Fußball: Bundesliga
BVB schafft Wende mit Feuerwerk gegen die Bayern

Dortmund -

Was war das für ein Samstagabend? Borussia Dortmund und Bayern München lieferten ein Top-Spiel, wie es die Bundesliga seit Jahren nicht gesehen hatten. Am Ende verfestigte sich beim 3:2 der Eindruck, dass der BVB den Rekordmeister aktuell abgehängt hat.

Sonntag, 11.11.2018, 19:18 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 14:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 11.11.2018, 19:18 Uhr
Die Entscheidung in Dortmund: Paco Alcacer dreht nach dem 3:2 jubelnd ab, Bayern-Keeper Manuel Neuer kauert frustriert am Boden.
Die Entscheidung in Dortmund: Paco Alcácer dreht nach dem 3:2 jubelnd ab, Bayern-Keeper Manuel Neuer kauert frustriert am Boden. Foto: dpa

Am Ende waren nicht alle in gleicher Stimmung, aber zumindest in einem Punkt gleicher Meinung: Dieses mitreißende und nichts auslassende Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München war ein großes und berauschendes Statement für die Fußball-Bundesliga. Es mag sein, dass es gerechter gewesen wäre, hätte am Ende von genau 98 Minuten ein Unentschieden gestanden und nicht einer Alles und der andere Nichts bekommen. Doch so funktioniert Fußball nicht, wenn Köpfe und Körper brennen und sich über 81 000 Zuschauer heiser brüllen. Das Duell der Branchenriesen war schon immer außergewöhnlich emotional. An diesem Samstag hatte es epische Züge, der BVB gewann es nach zweimaligem Rückstand 3:2 (0:1).

Einige Zeit sah es so aus, als sei Dortmund nicht in der Lage, das bayrische Schwergewicht zu stemmen. Der Tabellenführer stand zu tief, war zu passiv, es fehlten Überzeugung und Courage. Die Führung der Bayern durch Robert Lewandowski (18.) war die logische Konsequenz, der spielstarke, energische und geschlossen auftretende Titelverteidiger hatte den Herausforderer im Schwitzkasten. Mit einiger Mühe rettete sich die Borussia in die Pause. „Ich war zufrieden mit dem 0:1“, sagte Lucien Favre später sprachlich etwas ungelenk. Natürlich wusste jeder, der dem BVB-Trainer zuhörte, was er meinte – Dortmund, das dreimal aussichtsreich, aber sehr schlampig konterte, war mit dem knappen Rückstand sehr gut bedient.

Nun ist es so, dass im Fußball kein Statiker Gewähr auf Substanzerhalt gibt. Dinge verschieben sich mitunter im Fluge. Vielleicht war es die Einwechslung von Mahmoud Dahoud im Mittelfeld, die dem BVB Kraft und Energie gab. Die Bayern, bis zur Halbzeit souverän im Ballbesitz-Modus, mussten plötzlich zurück und das eigene Tor verteidigen. Was schiefging, als Keeper Manuel Neuer Stürmer Marco Reus zu Fall brachte und der Gefoulte vom Elfmeterpunkt ausglich (49.). Und jetzt: Wackel-Bayern? Super-Bayern? Lewandowski gab vier Minuten später nach prächtiger Kombination mit dem 1:2 die Antwort.

Ein Stimmungskiller, allerdings nur vorübergehend. Denn dieses neue Dortmund hat gelernt, mit Rückständen umzugehen und speist sich aus einem ungeheuren Kraftwerk. Reus (62.) und der eingewechselte Paco Alcacer (65.) waren ganz nahe am 2:2, ehe Reus es tatsächlich erzielte (67.). Sechs Zeigerumdrehungen später schloss Edeljoker Alcacer einen Bilderbuchkonter zum 3:2 ab. Dieser Geschwindigkeit und dieser Tempohärte, die der BVB auf den Rasen brachte, waren die Münchner nicht mehr gewachsen, sie hatten vor der Halbzeit offenbar zu viel Kraft verbraucht. „Mir war klar, dass Bayern dieses Tempo nicht halten kann. Das 3:2 ist kein unlogisches Ergebnis“, meinte Favre später. Kapitän Reus bestätigte seinen Trainer: „Nach dem 2:2 hatte ich das Gefühl, dass wir mehr Luft haben.“

Mit dem Sieg im Gipfel legte der BVB sieben Punkte zwischen sich und die Münchner. Fragen über den Wert des Vorsprungs lockten Favre nicht aus der Reserve. Der Schweizer kennt das Spielchen und bleibt in den Antworten gleich: „Es ist sehr, sehr schwer in dieser Liga, jedes Spiel ist schwer. Seit ich hier bin, waren schon viele Spiele Wahnsinn. Du weißt nie, was du am Ende hast.“

Bislang hatte Dortmund in der Liga immer etwas, meistens sogar alles.

Hummels und Neuer im Fokus

Es gibt Tage, da laufen die Dinge auch bei den besten Fußballmannschaften dieses Planeten komplett aus dem Ruder. Real Madrid, das bar jeden Zweifels dem elitären Zirkel zuzurechnen ist, erfuhr dies erst unlängst beim 1:5 gegen den Erzrivalen FC Barcelona. In Deutschland ist der FC Bayern die feinste Adresse und dazu ein Club von überragender internationaler Qualität. Gerade machen die Münchner allerdings eine schwere Zeit durch – so wie Madrid. Anders als Real im spanischen saßen sie im deutschen Klassiker am Samstag in Dortmund lange sehr nahe am Ruder und spielten fabelhaft. Es war über weite Strecken eine herausragende Leistung. Gewonnen haben sie trotzdem nicht. Sie verloren sogar. Es muss schmerzhaft gewesen sein, sehr schmerzhaft.

Wenn das Beste des großen FC Bayern nicht genügt, liegt der Verdacht nahe, dass da fremde Kräfte im Spiel waren. Tatsächlich jedoch standen sie sich an einem berauschenden Fußballabend ein bisschen selbst im Wege. Mats Hummels entschuldigte folgenschwere Fehler nachher mit einer „schweren Erkältung“. Er habe viele Dinge nur dumpf und verschwommen wahrgenommen, „das hat mein Spiel gehandicapt“. Obwohl Trainer Niko Kovac in Kenntnis gesetzt war, blieb der Nationalverteidiger auch nach der Pause auf dem Platz. „Die Ärzte haben ihm ein Medikament verabreicht, es gab ein okay von ihnen und auch von Mats“, erklärte Kovac. So beendete Hummels den Arbeitstag erst nach 65 Minuten, da führten die Bayern 2:1. Es lag nicht am 29-Jährigen, dass die Partie noch eine kapitale Wende nahm.

Über ein ordentliches Stück Selbstschuld sprach Torhüter Manuel Neuer. „Heute hat uns einfach die Cleverness gefehlt“, sagte er. Ein beinhartes Urteil – dem Rekordmeister mit geballter Erfahrung und irrem Fundus an großen Fußball-Schlachten ist in dieser Saison ja schon vieles zugeschrieben und unterstellt worden; dieses Defizit ist neu. Vielleicht aber gar nicht so abwegig. „Bei den Gegentoren haben wir uns zweimal auskontern lassen, das darf nicht passieren“, konstatierte Kovac.

Es sind schwierige Wochen für die national vom Dauererfolg gestreichelten Bayern. Nur eine mehr als die Hälfte ihrer bisher bestrittenen Begegnungen haben sie gewonnen, der Rückstand auf Herausforderer Dortmund wuchs am Samstag auf sieben Punkte an. Das ist nach erst elf Spieltagen gewiss weit entfernt von einem „Erdbeben“. Aber ein bisschen Sorge gibt es in München schon, die Vorherrschaft zu verlieren. „Wir können alle die Tabelle lesen“, sagte Neuer.

Kommentar

Wachablösung? Gemach. Wer die Bayern schon abgehängt sieht, ist ein bisschen eilig unterwegs. Ja, sie haben den Klassiker in Dortmund verloren. Aber eine Halbzeit lang so gut, so inspiriert und im Kollektiv so stark gespielt wie lange nicht mehr. Die Münchner hatten einen erheblichen Anteil am famosen Spektakel. Und da wird in den kommenden Wochen und Monaten ganz sicher noch mehr kommen.Ein bisschen rätselhaft bleibt der Rekordmeister trotz erkennbarer Leistungssteigerung trotzdem. Dass sich Verteidiger Mats Hummels erst nach dem Spiel im TV-Interview krankmeldete und nicht vorher, ist mindestens irritierend. Irgendetwas scheint da in der internen Kommunikation noch immer nicht zu stimmen. Diesmal hat’s aber kein Maulwurf ausgeplaudert, sondern der Spieler selbst. Hummels erweckte den Eindruck, dass er seine mäßige Vorstellung mit der körperlichen Verfassung erklären und entschuldigen wolle. Bewusst oder unbewusst zog er damit Trainer Niko Kovac mit ins Boot. Tatsächlich hätte der eloquente Nationalspieler an diesem Abend besser geschwiegen.

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