Fußball: Bundesliga
BVB gegen Hoffenheim nachlässig und überheblich

Dortmund -

Auf fünf Punkte ist der Vorsprung von Borussia Dortmund an der Tabellenspitze zusammengeschrumpft. Das machte den Schwarzgelben aber weniger zu schaffen als die Art und Weise, mit der sie ein 3:0 gegen 1899 Hoffenheim verschenkten. Am Ende stand es 3:3.

Sonntag, 10.02.2019, 16:20 Uhr aktualisiert: 10.02.2019, 16:24 Uhr
Kollektive Enttäuschung: Dortmunds Profis schieben nach dem 3:3-Schock Frust.
Kollektive Enttäuschung: Dortmunds Profis schieben nach dem 3:3-Schock Frust. Foto: dpa

Vielleicht ordnete Sebastian Kehl die Gefühlswelt von Borussia Dortmund an diesem verregneten Samstag mit einem klassischen Versprecher am treffendsten ein. „Die Niederlage ...“, sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung, ehe er stockte und fortfuhr, „... ich meine natürlich das Unentschieden, haben wir uns selbst anzukreiden.“ So viel Wahrheit in einem holprigen Satz. Tatsächlich begriff der BVB das 3:3 (2:0) gegen die TSG Hoffenheim als Fehlschlag. Und de facto hatte er am ernüchternden Endergebnis mehr Anteil als der lange blasse Konkurrent. In nur zwölf Minuten gab Dortmund eine komfortable 3:0-Führung aus der Hand.

Zwischen Genie und Wahnsinn nistet sich mitunter ein Schuss Überheblichkeit ein. Das ist im Fußball so wie im richtigen Leben und in der Regel kontraproduktiv. Der BVB spielte gegen Hoffenheim einige Zeit sehr, sehr gut. Den Toren durch Jadon Sancho (32.), Mario Götze (43.) und Raphael Guerreiro (66.) gingen teils geniale Kombinationen voraus. Tempo, Doppelpass, Hackentrick – alles dabei. Mutlose Gäste waren in Halbzeit eins nur Statisten. Und wären für Zählbares wohl auch nicht mehr in Frage gekommen, wenn der überragende Sancho in der 75. Minute nicht den Pfosten, sondern ins Tor getroffen hätte. Im direkten Gegenzug gelang Ishak Belfodi das 1:3.Es traf den BVB nicht zufällig, schon früh nach der Pause hatte er sich von Konzentration und Konsequenz verabschiedet. Fehlpässe häuften sich, manchmal direkt vor dem eigenen Strafraum. Das sah mindestens sorglos und schludrig aus, manchmal sogar arrogant. Torhüter Roman Bürki pfiff seine Vorderleute mehrfach verärgert an. Mit zwei starken Paraden verhinderte der Schweizer das mögliche 1:2. Das 3:0 schien genau zur rechten Zeit zu fallen, ein Dolchstoß gegen die Hoffenheimer. Das war’s, dachten alle, die mit dem BVB sympathisieren.

Eine halbe Stunde später hatte sich das ganze Glück aufgelöst. Riesenfrust brach sich nach der Wende durch die Gegentore von Belfodil (75., 87.) und Pavel Kaderabek (83.) Bahn. „Eigentlich lief es gut – bis wir angefangen haben, Fehler zu machen“, konstatierte Mittelfeldspieler Guerreiro. „Wir haben uns in der zweiten Halbzeit kaum noch freispielen können und nur die Lösung mit langen Bällen gefunden“, befand Innenverteidiger Julian Weigl.

3:3 nach 3:0, schon ein bisschen Wahnsinn, wie der lange Walzer tanzende Ligaprimus komplett aus dem Takt geriet und am Ende böse ausrutschte. „Ärgerlich“, sagte Mario Götze, „sehr ärgerlich sogar.“ Auch mit Blick auf das Klassement. Der Vorsprung des Spitzenreiters auf Titelverteidiger Bayern München reduzierte sich auf fünf Punkte. Vor Beginn der Rückrunde waren es sechs. Das ist jetzt noch kein dynamischer Schrumpfungsprozess. Aber nach zuletzt drei Unentschieden (mit Pokal-K.o. gegen Bremen im Elfmeterschießen) jeweils nach Führungen werden sich die Protagonisten in Dortmund schon Gedanken machen über die Balance im Spiel und allzu viel Sorglosigkeit auf dem Platz. Sebastian Kehl glaubt nicht an einen Trend. „Wir waren im Erfolgsfall ruhig und werden das wieder hinkriegen“, meinte der Ex-Profi nach der gefühlten Niederlage.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6382079?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F50820%2F
Münster vor dem Klimanotstand
Künftig  sollen in Münster regelmäßig Berichte über die Auswirkungen der CO²-Emissionen verfasst werden.
Nachrichten-Ticker