aktuell sogar seit 666 Minuten ohne Gegentor und weist zudem mit 75,3 Prozent an abgewehrten Schüssen den Bundesliga-Bestwert auf. Im Torwartland Deutschland ist das Duo aktuell die Benchmark für erfolgreiche Arbeit im Kasten.

Die Biografien weisen durchaus Parallelen auf. Beide verließen ihre Heimat als Teenager, Gulacsi ging als 18-Jähriger zum FC Liverpool und Casteels schloss sich mit 19 der TSG Hoffenheim an. Beide waren keine Überflieger, sondern erkämpften sich ihren Status über Leihen oder das Reserveteam. Es hat sie geprägt, sowohl Gulacsi als auch Casteels sind heute Vize-Kapitäne ihrer Teams und sich bewusst, dass sie sich ihren heutigen Status hart erarbeiten mussten.

Womöglich fehlt ihnen deshalb der Glamour-Faktor, den man Torhütern bisweilen nachsagt. Sie brauchen ihn allerdings auch nicht. «Ich mag es nicht, vor Kameras rumzuschreien und eine Show abzuziehen», sagte Casteels, der Edwin van der Sar sein Vorbild nennt. «Koen hat eine große Ausstrahlung», betonte VfL-Trainer Oliver Glasner. «Die definiert sich aber nicht über das Herumbrüllen auf dem Platz, sondern durch seine Präsenz und Klasse. Koen sagt intern bei uns auch ganz klar seine Meinung.» Nicht durch brüllen, sondern durch sachliche Äußerungen. Dies sei sein Wesen.

Diese menschlichen Züge lassen sich eins zu eins über Gulacsi sagen. Der 30-Jährige ist ein enorm wichtiger Faktor in der Kabine, stand mit anderen Führungsspielern wie Marcel Sabitzer und Yussuf Poulsen schon zu Zweitliga-Zeiten auf dem Platz. Unter Trainer Julian Nagelsmann hat er sein Spiel nochmals weiterentwickelt, ist mit dem Ball am Fuß ähnlich stark wie Casteels.

Während bei Casteels die Verkündungen der Geburten von Tochter Cilou und Sohn Nicolas zu den seltenen privaten Einblicken zählen, nutzt Gulacsi seinen Status deutlich öffentlicher. Mit Ehefrau Diana engagiert er sich seit Jahren für den Tierschutz, spendet in seiner Heimat zudem jährlich seine gesamten Prämien aus der Nationalmannschaft für die Kindermedizin. Ende Februar bezog er erstmals politisch Stellung, wandte sich in den sozialen Medien gegen die homophobe Gesetzgebung in Ungarn. Dass er aus seiner Heimat dafür auch viele negative Kommentare erntete, wird ihn nicht einschüchtern.

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