Fußball: Bundesliga
Risse im Mauerwerk beim VfL Wolfsburg – auch der Hamburger SV leidet und zittert

Münster -

Der Norden leidet. In der Fußball-Bundesliga droht dem HSV und dem VfL Wolfsburg der Absturz in die 2. Liga. Aber auch Hannover 96 und der SV Werder Bremen haben schon bessere Zeiten erlebt. Holstein Kiel dagegen muckt frech auf.

Montag, 07.05.2018, 19:05 Uhr

Sanierung zwingend erforderlich: das marode Mauerwerk des VfL Wolfsburg.
Sanierung zwingend erforderlich: das marode Mauerwerk des VfL Wolfsburg. Foto: imago

Der traurigste Moment kommt immer dann, wenn die Bundesliga-Berichterstattung fast abgeschlossen ist. Dann blenden die Macher des „Sportclub“ im NDR am späten Sonntagabend noch schnell die Tabelle ein. Und der Moderator begleitet das seit Monaten mit bedrückter Stimme: „Unsere Nordclubs leider erst in der zweiten Hälfte.“

Die stolzen Vereine des Verbreitungsgebiets befinden sich seit Jahren im dauerhaften Krisenmodus. Der Hamburger SV oder der VfL Wolfsburg – einer wird an diesem Wochenende in die 2. Liga absteigen. Am Ende kann es auch gut und gerne beide erwischen, denn auch die Relegation kommt ja noch. Und das trotz finanzieller Spitzenvoraussetzungen. In der Autostadt schießt der VW-Konzern seit Jahren viele Millionen ins Werksteam. Mal erfolgreich (Meister 2009, Pokalsieger 2015), meist aber ohne nennenswerten Ertrag – und jetzt droht der Totalabsturz nach einem beispiellosen Niedergang, der schon 2016 begann, sich in der Vorsaison mit der glücklichen Rettung in der Relegation fortsetzte und nun seinem negativem Höhepunkt entgegenblickt. Seltsam, mit welcher Lethargie sich die Wölfe auch mit „Feuerwehrmann“ Bruno Labbadia ihrem Schicksal ergeben.

Etwas anders gelagert ist der Zustand beim HSV. Auch der „Dino“, der als einziger Club immer erstklassig war, hat nicht zuletzt dank Super-Gönner Klaus-Michael Kühne viel Geld zur Verfügung, was er regelmäßig dilettantisch verbrennt. Kein Spieler wurde an der Alster in den vergangenen Jahren besser, fette Gehälter gab’s trotzdem immer. Zwei Mal (2014 und 2015) setzte sich der Club mit Glück gegen die Zweitliga-Dritten (Greuther Fürth, Karlsruher SC) durch. Jetzt wäre der Verein, in dem sich die Amtsträger oft so gut es geht blamieren, eigentlich fällig nach einer über lange Strecken miserablen Spielzeit. Der kleine Aufschwung unter Coach Christian Titz könnte zu spät kommen.

Erst am 33. Spieltag machte Hannover 96 den Klassenerhalt dingfest. Eigentlich gar nicht ungewöhnlich für den Aufsteiger, der eine hervorragende Hinrunde hinlegte. Doch die Roten kommen nicht zur Ruhe, die Zukunft erscheint alles andere als rosig. Intern wackeln die Wände, seit Präsident Martin Kind versucht hat, die 50+1-Regel auszuhebeln, was ihm die aktiven Fans, aber auch Gremienmitglieder schwer verübeln. Der Club, der 2016 sang- und klanglos und vor allem gänzlich unerwartet abstieg, droht in einem Klima des Misstrauens zu versinken. Bestes Beispiel: Manager Horst Heldt versuchte zwei Mal vergeblich, den Abflug zu machen, wollte nach Köln und Wolfsburg, wo er in der nächsten Saison nicht mit Erstliga-Fußball rechnen darf. Die Stimmung im Stadion: miserabel. Wer mag wohl dorthin wechseln? Schon jetzt ist 96 ein Abstiegskandidat für 2019.

Beruhigt hat sich die Lage immerhin bei Werder Bremen. Nach dem elften Spieltag waren die Hanseaten siegloser Vorletzter, ehe es unter Trainer Florian Kohfeldt bergauf ging. Allerdings sollte der Liga-Erhalt mit einem Kader, in dem Max Kruse, Thomas Delaney oder Niklas Moisander stehen, eine Selbstverständlichkeit sein. Nun hat der SVW schon wieder fünf Mal nicht gewonnen, neben Zlatko Junuzovic dürfte auch Delaney den Abflug machen. Keine traumhaften Perspektiven. Finanzkräftig war der Double-Gewinner von 2004 selten, das wird sich auch nicht ändern. Daher ist seit 2011 fast permanent der Keller das Zuhause.

Aktuell ist Werder als Zwölfter bester Nordverein. Glückwunsch, aber die Konkurrenz in diesem lange so stolzen und erfolgreichen Landstrich hat eben kräftig abgebaut. Ein bisschen Verstärkung deutet sich dennoch an. Holstein Kiel spielt die Relegation zur Bundesliga. Vermutlich gegen Wolfsburg oder den HSV. Clubs, von denen den Emporkömmling vor zwei Jahren noch Welten trennten.

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