Erste Bundesliga
Hertha in Lauterns Abstiegssog: Kein Rehhagel-Wunder

Berlin (dpa) - Sein Ex-Club ist endgültig wieder in Liga zwei. Und bei seinem aktuellen Verein ist Otto Rehhagel offenbar mit seinem Latein am Ende. Die Rettungsmission des 73-jährigen Trainer-Oldies in Berlin steht nach der 1:2-Pleite gegen seinen ehemaligen Meisterclub 1. FC Kaiserslautern vor dem krachenden Scheitern.

Sonntag, 22.04.2012, 09:04 Uhr

Erste Bundesliga : Hertha in Lauterns Abstiegssog: Kein Rehhagel-Wunder
Otto Rehhagel wurde bei Hertha wie ein Heilsbringer gefeiert, vollbringt aber keine Wunder. Foto: Sebastian Kahnert Foto: dpa

«Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagte Rehhagel zwar gleich mehrmals. Doch der unterirdische Auftritt von Hertha BSC gegen den ersten Absteiger aus der Fußball-Bundesliga 2012 war so schockierend, dass sogar der sich zuvor immer so kämpferisch gebende Manager Michael Preetz eingestand: «So wie wir heute gespielt haben, haben wir keine Chance. So holen wir keinen Punkt mehr.»

Während die nun tatsächlich abgestiegenen Lauterer im Berliner Olympiastadion wieder erste Annäherungsversuche zu ihren enttäuschten Fans wagten, sah Herthas Vorstellung schon wie eine Kapitulation aus. Keine Spur von «Alles oder Nichts», kein Aufbäumen, kein Plan: Das, was im Abstiegskampf unbedingt notwendig ist, «war total weg über 90 Minuten», befand Preetz frustriert. Selbst als nach der FCK-Führung durch Oliver Kirch (27. Minute) und Liga-Neuling Andrew Wooten (38.) Peter Niemeyer zum 1:2 einköpfte (60.), blieb der Endspurt der Berliner aus.

Erklärungen fand Rehhagel in der für ihn beispiellosen Personalnot: «So dramatisch wie bei Hertha hab' ich das noch nie erlebt, dass Leute spielen müssen, die die ganze Woche nicht trainieren konnten.» Mehr als eine komplette Abwehr fällt den Berlinern inzwischen wegen Verletzungen aus. Nun kassierte Aushilfs-Verteidiger Niemeyer, gegen Lautern noch der leidenschaftlichste Herthaner, auch noch eine Gelb-Rote Karte - schon der achte Platzverweis für den Hauptstadtclub in dieser Saison.

Das aber ist nur einer von vielen Gründen für die Situation, in die sich der Aufsteiger innerhalb von vier Monaten selbst manövriert hat. Das zuvor so erfolgreiche Kapitel mit Hoffnungs-Trainer Markus Babbel wurde im Dezember 2011 nach Lügenvorwürfen zwischen ihm und Preetz beendet. Nachfolger Michael Skibbe wurde nach fünf Pleiten beurlaubt und von Preetz als «Fehler» bezeichnet. Und Rehhagel kann ein Wunder nach über elfjähriger Arbeitspause in der Bundesliga eben auch nicht auf Bestellung produzieren.

Der fatalsten Fehleinschätzung aber saß wohl Preetz bei der Beurteilung der Bundesliga-Tauglichkeit seines Personals auf, zu der neben fußballerische eben auch mentale Qualitäten zählen. Zwar gehören die Ramos, Raffael, Lell, Ottl, Torun, Ben-Hatira, Ronny, Bastians oder Ebert sicher zu jenen Erstliga-Kickern, die einen ordentlichen Ball spielen können. Es darf nur kein Druck dabei sein. Dann war es zuletzt in der Regel mit der Konkurrenzfähigkeit vorbei.

Dies ist wohl auch den treuesten Berliner Fans spätestens in den 90 Minuten gegen Absteiger FCK klar geworden, der zuvor 21 Mal und mit Neu-Trainer Krassimir Balakow noch gar nicht gewonnen hatte. Die Resignation bei den Hertha-Anhängern unter den 51 461 Zuschauern war förmlich spürbar; zur Pause gab es noch ein lautes Pfeifkonzert, dann immer mehr Stille. «Wir müssen jetzt einigermaßen die Enttäuschung überwinden, es nutzt nichts», sagte Rehhagel und verwies auf die noch immer nur zwei Punkte Rückstand auf Relegationsplatz 16 vor dem Showdown auf Schalke und dann gegen den neuen Babbel-Club Hoffenheim: «Unsere Chance ist noch da, man muss versuchen, sie zu nutzen.» Der Glaube daran in Berlin geht allerdings gegen Null.

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